„Rainer, the people are dancing on the wall“: Ein biografisches Interview mit Professor Rainer K. Silbereisen

  • RKS: Also heute würde ich persönlich mit meinem Hintergrund als Thema ein Weltproblem nehmen wollen: Das sind Desaster, also überregionale, natürliche oder von Menschen gemachte Katastrophen) – beispielsweise sind in Asien und der der Pazifikregion Millionen Menschen davon betroffen, ungeheure Schäden treten auf. Das nimmt alles schon wegen der Verstädterung und der Klimaveränderung zu. Und du kannst Desaster verstehen als völlige Zusammenbrüche der sozialen Infrastruktur dritter Kräfte wegen. Das kann Terror sein, das kann Krieg sein, das können Naturkatastrophen sein wie Erdbeben. All das kann dann üble Folgen für die Menschen nach sich ziehen. Es wäre interessant und wichtig, das Wechselspiel von veränderten Lebensbedingungen und kulturellen wie genetischen Voraussetzungen zu untersuchen. Wovon wir früher nur geredet haben, kann man heute erforschen, wie Kulturen in die Köpfe der Menschen kommen oder sozusagen in ihre Seele und umgekehrt, wie die Menschen in ihre Kulturen kommen. Da gibt es Entwicklungspfade, die sich aus der Lebensumwelt ergeben. Das sind biologische Pfade, das sind Handlungspfade und das ist eine komplexe Wechselwirkung. Das wäre das Thema. Desaster zu erforschen, würde mein soziales Gewissen befriedigen. Einflüsse von Lebensumwelten und Biologie zu nehmen, würde meiner Erfahrung entsprechen, dass beides wichtig ist und dass es ein Wechselspiel gibt und dass wir verstehen müssen wie dies funktioniert… Eine Million Euro würde dafür übrigens nicht reichen.

10. Und zu guter Letzt…

MO: Und die letzte Frage: Wenn du auf eine einsamen Insel gehen müsstest und nur drei Dinge mitnehmen dürftest, welche wären das?

  • RKS: Also erstens ein Stück Weltliteratur, es ist egal was. Es könnte Shakespeare sein, es könnte die Bibel sein oder Darwin. Freud nicht, dafür bin ich zu sehr Psychologe. Also etwas, das tiefsitzende menschliche Dinge verarbeitet, durchstrukturiert und dir einfach Perspektiven zeigt. Das zweite wäre, glaube ich, etwas Praktisches. Ich brauche als Hobby-Ingenieur ein Handwerkszeug, sagen wir, so etwas wie ein Schweizer Offiziersmesser. Und das dritte ist, ich wollte nicht allein sein, ich bräuchte meinen Freitag zumindest.

MO: Vielen Dank für das Interview.

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