Die Bedeutung der menschlichen Intelligenz im 21. Jahrhundert

7. Intelligenzdiagnostik kann Universitäten bei ihrem Auftrag unterstützen

Aus den berichteten empirischen Befunden (die in Stern & Neubauer, 2013 ausführlich nachzulesen sind) leiten wir die folgenden Thesen ab: Wenn ein Land im globalen Wettbewerb bestehen will, ist es gut beraten, sich der überdurchschnittlich begabten jungen Menschen anzunehmen und diese entsprechend zu fördern (ohne die anderen zu vernachlässigen!), damit diese ihre Potenziale bestmöglich in den Erwerb von Wissen investieren können. Universitäten sind der Ort, wo vor allem kognitive Begabungen, also Facetten bzw. Aspekte der Intelligenz, gefordert sind. Die Verteilung der Intelligenz folgt der Gauss‘schen Glockenkurve, das heißt der überwiegende Teil der Menschen zeigt eine mittlere Intelligenz und ist den geistigen Anforderungen eines Universitätsstudiums nur bedingt gewachsen. Die empirisch beobachtbaren Korrelationen zwischen Intelligenz und Studienerfolg (siehe Stern & Neubauer, 2013, Kap 5) legen nahe, dass Intelligenz eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung eines Studiums ist. Universitäten können unseres Erachtens nur dann erfolgreich Wissen und Kompetenzen in komplexeren Domänen vermitteln, wenn die Klientel überdurchschnittlich intelligent und nicht zu heterogen ist. Wenn man den Auftrag der Universitäten ernst nimmt, sollten diese sich daher auf die oberen 20 Prozent der Intelligenzverteilung konzentrieren, zumindest wenn es um höhere Studienabschlüsse wie Master oder gar die Promotion geht. Höhere Studierquoten mögen politisch gewollt sein, aus der Intelligenzforschung ergeben sie sich nicht. Universitäten sollten unseres Erachtens die überdurchschnittlich Intelligenten eines Jahrgangs versammeln, um die künftigen Verantwortungsträgerinnen/Verantwortungsträger in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft akademisch zu bilden. Für 80 Prozent eines Jahrganges sollten akademisch fundierte Ausbildungsstätten, wie etwa Fachhochschulen, und berufspraktische Ausbildungsgänge, wie etwa die duale Berufsbildung, angeboten werden. 

Intelligenztests können in unterschiedlichen Lebensabschnitten bei Auswahl von Personen für akademische Ausbildungsgänge wertvolle Information liefern. Sie sind – professionell durchgeführt und interpretiert – in ihrer Prognosefähigkeit durchaus vergleichbar mit den im Allgemeinen hoch angesehenen Aussagen in der Medizin (Meyer et al., 2001). Eine überdurchschnittliche Intelligenz ist eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Voraussetzung für akademischen Erfolg. Eigenschaften wie Leistungsmotivation, Selbstdisziplin und Interesse müssen hinzukommen.

Anmerkung: Teile dieses Aufsatzes sind einem Artikel der Autoren aus DIE ZEIT (April 2013) entnommen.

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