Ohne Verpflichtungen: Sind „Freunde mit gewissen Vorzügen“ im echten Leben so kompliziert wie im Film?

Gibt es ein Geheimnis für eine erfolgreiche „Freundschaft Plus“?

Es ist offensichtlich, dass einige „Freundschaften Plus“ sich insofern besser entwickeln als andere, als die Freundschaft den Sex übersteht. Gibt es also Tipps oder Insidergeheimnisse, um eine „Freundschaft Plus“ zu führen? Zunächst ist es wichtig zu erkennen, dass „Freundschaft Plus“ nicht für jede/n das Richtige sein muss. Menschen unterscheiden sich darin, wie sie an Sex und Beziehung herantreten, und manchen Menschen fällt es von Natur aus leichter als anderen, zwischen Sex und Gefühlen zu unterscheiden. Man betrachte beispielsweise das Persönlichkeitsmerkmal der Soziosexualität (Gangestad & Simpson, 1990). Personen, die eine sogenannte eingeschränkte soziosexuelle Orientierung haben, fühlen sich unwohl dabei, Sex zu haben, wenn sie keine emotionale Bindung zu ihrem Partner verspüren. Im Gegensatz dazu haben Personen mit einer unbegrenzten soziosexuellen Orientierung das Gefühl, dass Sex und Liebe nicht notwendigerweise miteinander einhergehen müssen. Es ist wahrscheinlich, dass Personen mit einer unbegrenzten soziosexuellen Orientierung weniger dazu neigen, Gefühle für ihre/n Partner/innen innerhalb einer „Freundschaft Plus“ zu entwickeln, und eher dazu in der Lage sind, Freunde zu bleiben, sobald der Sex beendet ist. Daher ist es wichtig, bevor man nach einer „Freundschaft Plus“ sucht, zu überlegen, ob das die richtige Art von Beziehung für einen ist. Zweitens hat die Forschung in diesem Bereich gezeigt, dass „Freundschaften Plus“ unter ziemlich großen Defiziten in der Kommunikation leiden. Viele „Freundschaften Plus“ scheitern daran, grundlegende Regeln jeglicher Art aufzustellen,und viele Personen in „Freundschaften Plus“ sind sich nicht einig darüber, was die Beziehung ist und was nicht. Um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass eine/r von beiden verletzt wird, ist Kommunikation unerlässlich und das nicht nur zu Beginn – es ist wichtig, dass man auch weiterhin kommuniziert, während die Beziehung voranschreitet. Es ist zudem wichtig, sich über Praktiken sicheren Geschlechtsverkehrs zu verständigen, da viele Personen in „Freundschaften Plus“ nicht monogam sind und nicht durchgehend Kondome mit allen ihren Partnern/innen verwenden (Lehmiller et al., 2014). Auch wenn ein/e „Freund/in mit gewissen Vorzügen“ (üblicherweise) ein/e Freund/in ist und man ihm/ihr sehr vertraut, sollten man einige wichtige Vorkehrungen treffen, um seine sexuelle Gesundheit zu schützen.Bild von Tumisu via Pixabay (https://pixabay.com/de/untreue-liebe-aff%C3%A4re-betrug-379565/), CCO (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de)

Obwohl einige Menschen langfristige „Freundschaften Plus“ führen wollen, sehen andere diese eher als kurzzeitig an (Lehmiller et al., 2011). Wenn man seine „Freundschaft Plus“ als letzteres betrachtet, sollte man vielleicht überlegen, ein eindeutiges Ablaufdatum für die „Vorzüge“ festzulegen, insbesondere wenn man Bedenken hat, möglicherweise Gefühle für den/die andere/n zu entwickeln, die unerwidert bleiben. In anderen Worten: Wenn man nicht die Absicht hat, eine dauerhafte „Freundschaft Plus“ zu führen, sollte man im Voraus überlegen, welche Ausstiegsstrategie man wählen möchte.

Zusammenfassung

„Freunde mit gewissen Vorzügen“ bzw. „Freundschaften Plus“ stellen eine zunehmend verbreitete Art der sexuellen Beziehung in der modernen Welt dar. Obwohl diese Beziehungen am häufigsten mit jungen, heterosexuellen Erwachsenen verknüpft werden, können Personen jeden Alters, Geschlechts und sexueller Identität eine „Freundschaft Plus“ haben. Menschen definieren den Begriff „Freundschaft Plus“ sehr unterschiedlich, und sie gehen diese Beziehungen oft auf unterschiedliche Arten an. Das, kombiniert mit der Tatsache, dass „Freunde/innen mit gewissen Vorzügen‘“ weniger offen kommunizieren, macht diese Beziehungen unglaublich komplex zu führen und kann die Beziehungen auf unterschiedliche Pfade führen. Aber es gibt Dinge, die man tun kann, um die Komplikationen zu reduzieren, die so häufig auftreten, wenn Freunde/innen sich dazu entscheiden, miteinander Sex zu haben. Vor allem sollte man sicherstellen, dass kommuniziert wird, wenn man darauf abzielt, „Vorzüge“ seiner Freundschaft hinzuzufügen, damit keine/r später die versteckten Verpflichtungen entdeckt.

Referenzen

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Gangestad, S.W., & Simpson, J.A. (1990). Toward an evolutionary history of female sociosexual variation. Journal of Personality, 58, 69-96. doi:10.1111/j.1467-6494.1990.tb00908.x

Lehmiller, J. J., VanderDrift, L. E., & Kelly J. R. (2011). Sex differences in approaching friends with benefits relationships. The Journal of Sex Research, 48, 275-284. doi:10.1080/00224491003721694

Lehmiller, J. J., VanderDrift, L. E., & Kelly, J. R. (2014). Sexual communication, satisfaction, and condom use behavior in friends with benefits and romantic partners. The Journal of Sex Research, 51, 74-85. doi:10.1080/00224499.2012.719167

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