Bewegung, Ernährung, Schlaf – was hat das mit Erfolg an der Uni zu tun?

Für die meisten Studiengänge an der Universität Basel gilt, dass das Studium nur fortsetzen darf, wer alle Erstjahresprüfungen besteht. Studierende sind damit im ersten Jahr besonders hohem Leistungsdruck ausgesetzt – und damit die perfekte Zielgruppe, um unsere Forschungsfragen zu untersuchen. Die Studierenden füllten dazu wiederholt einen kurzen Online-Fragebogen aus – genauer gesagt zwischen 30 und 65 Mal über einen Zeitraum von bis zu acht Monaten. Abgefragt wurde das derzeitige Gesundheitsverhalten, emotionales Befinden, Lernverhalten und das Erreichen von Lernzielen. Gesundheitsverhalten wurde mit Fragen zu Bewegung, Schlafqualität und „Snacking“ erfasst – letzteres im Sinne ungesunder Snacks wie Chips (fettig-salzig) oder Schokoriegel (fettig-süß). Als Maß für akademische Leistung wurden die Studierenden am Studienende zudem nach ihren Prüfungsnoten gefragt.

Die Ergebnisse zeigen: Schlafqualität und Bewegung fördern das Wohlbefinden; Wohlbefinden fördert in der Folge die Lernzielerreichung. Hatten die Studierenden besser geschlafen oder sich mehr bewegt, gaben sie mehr positiven Affekt und bessere Lernerfolge an. Und bessere Lernerfolge sagten einen erfolgreicheren Examensabschluss voraus. „Snacking“ hing weder mit Affekt noch mit Lernerfolg zusammen. Bewegung und Schlaf hängen mit positivem Befinden zusammen und können auf diesem Wege (mit)entscheiden, dass das erste Jahr erfolgreich endet und das Studium nicht frühzeitig aufgegeben werden muss.

Gerade an stressigen Tagen sind Schlafqualität und Bewegung besonders wichtig für das Wohlbefinden – beide konnten die negativen Wirkungen von Stress auf das Befinden abdämpfen; der Griff zum Schokoriegel bzw. „Snacking“ hatte keine solche Pufferwirkung. Dabei gilt: Schon einzelne Nächte mit besserer Schlafqualität bzw. einzelne Tage mit mehr Bewegung fördern positiven Affekt und das Erreichen von Lernzielen – und damit zentrale Aspekte im jungen Erwachsenenalter. Regelmäßiges Gesundheitsverhalten ist nach wie vor erstrebenswert, aber auch kleine Verbesserungen im Gesundheitsverhalten können das psychische Wohlbefinden und die akademische Leistung bereits positiv beeinflussen: Doch mal wieder mit dem Fahrrad zur Uni statt den Bus zu nehmen, hin und wieder den inneren Schweinehund überwinden und abends zum Uni-Sport statt direkt auf die Couch – anders als man glauben mag, könnten sich solche „aktive“ Auszeiten nicht nur auf die Fitness positiv auswirken, sondern auch auf die Prüfungsergebnisse. Die Ergebnisse unserer Studien bieten zudem Ansatzpunkte für „niederschwellige“ Programme zur Gesundheitsförderung und Stressprävention, d. h. für Programme, die mit einfachen, leicht umzusetzenden Maßnahmen den (Studien-)Alltag unterstützen.

Wie „bewegt“ man junge Erwachsene zu Gesundheitsverhalten?

Überall Rolltreppen und Fahrstühle, ungesunde Snacks jederzeit in Reichweite – die Wissenschaft ist sich weitgehend einig, dass solche Umgebungsfaktoren für Gesundheitsverhalten hinderlich sind; sie verlocken zu Bequemlichkeit und schnellem Genuss statt zu regelmäßiger Bewegung im Alltag und ausgewogener Ernährung. Das steht nicht nur der psychischen und körperlichen Gesundheit im Wege, sondern letztlich auch der akademischen Leistung. Wie kann man solche Umgebungsfaktoren beeinflussen? Zum Beispiel über den Geldbeutel – erhöhte Steuern auf besonders fettige oder zuckerhaltige Lebensmittel (Mytton, Clarke & Rayner, 2012) machen diese teurer und damit unattraktiver.

Die Veränderungen in Besteuerung und Konsum von Tabakprodukten über die letzten 20 Jahre hat gezeigt, dass solche Veränderungen und gesellschaftliches Umdenken Zeit brauchen. Hier und jetzt lässt sich dagegen das Gesundheitsverhalten von jedem/ jeder Einzelnen fördern: Beispielsweise erhöhen konkrete Pläne die Wahrscheinlichkeit, dass „gute Vorsätze“ umgesetzt werden (Gollwitzer, 1999) – es lohnt sich also, das Wann, Wo und Mit-Wem von Gesundheitsverhalten sorgfältig zu planen. Und wer hätte es gedacht – Spaß ist der bessere Motivator: Langfristig bewegen sich Personen mehr, die Freude an Bewegung haben, als Personen, die nur aktiv sind, um abzunehmen oder Anerkennung von dem/ der PartnerIn zu bekommen (Teixeira, Carraca, Markland, Silva & Ryan, 2012) – die Psychologie spricht hier auch von „intrinsischer“ versus „extrinsischer“ Motivation. Wie findet man heraus, wozu man intrinsisch motiviert ist? – Eine Möglichkeit wäre, so lange verschiedene Bewegungsmöglichkeiten auszuprobieren, bis man die entdeckt, die Spaß machen.

Schlussbemerkung

Gesundheitsverhalten wie Bewegung oder ausreichend Schlaf fördern das psychische Wohlbefinden und akademische Leistungen – und sind damit hoch relevant für junge Erwachsene, die ein Studium beginnen. Genau diese Zielgruppe vernachlässigt ihr Gesundheitsverhalten jedoch oft – nicht selten, um mehr Zeit zum Lernen zu haben. Dass sie damit ihre Lernleistung vermindern, ist wohl den meisten nicht bewusst. Will man bei dieser Zielgruppe für Gesundheitsverhalten werben: Psychisches Wohlbefinden und akademischer Erfolg sind hier womöglich bessere Argumente als körperliche Gesundheit. Damit auch – oder gerade – in der stressigen Lernzeit gilt: Viel bewegen und schlafen!

Literaturverzeichnis

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