Erwartungskonforme Webseiten – Wo sollte der Warenkorb platziert sein?

Silvia Heinz

Wenn Webseiten den Erwartungen der Nutzer entsprechen, können viele Aufgaben effizienter erledigt, unnötige Fehler vermieden werden und die Nutzer sind zufriedener. Aber wie findet man heraus, wo beispielsweise ein Objekt oder wie der Warenkorb platziert werden muss, damit die Anordnung den Erwartungen entspricht?

Benutzer haben oft schon viele unterschiedliche Webseiten gesehen und klare Vorstellungen, wie eine typische Webseite aussieht. In der Psychologie werden diese Vorstellungen davon, wie sich die Dinge um uns herum verhalten, als mentale Modelle bezeichnet. Dies können Personen, Naturphänomene, aber auch technische Geräte sein. An unsere mentalen Modelle sind unterschiedliche Eigenschaften geknüpft und wir können somit auch Vorhersagen treffen und gedanklich simulieren, wie sich ein Ereignis auswirkt. Wir wissen zum Beispiel, dass ein Bleistift zu Boden fällt, wenn wir ihn loslassen.

Studien haben gezeigt, dass Internetbenutzer auch für Webseiten mentale Modelle haben, zum Beispiel bezüglich Farben oder auch der Position von bestimmten Objekten. Sie selbst könnten sicherlich auch beschreiben oder sogar aufzeichnen, wo Sie das Suchfeld innerhalb der Webseite einer Onlinezeitung erwarten würden, oder? In einer Onlinestudie der Universität Basel wurden 516 Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum sowie den USA gebeten, vorgegebene Objekte auf einer leeren Webseitenvorlage zu platzieren. So konnten die Teilnehmer nacheinander ihre Vorstellungen für drei Typen von Webseiten (Onlinezeitung, Unternehmenswebseite und Onlineshop) skizzieren. Bei der Analyse zeigte sich, dass Nutzer mit großer Übereinstimmung für jeden der drei Typen von Webseiten über ein differenziertes mentales Modell verfügen. Und was bringen nun diese Erkenntnisse dem Nutzer? Aus diesen Daten konnten für jeden der drei Webseitentypen Vorlagen für die erwartungskonforme Anordnung der einzelnen Objekte herausgearbeitet werden (Beispiel s. Bild). Diese Vorlagen können nun für die Erstellung von Webseiten genutzt werden.

Eine Studie von Sandra Roth und Kollegen, die im letzten Jahr erschienen ist, hat die Vorteile von erwartungskonform gestalteten Webseiten überprüft. Die Teilnehmer mussten auf Webseiten vorgegebene Objekte wie die Suche, die Navigation oder Werbung identifizieren. Insgesamt 108 Webseiten wurden zuvor aufgrund der Positionierung der Objekte in erwartungskonform oder nicht erwartungskonform eingeteilt. In der Studie wurden auch die Blickbewegungen der 26 Teilnehmer aufgezeichnet. Die Daten zeigen, dass für die erfolgreiche Identifikation von erwartungskonform platzierten Objekten weniger Zeit und weniger Blickbewegungen benötigt wurden als von Objekten, die nicht entsprechend den mentalen Modellen platziert waren.

Für die Erstellung von guten und benutzerfreundlichen Webseiten kann es also sehr hilfreich sein, sich an den mentalen Modellen der Nutzer zu orientieren, um ihnen den Aufenthalt auf der Webseite und das Lösen der gewünschten Aufgaben zu erleichtern.

Quellen:

Roth, S. P., Tuch, A. N., Mekler, E. D., Bargas-Avila, J. A. & Opwis, K. (2013). Location matters, especially for non-salient features – An eye-tracking study on the effects of web object placement on different types of websites. International Journal of Human-computer Studies, 71, 228-235.

Roth, S. P., Schmutz, P., Pauwels, S. L., Bargas-Avila, J. A. & Opwis, K. (2010). Mental models for web objects: Where do users expect to find the most frequent objects in online shops, news portals, and company web pages? Interacting With Computers, 22, 140-152.

 

 

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