Über Stimmungsringe, Wearables und Psychotherapie

Selbstvermessungen im Alltag sind schick – aber nicht nur das! Echtzeitmessungen im Alltag von zukünftigen PsychotherapiepatientInnen helfen dabei vorherzusagen, welcheR PatientIn früh von der Therapie profitieren wird und welcheR eher nicht.

Ein geschwungenes Maßbandandreas160578 via Pixabay (https://pixabay.com/de/ma%C3%9Fband-messen-messband-centimeter-1860811/, CC:https://pixabay.com/de/service/terms/#usage)Früher gab es Stimmungsringe, heute gibt es Smartphones, iPods oder „Wearables“ (tragbare Computersysteme, z. B. in Uhrenform). Diese werden als Fitness- und Gesundheitstracker zum Schrittzählen, Blutdruckmessung, Herzfrequenz, Schlafrhythmus, etc. eingesetzt. Der Trend geht zur Selbstvermessung – oft vor dem Hintergrund der Selbstoptimierung. Ob das sinnvoll ist oder nicht, muss jedeR für sich entscheiden – Fakt ist nur: Die Flut an Apps und Weiterentwicklungen auf diesem Markt ist riesig! Was, wenn man diese Art von Echtzeitmessungen in der natürlichen Umgebung eines Individuums nun aber in der Psychotherapieforschung zur Vorhersage des Therapieerfolgs einsetzen könnte?

In einem Pilotprojekt der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Trier wurden PatientInnen auf der Warteliste für einen ambulanten Psychotherapieplatz mit iPods ausgestattet, die täglich viermal zum Beispiel die Stimmung und Grübelaktivität erhoben haben. Mit diesen Daten wurde dann versucht, das frühe Ansprechen auf eine Therapie vorherzusagen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass PatientInnen, bei denen im Alltag der negative über den positiven Affekt überwiegt und die in ihrer Stimmung stärkere Schwankungen aufweisen, in den ersten Sitzungen auf eine Therapie weniger gut ansprechen (d.h. ihr Wohlbefinden verbesserte sich nicht so schnell und so stark ausgeprägt). Was bedeutet das nun für die Praxis? Es zeigt, dass wir über Echtzeiterhebungen im Alltag bereits vor Therapiebeginn vorhersagen können, welcheR PatientIn früh positiv auf eine Therapie anspricht. Das hat eine hohe praktische Relevanz, denn vorherige Studien haben gezeigt, dass jene PatientInnen, die früh positiv auf eine Therapie reagieren, auch ein besseres Therapieergebnis haben. Das wiederum bedeutet, dass uns die Vorhersagen vor Therapiebeginn dabei helfen können, RisikokandidatInnen zu identifizieren. Bei diesen PatientInnen müssten die Interventionen individuumszentiert angepasst werden, sodass auch sie von der angebotenen Therapie profitieren.

Auf welche Weise dies geschehen kann, zeigen uns die Daten ebenfalls. Sie geben Auskunft darüber, wie psychologische Prozesse in genau dem Individuum, welches mich als PsychotherapeutIn interessiert, im Alltag miteinander verbunden sind.

Quellen:

Bradford, A., Cully, J., Rhoades, H., Kunik, M., Kraus-Schuman, C., Wilson, N., & Stanley, M. (2011). Early response to psychotherapy and long-term change in worry symptoms in older adults with generalized anxiety disorder. The American Journal of Geriatric Psychiatry, 19, 347-356.  

Crits-Christoph, P., Connolly, M. B., Gallop, R., Barber, J. P., Tu, X., Gladis, M., & Siqueland, L. (2001). Early Improvement During Manual-Guided Cognitive and Dynamic Psychotherapies Predicts 16-Week Remission Status. The Journal of Psychotherapy Practice and Research, 10, 145–154.

Husen, K., Rafaeli, E., Rubel, J. A., Bar-Kalifa, E., & W. Lutz. (2016). Daily Affect Dynamics predict Early Response in CBT: Feasibility and predictive validity of EMA for outpatient psychotherapy, Journal of Affective Disorders.

Rubel, J., Lutz, W., & Schulte, D. (2015). Patterns of change in different phases of outpatient psychotherapy: A stage-sequential pattern analysis of change in session reports. Clinical Psychology and Psychotherapy, 22(1), 1-14.

 

 

 

 

 

 

 

 

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