Vom Wollen zum Handeln: Wie Sie Ihre Ziele in die Tat umsetzen

Bild von kaicho20 via Pixabays (https://pixabay.com/de/alkohol-whisky-trinken-feier-492871/), CCO (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.deEinen Monat später tranken Teilnehmende mit Wenn-Dann Plänen tatsächlich weniger Alkohol als Teilnehmende, welche die Umsetzung ihres Ziels nicht zusätzlich mit einem Plan unterfüttert hatten. Interessanterweise war der Effekt von Wenn-Dann Plänen in Estland und Großbritannien, wo zu hoher Alkoholkonsum besonders verbreitet ist, am stärksten. In Finnland, wo die Teilnehmenden schon am Anfang der Studie wenig getrunken hatten und berichteten, viel Kontrolle über ihr Trinkverhalten zu haben, reduzierten Wenn-Dann Pläne den Konsum nicht weiter. Diese Beobachtung deckt sich mit dem Stand der Forschung, wonach Wenn-Dann Pläne besonders dann positive Effekte haben, wenn die gesetzten Ziele schwer zu erreichen sind (Gollwitzer & Sheeran, 2006). Wenn-Dann Pläne helfen also auch dabei, das Ziel, weniger zu trinken, trotz sozialen Drucks zu erreichen.

Im Team fundierte Entscheidungen treffen

Man verfolgt nicht alle seine Ziele alleine, sondern viele davon auch in Gruppen. So werden wichtige Entscheidungen oft nicht von Einzelpersonen getroffen, sondern von Teams mit Expertise. Anstatt ein Projekt von der Teamleitung diktieren zu lassen, diskutieren alle Teammitglieder, welches Projektangebot am besten passt. Ein potenzieller Vorteil ist, dass Gruppen mehr Informationen zur Verfügung stehen und sie so bessere Entscheidungen treffen können. Doch die Entscheidungsforschung zeigt, dass Gruppen dieses Potenzial oft nicht nutzen (In-Mind Überblick von Mojzisch & Häusser, 2013). Neue Informationen haben in Gruppendiskussionen im Normalfall nur einen geringen Einfluss auf die endgültige Entscheidung und Gruppen verlassen sich meist auf die Präferenzen, die die Mitglieder in die Diskussion mitbringen (Brodbeck, Kerschreiter, Mojzisch & Schulz-Hardt, 2007; Lu, Yuan & McLeod, 2012; Stasser & Titus, 2003). So vergeben Gruppen und Teams häufig die Chance, gegenseitig voneinander zu lernen und eine informiertere Entscheidung zu treffen, als es den Gruppenmitgliedern alleine möglich wäre. Bild von Eric Bailey via Pexels (https://www.pexels.com/photo/people-coffee-meeting-team-7096/), CCO (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de

Wenn-Dann Pläne in Gruppen sind bisher nur wenig untersucht, jedoch zeigt unsere neuere Forschung erste positive Resultate (Thürmer, Wieber & Gollwitzer, 2015; siehe auch Grant Halvorson, 2014). In einer Studie baten wir jeweils drei Teilnehmende, gemeinsam eine Entscheidung zu treffen, zum Beispiel eine von drei Immobilien für ihren Laden auszusuchen. Alle Gruppen setzten sich das Ziel, die bestmögliche Entscheidung zu treffen, und wurden für eine gute Entscheidung finanziell belohnt. Zusätzlich fassten einige Gruppen den Wenn-Dann Plan „Und wenn wir kurz davor sind, eine Entscheidung zu treffen, dann gehen wir die Vorteile der anderen Alternativen noch einmal durch.“ Jedes Gruppenmitglied bekam dann Informationen zu den drei Alternativen. Einige der Informationen bekam jedes Gruppenmitglied von Beginn an, andere Informationen standen zu Beginn nur einem Mitglied zur Verfügung. Die Informationen waren so verteilt, dass die Integration der Informationen, die jeweils nur ein Mitglied zu Beginn hatte, zu einer anderen, besseren Entscheidung führte, als die schon allgemein bekannten Informationen. Als Team konnten die Teilnehmenden also eine bessere Entscheidung treffen als alleine. Obwohl alle Gruppen wussten, wie wichtig das Beachten der Informationen aller Gruppenmitglieder ist, und sie durch gute Entscheidungen zusätzlich Geld verdienen konnten, gelang es keiner der Gruppen ohne Wenn-Dann Plan, die beste Entscheidung zu treffen; Gruppen mit Wenn-Dann Plan gelang dies zumindest in 12 % der Fälle. Tatsächlich trafen Gruppen mit einem Wenn-Dann Plan nicht nur bessere Entscheidungen, sondern sie diskutierten auch mehr über Vorteile der anfangs nicht bevorzugten Alternativen. Auch im Team reicht es also nicht, sich das Ziel zu setzen, eine informierte Entscheidung zu treffen; man braucht einen Wenn-Dann Plan, um zielgerichtet zu kommunizieren.

Fazit

Entgegen der Volksweisheit „man muss nur wollen“ reicht starkes Wollen alleine oft nicht aus, um Ziele auch tatsächlich in die Tat umzusetzen. Für den Schritt vom Wollen zum Handeln braucht man Wenn-Dann Pläne, in denen man genau festlegt, wann, wo und wie man sein Ziel in die Tat umsetzen will. Diese Wenn-Dann Pläne sind nicht nur im psychologischen Labor und im Neuro-Scanner effektiv, sondern helfen auch beim Überwinden von Ziel-Hindernissen im Alltag: Die eigene Bequemlichkeit überwinden und mehr Sport treiben, dem sozialen Druck standhalten und weniger Alkohol trinken und im Team verfügbare Informationen integrieren und bessere Entscheidungen treffen.

