Besser Lernen nach Schema F?

Gedächtnisschemata sind Erfahrungsschablonen. Sie helfen uns bei der Orientierung in neuen Situationen, aber sie beeinflussen auch unsere Erinnerung. Durch die Erforschung ihrer neuronalen Grundlagen wollen ForscherInnen uns helfen, besser zu lernen.

Eine Hand mit vielen Gegenstaenden drum herumgeralt via pixabay (https://pixabay.com/photo-1927697/, CC: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/legalcode)Schemata sind Informationsnetzwerke in unserem Gedächtnis. Sie enthalten unser gesamtes Wissen über die Welt. Grob gesagt sind das Informationen über Objekte, wie etwa eine Küche, aber auch über Handlungen. Schemata sind zum Beispiel der Grund dafür, dass wir mühelos eine Waschmaschine bedienen können. Entschließen wir uns, Wäsche zu waschen, aktiviert unser Gehirn automatisch das entsprechende Gedächtnisschema. Es gleicht einem abstrakten Prototyp vergangener Erfahrungen in derselben Situation, mit dem wir die aktuelle abgleichen. Das aktivierte Schema fungiert als Schablone, die uns hilft einzuschätzen, wie wir uns in einer Situation am besten verhalten. Für alltägliche Pflichten wie Wäschewaschen können wir uns meist gänzlich auf unsere Schemata verlassen. Deswegen fallen sie uns so leicht.

Schemata beeinflussen auch unsere Erinnerungen. Wir erinnern uns besser an Dinge, die in ein zuvor aktiviertes Schema passen, wie zum Beispiel einen Topf in der Küche. Holländische ForscherInnen (van Kesteren et al., 2014) zeigten in einer Studie mit Studierenden, dass die Nutzung unserer Erfahrungsschablonen auch das Gedächtnis für sehr komplexes Wissen, wie wir es zum Beispiel in der Uni erwerben, unterstützt. Die ForscherInnen verglichen die Gedächtnisleistung von Biologie- und Pädagogikstudierenden für Fakten aus beiden Fachbereichen. Die im Studium erworbenen Gedächtnisschemata halfen den Studierenden, neue Informationen zu lernen. Beide Gruppen erinnerten die Fakten, die sie mit ihren Studieninhalten in Verbindung bringen konnten, besser.

Einen noch spektakuläreren Befund ergab die Analyse der Hirnaktivität. Die ForscherInnen konnten zeigen, dass Studierende, die in der Studie beim Lernen besonders stark auf schematisches Wissen zurückgriffen, im nächsten Jahr bessere Noten in ihrem Studienfach erwarben, als KommilitonInnen, denen dies weniger gut gelang. Zahlreiche ForscherInnen (z. B. Tse et al., 2007) haben bereits einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Gedächtnisschemata und Aktivität im medialen präfrontalen Kortex gefunden. Das holländische Forscherteam konnte anhand dieser Aktivität nun den Studienerfolg der Studierenden vorhersagen.

Wie genau der mediale präfrontale Kortex (mPFC) das Lernen beeinflusst, wissen die ForscherInnen jedoch nicht. Sie vermuten, dass er wie ein Detektor arbeitet. Der mPFC spürt Informationen, die in ein aktiviertes Schema passen, auf und verbindet sie mit den Elementen des Gedächtnisschemas, sodass sie schneller und besser erinnert werden.

Die Forschung zu den neuronalen Grundlagen steht noch am Anfang, doch ForscherInnen stecken viel Hoffnung in das Verständnis von Gedächtnisschemata. Sie hoffen, damit beispielsweise alten Menschen in Zukunft helfen zu können, ihre Gedächtnisdefizite auszugleichen.

Quellen:

Tse, D., Langston, R. F., Kakeyama, M., Bethus, I., Spooner, P. A., Wood, E. R., Witter, M. P., & Morris, R. G. M. (2007). Schemas and memory consolidation. Science, 316(5821), 73-76. https://doi.org/10.1126/science.1137786

Van Kesteren, M. T. R., Rijpkema, M., Ruiter, D. J., Morris, R. G. M., & Fernandez, G. (2014). Building on prior knowledge: Schema-dependent encoding processes relate to academic performance. Journal of Cognitive Neuroscience, 26(10), 2250-2261.

 

 

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