Schlafen wir wirklich weniger als früher?

Häufig hört man die Aussage, dass die Schlafdauer in den letzten paar Jahrzehnten abgenommen hat. Aber ist das empirisch belegbar? Ein neuer Review-Artikel basierend auf objektiven Schlafdaten von 1960 bis 2013 hat keine Hinweise dafür gefunden.

Flaming juneFlaming June von Frederic Lord Leighton via Wikimedia (Bild und Public Domain Lizenz: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/8d/Flaming_June,_by_Frederic_Lord_Leighton_(1830-1896).jpg))Man hört immer wieder, dass Menschen heutzutage zu wenig schlafen.  Tatsächlich haben vereinzelte Studien eine Reduktion der Schlafdauer gefunden. Review-Artikel (Artikel, die Daten über mehrere Studien vergleichen) konnten jedoch keine Hinweise darauf finden, dass sich die Schlafdauer in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Eine Meta-Analyse hat sogar gezeigt, dass die Häufigkeit von Schlafzeiten von weniger als sechs Stunden in den meisten Ländern abgenommen hat. All diese Reviews basieren allerdings auf subjektiven Schlafdaten, also Schlafdaten, die über Fragebögen ermittelt wurden.

Da Fragebogenangaben nicht immer verlässlich sind, hat es ein Forscherteam aus den USA interessiert, ob man bei objektiven Schlafdaten eine Abnahme der Schlafdauer finden kann. Dies sind Daten, die im Labor oder zu Hause direkt mit Aktigraphie oder Elektroenzephalographie (EEG) gemessen werden. Dafür haben Youngstedt und KollegInnen 168 Studien verglichen, die zwischen 1960 und 2013 den Schlaf von insgesamt 6052 gesunden Erwachsenen untersucht haben.

Die AutorInnen haben keinen Zusammenhang zwischen dem Publikationsjahr der Studie und der Gesamtschlafdauer gefunden. Dies deutet darauf hin, dass die Schlafdauer bei gesunden Erwachsenen in den letzten 50 Jahren konstant geblieben ist. Natürlich gibt es gewisse Limitationen bei den verwendeten Daten (z. B. sind die TeilnehmerInnen in diesen Studien nicht unbedingt repräsentativ für die Population). Da die Resultate mit den subjektiven Daten übereinstimmen, kann man davon ausgehen, dass die Schlafdauer bei gesunden Schlafenden nicht abgenommen hat. Warum hält sich dann der Mythos von zu wenig Schlaf so hartnäckig?  Die AutorInnen schlagen verschiedene Möglichkeiten vor: Schlafstörungen könnten zugenommen haben, Menschen wissen heutzutage mehr über Schlaf und die Risiken von zu wenig Schlaf oder dass Menschen eine falsche Vorstellung der Durchschnittsschlafdauer haben. Sie können also nun beruhigt schlafen – die meisten Menschen schlafen auch heutzutage noch genug.

Quelle

Youngstedt, S. D., Goff, E. E., Reynolds, A. M., Kripke, D. F., Irwin, M. R., Bootzin, R. R., ... & Jean-Louis, G. (2016). Has adult sleep duration declined over the last 50+ years? Sleep Medicine Reviews, 28, 65-81.

 

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