Gesundes Altern vs. Alzheimer – ein fließender Übergang?

Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn sind bei Alzheimer-Patientinnen und -Patienten erhöht. Doch auch gesunde ältere Personen zeigen solche Ablagerungen. Wo ist die Grenze zwischen gesund und krank und wie hängen diese Beta-Amyloid-Ablagerungen mit der kognitiven Leistung zusammen?

Ablagerungen des Proteins Beta-Amyloid im Gehirn gelten als ein Kennzeichen der Alzheimer-Erkrankung und werden als eine von verschiedenen möglichen Ursachen für diese Erkrankung diskutiert. Doch auch gesunde ältere Personen zeigen solche Ablagerungen. Gelten diese Ablagerungen als Anzeichen für eine spätere Erkrankung an Alzheimer?

Eine Studie aus Dallas hat den Zusammenhang von Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und kognitiver Leistungsfähigkeit bei gesunden Personen unterschiedlichen Alters untersucht. 177 Studienteilnehmer und Studienteilnehmerinnen im Alter von 30 bis 89 Jahre absolvierten verschiedene kognitive Tests und machten einen PET-Scan des Gehirns, um die Beta-Amyloid Ablagerungen zu messen.

Alle Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer zeigten ein normales kognitives Leistungsniveau, wobei bei den älteren Personen die typischen, altersbedingten Leistungsabnahmen sichtbar waren. Mit dem Alter nahmen zusätzlich die Beta-Amyloid-Ablagerungen zu: Je älter eine Person war, desto mehr Ablagerungen wurden gemessen. Ältere Personen unterschieden sich aber stark in der Menge der Ablagerungen: Etwa 20 Prozent der älteren Personen ab 60 Jahren zeigten deutlich mehr Ablagerungen, andere Gleichaltrige hingegen zeigten ein sehr geringes Maß an Ablagerungen. Diese Ablagerungen waren nicht im ganzen Gehirn gleich verteilt, sondern wiesen vor allem im Schläfenlappen eine erhöhte Konzentration auf, der unter anderem wichtig für das Gedächtnis ist. Die Menge der Ablagerungen hing auch mit der kognitiven Leistung zusammen. Je mehr Ablagerungen gemessen wurden, desto geringer waren die Leistungen der Verarbeitungsgeschwindigkeit, des logischen Schlussfolgerns und des kurzfristigen Aufnehmens und Verarbeitens von Informationen. Keinen solchen Zusammenhang fand man beim Erinnern länger zurückliegender Inhalte oder beim allgemeinen Weltwissen.

Interessant ist, dass ein Fünftel der Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer trotz normaler kognitiver Leistungsfähigkeit eine erhöhte Menge an Beta-Amyloid-Ablagerungen aufwiesen. Zurzeit gibt es noch einige offene Fragen bezüglich der Ursachen der Alzheimer- Erkrankung. Beta-Amyloid könnte auch ein Symptom – und nicht eine Ursache – für die Erkrankung sein. Ein nächster Schritt wäre es, zu untersuchen, ob Personen mit mehr Ablagerungen ein erhöhtes Risiko für das Entwickeln einer Alzheimer-Krankheit aufweisen. Dafür wären Längsschnittstudien nötig, in denen man Beta-Amyloid und die kognitive Leistungsfähigkeit mehrmals bei den gleichen Personen über die Zeit messen würde. Falls diese Ablagerungen ein frühes Vorzeichen einer späteren Alzheimer-Erkrankung wären, so könnte man bereits früh mit präventiven Maßnahmen beginnen. Zu untersuchen wäre beispielsweise, ob kognitives Training eine Alzheimer-Erkrankung hinauszögern könnte.

Quellen:

Rodrigue, K. M., Kennedy, K. M., Devous, M. D., Rieck, J. R., Hebrank, A. C., Diaz-Arrastia, R., … Park, D. C. (2012). β-amyloid burden in healthy aging: Regional distribution and cognitive consequences. Neurology, 78, 387-395.

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