„Hallo Handy! Hörst Du mich?“ – „Wie kann ich Dir beiseite stehen?“ – „So kannst Du mir beiseite stehen.“ Lexikalische Anpassung an Menschen und Maschinen

Dialogsysteme treten im Alltag immer häufiger in Erscheinung. Siri auf den iPhones ist ein prominentes Beispiel, aber auch die Firma Google wirbt damit, dass man Mobiltelefone mit dem Betriebssystem Android mit „ok Google“ ansprechen könne und sich danach zum Beispiel den Weg zum Zoo ansagen und anzeigen lassen kann. Erste Ergebnisse dazu, wie wir unsere eigenen Mitteilungen dem Sprachstil dieser Dialogsysteme anpassen, hat meine Kollegin Gesa Linnemann kürzlich veröffentlicht.

Die Anpassung an den Wortgebrauch eines Gegenübers nennen Forscherinnen und Forscher häufig Konvergenz. Das Ausmaß, wie sehr wir uns konvergent verhalten, kann von vielen verschiedenen Faktoren abhängen. Beispielsweise kann ich mich gegenüber einer Person, die mir nicht sonderlich sympathisch ist, ganz besonders gut abgrenzen, indem ich eine andere Sprache als sie nutze. Wenn ich besonders gemein sein möchte, könnte ich versuchen, Wörter in eine Antwort einzubauen, bei denen ich davon ausgehe, dass mein Gegenüber sie nicht versteht. Meistens sind Menschen allerdings motiviert, sich an ihre Gesprächspartnerinnen und -partner anzupassen, da so ein gegenseitiges Verstehen erleichtert wird und eine gemeinsame Grundlage des Wissens zu dem jeweiligen Gesprächsgegenstand gestärkt werden kann.

Mit einer aufwendigen Versuchsanordnung hat Gesa Linnemann von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (sie ist meine Büronachbarin) untersucht, inwieweit ein elaborierter Sprachstil im Vergleich zu einem eingeschränkten Wortschatz zu einer Anpassung der eigenen Mitteilung gegenüber einer menschlichen Gesprächspartnerin im Vergleich zu einer computerisierten Gesprächspartnerin führt. Hierzu ließ sie 132 Versuchspersonen mit einem Apparat telefonieren, an dessen Ende eine menschliche Stimme oder eine Computerstimme sprach. Hinsichtlich der Anpassung über die Nutzung derselben Wörter des Gegenübers fand sie lediglich einen Effekt für den Sprachschatz. Wies die Gesprächspartnerin einen eingeschränkten Sprachstil auf, fand eine größere Anpassung statt, als wenn die Gesprächspartnerin einen elaborierten Sprachstil zeigte. Dafür war es unerheblich, ob das Gegenüber ein Mensch oder ein Computer war. Immerhin mochten die Versuchspersonen die menschliche Stimme am anderen Ende der Leitung mehr als die Computerstimme.

Es kann durchaus funktional sein, sich insbesondere bei einem eingeschränkten Wortschatz des Gegenübers derselben Wörter dieser Gesprächspartnerin oder dieses Gesprächspartners zu bedienen, damit man verstanden werden kann. Dies gilt auch und gerade – bis auf weitere technische Weiterentwicklungen – für die Kommunikation mit vermeintlich intelligenten, computerisierten Dialogsystemen.

Quelle:

Linnemann, G. A. & Jucks, R. (2016). As in the question, so in the answer? Language style of human and machine speakers affects interlocutors’ convergence on wordings. Journal of Language and Social Psychology. Advance online publication. doi:10.1177/0261927X15625444

 

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