Menschen – Tiere – Emotionen: Was glauben Sie, wie menschlich Tiere fühlen?

Ihre Antwort auf die Frage, wie sehr Tiere Emotionen fühlen, die als menschlich angesehen werden, fällt vermutlich unterschiedlich aus, je nachdem ob Sie tote Tiere essen oder nicht.

Bilewicz, Imhoff und Drogosz (2011) haben in einer ersten von drei Studien Menschen, die sich vegan, vegetarisch oder auch von Fleisch ernähren, sogenannte primäre und sekundäre Emotionen vorgelegt. Die Versuchspersonen sollten angeben, wie sehr die jeweilige Emotion eindeutig menschlich sei. Primäre Emotionen waren hierbei Furcht, Panik, Freude und Erregung. Hier zeigte sich kein Unterschied zwischen den Versuchsgruppen. Die sekundären Emotionen umfassten Schuld, Bedauern, Nostalgie und Melancholie. Hier haben Bielewicz und Kollegen zeigen können, dass Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, Tieren mehr sekundäre bzw. als eigentlich menschlich betrachtete Emotionen zuschreiben als Menschen, die Fleisch essen. Nicht vollständig lässt sich die Wirkrichtung dieses Effektes klären. So könnte es sein, dass Personen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, erst über ihren Lebenswandel das Menschliche in Tieren entdeckt haben. Auch denkbar wäre, was ich nicht als unwahrscheinlicher erachte, dass Menschen sich zum Vegetarismus oder einem veganen Lebenswandel entscheiden, da sie in Tieren viel Menschliches sehen.

So oder so ließe sich eine Abwertung bzw. stärkere Abgrenzung von Tieren durch Menschen, die Fleisch essen, u.a. mit Hilfe der Theorie der kognitiven Dissonanz erklären. Diese besagt, stark vereinfacht ausgedrückt: Wenn zwei Gedanken oder Handlungen einander widersprechen, erleben wir Unbehagen und sind motiviert, diesen Zustand zu beseitigen. Sollten Menschen also denken, dass Tiere Menschen ganz ähnlich sind und ähnliche Emotionen empfinden, sie andererseits aber nichts Menschenähnliches verspeisen wollen, wäre dieses Problem gelöst, indem sie Tieren Menschliches absprechen. 

Analog haben auch Loughnan, Haslam und Bastian (2010) argumentiert. Sie gaben den Versuchspersonen in ihrer Studie entweder getrocknetes Rindfleisch oder aber getrocknete Nüsse als Snack zu essen. Anschließend bewerteten alle Teilnehmenden, wie sehr sie um Tiere besorgt seien und wie sie die mentalen Fähigkeiten von Kühen bewerteten. Die moralische Besorgnis um Tiere im Allgemeinen und um Kühe im Speziellen war geringer, wenn Personen das getrocknete Rindfleisch aßen. Einen direkten Effekt zwischen den Gruppen hinsichtlich der Bewertung kognitiver Fähigkeiten der Kühe fanden diese Autoren nicht. Gut gefallen hat mir an dem Bericht dieses Ergebnisses, dass die Autoren zugeben, dass sich ihre von dem Ergebnis abweichende Erwartung im Experiment nicht bestätigen ließ. Vielleicht hätten sie den vorhergesagten Effekt finden können, wenn sie Veganerinnen und Veganer befragt hätten. Hier wäre es allerdings ethisch nicht zu rechtfertigen, diesen Personen das Verspeisen von getrocknetem Rindfleisch vorzuschreiben.

Quellen:

Bilewicz, M., Imhoff, R. & Drogosz, M. (2011). The humanity of what we eat: Conceptions of human uniqueness among vegetarians and omnivores. European Journal of Social Psychology, 41, 201-209.

Loughnan, S., Haslam, N. & Bastian, B. (2010). The role of meat consumption in the denial of moral status and mind to meat animals. Appetite, 55, 156-159.

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