Das Gehirn kann nicht abschalten! Was tun?

Ein anderer Zweig der Burnout-Forschung beschäftigt sich mit der Arbeitsumgebung: Was kann der Arbeitgeber an der Unternehmenskultur ändern, um Burnout-Symptome bei seinen Mitarbeiter/innen zu verringern? Dazu können strukturelle Veränderungen zählen, wie etwa vorgeschriebene Arbeitsunterbrechungen, oder auch die Sensibilisierung von Betriebsärzt/innen und das Herstellen einer positiven Arbeitsatmosphäre.

Das Gehirn ist auf das Ausführen der unterschiedlichsten Tätigkeiten spezialisiert. Wenn eine dieser Tätigkeiten trainiert wird, beispielsweise das Schlagzeugspielen, ändert sich auch das assoziierte Resting State Network, welches in der Ruhe aktiviert wird. Unser Alltag und die Tätigkeiten, die wir ausüben, beeinflusst also auch unseren Ruhezustand (Bild von Esther Kühn).Auch wenn das Phänomen Burnout und die damit verbundenen Schwierigkeiten abzuschalten multifaktoriell sind und individuell untersucht und behandelt werden müssen: Es ist eine relevante Erkenntnis, dass die Aktion die Ruhe definiert. Sie hebt die Wichtigkeit eines ausgeglichenen Alltags hervor und entlarvt den Gedanken, im Urlaub plötzlich ein anderer Mensch sein zu können, als unrealistisch. Viele Studien zeigen allerdings, dass das Trainieren neuer neuronaler Netzwerke Zeit und Geduld braucht (Amad et al., 2016). Dies scheint nahezulegen, dass es vielversprechend ist, regelmäßig im Alltag neuen Aktivitäten nachzugehen und diese schrittweise zu trainieren. 

Allerdings: Dies ist bislang nichts als eine Hypothese. Studien, die gezielt zeigen, dass ein vielseitiger Alltag und die damit einhergehenden Veränderungen des Resting State Network tatsächlich präventiv für Burnout-Symptome sind, stehen noch aus. Andererseits: Warum auf Studienergebnisse warten, wenn man die Vielseitigkeit des Lebens auch heute schon genießen kann? 

Literaturverzeichnis

Amad, A., Seidman, J., Draper, S. B., Bruchhage, M. M., Lowry, R. G., Wheeler, J., Robertson, A., Williams, S. C. & Smith, M. S. (2016). Motor learning induces plasticity in the resting brain - Drumming up a connection. Cerebral Cortex, bhw048.

Baird, B., Smallwood, J. & Schooler, J. W. (2011). Back to the future: Autobiographical planning and the functionality of mind-wandering. Conscious & Cognition, 20, 1604-1611.

Biswal, B. B., Van Kylen, J. & Hyde, J. S. (1997). Simultaneous assessment of flow and BOLD signals in resting- state functional connectivity maps. NMR Biomed, 10, 165-170.

Biswal, B. B. (2012). Resting state fMRI: A personal history. Neuroimage, 62, 938-944.

Konishi, M., McLaren, D. G., Engen, H. & Smallwood, J. (2015). Shaped by the past: The default mode network supports cognition that is independent of immediate perceptual input. PLOS ONE, 10, e0132209.

Long, X., Goltz, D., Margulies, D. S., Nierhaus, T. & Villringer, A. (2014). Functional connectivity-based parcellation of the human sensorimotor cortex. European Journal of Neuroscience, 39, 1332-1342.

Northoff, G. (2011). Neuropsychoanalysis in practice. Brain, self, and objects. Oxford, UK: University Press.

Northoff, G. (2016). Spatiotemporal psychopathology I: No rest for the brain‘s resting state activity in depression? Spatiotemporal psychopathology of depressive symptoms. Journal of Affective Disorders, 190, 854-866.

Panksepp, J. & Northoff, G. (2009). The trans-species core SELF: the emergence of active cultural and neuro-ecological agents through self-related processing within subcortical-cortical midline networks. Consciousness & Cognition, 18, 193-215.

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