Neben solchen vergleichsweise großen Verhaltensänderungen können Wenn-Dann Pläne auch dabei helfen, mit kleinen Schritten im Alltag seinen Zielen näherzukommen: Konkrete Pläne können helfen, mit dem Rad statt mit dem Auto zur Bäckerei zu fahren oder dem wichtigsten Menschen häufiger zu sagen: „Wie schön, dass es dich gibt!“ Beides sind kleine Verhaltensanpassungen, die jedoch nachweislich eine positive Wirkung auf die Gesundheit beziehungsweise die Beziehungsqualität haben. In der Umsetzung sind diese Verhaltensweisen weder unbequem, noch kompliziert; man denkt in der richtigen Situation einfach nicht daran. Wenn-Dann Pläne helfen dabei, Dinge im richtigen Moment zu erinnern und sofort zielgerichtet zu handeln. Die vorher definierte Situation wird sofort erkannt und das erwünschte Verhalten wird ausgelöst. Beides erleichtert es, die Lücke vom Wollen zum Handeln zu schließen. So kann man auch die kleinen Verhaltensänderungen im richtigen Moment umsetzen. 

Zuletzt stellt sich die Frage, wie man einen ganz individuellen Wenn-Dann Plan für ein bestimmtes Ziel entwickeln kann. Hierzu gibt es seit neuestem eine Website und eine Mobile App mit denen man sich erst starke Ziele setzen kann, die einem selbst wichtig sind, und die dann anleiten, sich die individuell passenden Wenn-Dann Pläne zu entwickeln und zu fassen (siehe www.woopmylife.org und Oettingen, 2014). Für die großen und die kleinen Ziele des Alltags sind Wenn-Dann Pläne damit ein einfaches Mittel, vom Wollen zum Handeln zu kommen.

 

Referenzen

Bélanger-Gravel, A., Godin, G., & Amireault, S. (2013). A meta-analytic review of the effect of implementation intentions on physical activity. Health Psychology Review, 7, 23-54. doi: 10.1080/17437199.2011.560095

Brodbeck, F. C., Kerschreiter, R., Mojzisch, A., & Schulz-Hardt, S. (2007). Group decision making under conditions of distributed knowledge: The information asymmetries model. Academy of Management Review, 32, 459-479. 

Godin, G., & Conner, M. (2008). Intention-behavior relationship based on epidemiologic indices: An application to physical activity. American Journal of Health Promotion, 22, 180-182. doi: doi:10.4278/ajhp.22.3.180

Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493-503. doi: 10.1037/0003-066X.54.7.493

Gollwitzer, P. M., & Sheeran, P. (2006). Implementation intentions and goal achievement: A meta-analysis of effects and processes. In M. P. Zanna (Ed.), Advances in experimental social psychology (Vol. 38, pp. 69-119). San Diego, CA: Elsevier Academic Press.

Grant Halvorson, H. (2014). Get your team to do what it says it's going to do. Harvard Business Review, 92, 82-87. 

Hagger, M. S., Lonsdale, A., Koka, A., Hein, V., Pasi, H., Lintunen, T., et al. (2012). An intervention to reduce alcohol consumption in undergraduate students using implementation intentions and mental simulations: A cross-national study. International Journal of Behavioral Medicine, 19, 82-96. doi: 10.1007/s12529-011-9163-8

Lau, S. (2014). „Ich will was erreichen!“ Die Psychologie erfolgreicher Handlungen. Das In-Mind Magazin, 2. 

Lu, L., Yuan, Y. C., & McLeod, P. L. (2012). Twenty-five years of hidden profiles in group decision making. Personality and Social Psychology Review, 16, 54-75. doi: 10.1177/1088868311417243

Mojzisch, A., & Häusser, J. A. (2013). Fehlentscheidungen in politischen Gremien: Wie sie entstehen und wie sie sich verhindern lassen. Das In-Mind Magazin, 3. 

Oettingen, G. (2014). Rethinking positive thinking: Inside the new science of motivation. New York, NY: Penguin.

Stasser, G., & Titus, W. (2003). Hidden profiles: A brief history. Psychological Inquiry, 14, 304-313. doi: 10.1080/1047840X.2003.9682897

Thürmer, J. L., Wieber, F., & Gollwitzer, P. M. (2015). A self-regulation perspective on hidden-profile problems: If–then planning to review information improves group decisions. Journal of Behavioral Decision Making, 28, 101-113. doi: 10.1002/bdm.1832

Thurn, J., & Schlicht, W. (2012). Die ‚Fesseln‘ der Gewohnheit als Chance und Risiko am Beispiel der körperlichen Aktivität. Das In-Mind Magazin, 1. 

Webb, T. L., & Sheeran, P. (2006). Does changing behavioral intentions engender behavior change? A meta-analysis of the experimental evidence. Psychological Bulletin, 132, 249-268. doi: 10.1037/0033-2909.132.2.249

 

Wieber, F., Thürmer, J. L., & Gollwitzer, P. M. (2015). Promoting the translation of intentions into action by implementation intentions: Behavioral effects and physiological correlates. Frontiers in Human Neuroscience, 9. doi: 10.3389/fnhum.2015.00395

Artikelautor(en)

Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter, um über neue In-Mind Artikel, Blog Beiträge und vieles mehr informiert zu sein.

Facebook