Je mehr desto besser, oder doch nicht? – Wie viel Informationsauswahl soll uns Google geben?

Bild von dreamstime_s_23342912Internet u. Multimedia-Teilen von Nmedia via Dreamstime.com (https://de.dreamstime.com/stockfotografie-internet-u-multimedia-teilen-image23342912), Lizenz: RF-Lizenz (https://de.dreamstime.com/about-stock-image-licenses)Bei Suchanfragen liefern uns Google und andere Suchmaschinen in Sekundenschnelle Unmengen an Treffern von unterschiedlicher Relevanz. Doch häufig sind wir mit dieser Informationsflut überfordert und haben Schwierigkeiten den Treffer mit dem für uns relevantesten Informationsgehalt zu bestimmen. Forschungsergebnisse zeigen nun, dass wir mit der gefunden Information zufriedener sind, wenn Google uns weniger Treffer zur Auswahl gibt.

In beinahe jeder Lebenssituation haben wir heute die Möglichkeit aus einer Vielzahl von Optionen diejenige auszusuchen, welche unsere Bedürfnisse optimal befriedigt. Sei es beim Kauf eines Mobiltelefons, beim Wählen der Hauptspeise im Restaurant oder bei der Wahl des optimalen Rentenplans, wir haben stets eine riesen Auswahl und können theoretisch genau die richtige Variante für uns wählen. Folglich sollten wir dann mit den gewählten Optionen äusserst zufrieden sein. Diese Annahme ist aber weit gefehlt! Der Psychologe Barry Schwartz zeigt in seinem Buch „The Paradox of Choice“ (das Wahlparadox), dass mehr Wahlmöglichkeiten zu schlechteren Entscheidungen und geringerer Zufriedenheit führen. Bei einer grösseren Auswahl steigen die sogenannten Opportunitätskosten: Sobald man eine Wahl getroffen hat, muss man zwangsläufig auf alle anderen Alternativen verzichten. Dieser Verzicht und die Angst doch nicht die beste Variante ausgewählt zu haben, führen dann zu Unzufriedenheit.

Forscher der technischen Universität Helsinki sind nun, in Zusammenarbeit mit Barry Schwartz, der Frage nachgegangen, ob das Wahlparadox auch bei der Darstellung von Suchtreffern bei Internetsuchmaschinen wie Google eine Rolle spielt. Dazu mussten Versuchspersonen verschiedene Suchaufgaben mit Google bearbeiten. Bei der einen Hälfte der Aufgaben wurden den Personen jeweils nur 6 Suchtreffer und bei der anderen 24 angezeigt. Die Personen mussten dann den aus ihrer Sicht relevantesten Treffer auswählen und im Anschluss die Qualität ihrer Auswahl anhand von verschiedenen Skalen bewerten.

Die Auswertung der Daten zeigte ein deutliches Bild: Wenn den Versuchspersonen weniger Suchtreffer zur Auswahl standen, waren sie mit dem ausgewählten Treffer zufriedener, hatten eine höhere Zuversicht, dass der gewählte Treffer die korrekte Antwort liefert und gaben an, dass sie den Treffer mit grösserer Sorgfalt ausgewählt hatten.

Weniger Suchtreffer führen also zu einer höheren Zufriedenheit bei den Benutzern, da sie sich ziemlich sicher sein können die bestmögliche Wahl getroffen zu haben und dadurch den nichtgewählten Alternativen nicht nachzutrauern brauchen. Bei Google lässt sich einstellen wie viele Treffer dargestellt werden sollen, so kann man gleich selber ausprobieren, ob weniger doch mehr ist.

Quelle:

Oulasvirta, A., Hukkinen, J.P., and Schwartz, B. When More is Less: The Paradox of Choice in Search Engine Use. Proceedings of the 32Nd International ACM SIGIR Conference on Research and Development in Information Retrieval, ACM (2009), 516–523.

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