Macht Kaugummikauen wirklich schlau?

Die Legende hält sich zäh: Kaugummikauen mache schlau, melden Medien immer wieder. Doch was ist tatsächlich dran an der Verheißung, Aufmerksamkeits- und Testleistungen ließen sich schlicht durch Kaugummikauen bedeutsam steigern?

Die Legende hält sich zäh: Kaugummikauen mache schlau, melden Medien immer wieder. Doch was ist tatsächlich dran an der Verheißung, Aufmerksamkeits- und Testleistungen ließen sich schlicht durch Kaugummikauen bedeutsam steigern? Dieser Frage gingen Pädagogische Psychologen der Universität Marburg nach und kamen dabei in überzeugender Weise zu einer eindeutigen Antwort: Nichts. Detlef Rost und seine Kolleginnen sichteten die Befundlage zur Behauptung Kaugummikauen wirke positiv auf Lernleistung, Konzentration und Gedächtnis und stellten dabei fest, dass sich diese nur auf wenige und methodisch verbesserungswürdige Studien mit kleinen Stichproben gründet. Angesichts dieser dürftigen Evidenz führten die Wissenschaftler zwei eigene Experimente durch, um die Hypothese anhand belastbarerer Methoden angemessen zu testen. An den beiden Studien nahmen jeweils über 500 Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Jahrgangsstufe teil, die zufällig einer von zwei Untersuchungsbedingungen zugewiesen wurden. Probanden der Experimentalbedingung bekamen Kaugummis ausgehändigt und wurden instruiert diese zu kauen, während sie mehrere anerkannte Tests zur Messung verschiedener kognitiver Fähigkeiten bearbeiteten. In einem anderen Raum bearbeiteten Probanden der Kontrollbedingung dieselben Aufgaben unter identischen Bedingungen, aber ohne Kaugummi zu kauen – unterschiedliche Testleistungen wären somit eindeutig auf das Kaugummikauen zurückzuführen. Und welche Resultate ergaben sich? Im ersten Experiment verwendeten die Forscher Aufgaben, die zur Erfassung der Intelligenzfacetten schlussfolgerndes Denken und Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit entwickelt wurden. Das Ergebnis war für beide Kriterien dasselbe: Es fanden sich keine systematischen Unterschiede in den durchschnittlichen Testleistungen in Abhängigkeit davon, ob die Probanden während der Bearbeitung Kaugummi gekaut hatten oder nicht. Im zweiten Experiment benutzen die Wissenschaftler Tests zur Messung der Konzentrations- und Gedächtnisleistung und beobachteten diesmal geringfügige Unterschiede in Abhängigkeit von der Untersuchungsbedingung – allerdings zugunsten der Kontrollbedingung, also zum Vorteil derjenigen Probanden die nicht Kaugummi gekaut hatten! Betrachtet man die Ergebnisse der beiden Experimente zusammengefasst, ist die Behauptung Kaugummikauen wirke positiv auf kognitive Leistungen eindeutig widerlegt. In diesem Fall ist die Befundlage wenig dehnbar.

 

Quelle:

Rost, D. H., Wirthwein, L., Frey, K. & Becker, E. (2010). Steigert Kaugummikauen das kognitive Leistungsvermögen? Zwei Experimente der besonderen Art. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 24, 39-49. doi:10.1024/1010-0652.a000003

 

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