Lernende LehrerInnen: Was Lehrkräfte dazu motiviert, ihren Unterricht zu verbessern

Zeitgemäßer Unterricht ist nur dann möglich, wenn Lehrkräfte stets danach streben, ihre pädagogischen Kompetenzen zu erweitern und ihre Unterrichtspraxis zu verbessern. Doch wie kann die Gesellschaft dazu beitragen, dass Lehrkräften im Laufe ihres Arbeitsalltags nicht selbst die Lust am Lernen abhandenkommt?

Aufgeschlagenes Buch mit Lesebrille und TextmarkerHans via Pixabay (https://pixabay.com/photo-272399/), cc (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de)Der Bildungsforscher John Hattie konnte 2008 in einer vielbeachteten Metaanalyse zeigen, dass der Einfluss der Lehrkraft auf schulisches Lernen größer ist als der Einfluss von Eltern, Schulleitung, gleichaltrigen FreundInnen und der Klassenstruktur zusammengenommen. Diese Erkenntnis hat zu einem Umdenken in der Forschung geführt: Standen früher vor allem die Schülerinnen und Schüler im Fokus der Bildungswissenschaft, wird inzwischen immer stärker auf die Einstellung von Pädagoginnen und Pädagogen zum Unterrichten betrachtet.

Eine besondere Rolle für die Gestaltung zeitgemäßen Unterrichts scheinen dabei berufliche Lernziele von Lehrkräften zu spielen. Lehrkräfte mit stark ausgeprägten beruflichen Lernzielen streben danach, ihren eigenen Unterricht zu verbessern und stehen Innovationen tendenziell positiv gegenüber. Sie greifen gerne auf Unterstützung durch erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zurück (Butler, 2007), lesen mit Freude Fachzeitschriften und nehmen freiwillig an schulexternen Fortbildungen teil (Nitsche, Dickhäuser, Dresel & Fasching, 2013).

Forschung dazu, wie sich berufliche Lernziele fördern lassen, steckt aktuell noch in den Kinderschuhen. Erste empirische Befunde legen allerdings nahe, dass die schulischen Arbeitsbedingungen hier eine Schlüsselrolle spielen könnten: So schildern Lehrkräfte ein stärkeres Ausmaß an berufsbezogenen Lernzielen, wenn sie das Gefühl haben, ihren Arbeitsalltag selbstbestimmt gestalten zu können und sich dabei kompetent und an ihrer Schule sozial wertgeschätzt fühlen (Janke, Nitsche & Dickhäuser, 2015).

Zusammengefasst liegt hier womöglich der wahre Einfluss von Eltern und Schulleitung auf das schulische Lernen versteckt: Wenn Lehrkräfte in der Anwendung innovativer Unterrichtsmethoden bestärkt werden und ihre Arbeit wertgeschätzt wird, werden die Pädagoginnen und Pädagogen auch motiviert sein dazu beizutragen, dass die Schule für alle Beteiligten ein Ort des Lernens wird.

Quellen:

Butler, R. (2007). Teachers' achievement goal orientations and associations with teachers' help seeking: Examination of a novel approach to teacher motivation. Journal of Educational Psychology, 99, 241-252.

Hattie, J. (2008). Visible learning: A synthesis of over 800 meta-analyses relating to achievement. New York: Routledge.

Janke, S., Nitsche, S. & Dickhäuser, O. (2015). The role of perceived need satisfaction at work for teachers' work-related learning goal orientation. Teaching and Teacher Education, 47, 184-194.

Nitsche, S., Dickhäuser, O., Dresel, M. & Fasching, M. S. (2013). Zielorientierungen von Lehrkräften als Prädiktoren lernrelevanten Verhaltens. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 27, 95-103.

 

 

 

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