... und raus bist du! - Führen härtere Strafen zu weniger Kriminalität?

Im Kalifornien der 1990er Jahre stieg die Kriminalitätsrate dramatisch an. Um der Lage Herr zu werden, wurde 1994 die Three-strikes-and-you’re-out-Regelung eingeführt. Hiernach können auch geringe Verstöße mit langen Haftstrafen geahndet werden und zwar dann, wenn bereits zwei schwere Straftaten, sogenannte Strikes, vorliegen. Die zugrundeliegende Idee ist, dass eine kleine Minderheit für den Großteil aller Straftaten verantwortlich sei. Ziehe man diese Minderheit aus dem Verkehr, sollte die Kriminalitätsrate sinken. Auch in Deutschland werden immer wieder Rufe nach härteren Strafen laut. Die Regelung aus Kalifornien könnte als Vorbild dienen. Aber funktioniert sie wirklich? Inzwischen liegen die ersten Studien über Langzeiteffekte vor.

Zwei Fäuste mit HandschellenKurz nach der Implementierung der Three-Strikes-Regelung wurde in Kalifornien ein rapider Rückgang der Kriminalitätsrate beobachtet. BefürworterInnen sahen dies als Beleg für die Effektivität der Maßnahme an. Tatsächlich beruhte der beschriebene Rückgang jedoch auf einem landesweiten Trend, der bereits vor Einführung der Three Strikes begonnen hatte. So unterschied sich der Rückgang der Kriminalitätsrate in Kalifornien nicht signifikant von anderen US-Bundesstaaten, die keine oder nur teilweise eine Three-Strikes-Regelung anwendeten. Vielmehr wurde in Kalifornien sogar eine Steigerung der Mordrate beobachtet. Vergleicht man die Rückfallquoten von StraftäterInnen mit einem versus zwei Strikes, zeigte sich das Folgende: Der Erhalt eines ersten Strikes reduzierte die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Straffälligkeit der TäterInnen enorm. Die Möglichkeit eines zweiten Strikes schreckte also ab. Hatten StraftäterInnen jedoch bereits einen zweiten Strike erhalten, verlor die Möglichkeit eines dritten Strikes – und einer langen Gefängnisstrafe an abschreckender Wirkung. Möglicherweise sind StraftäterInnen, die bereits zweimal für schwere Straftaten verurteilt waren, so abgehärtet, dass sie sich nicht durch drohende, noch härtere Strafen abschrecken lassen.

Fazit ist also, dass die Three-Strikes-Regelung in Kalifornien vor allem auf ErsttäterInnen abschreckend wirkte. Das eigentliche Ziel der Regelung wurde jedoch verfehlt: WiederholungstäterInnen (die bereits zwei Strikes erhalten hatten) schreckte das Gesetz nicht ab. Zudem konnte der beobachtete generelle Rückgang der Kriminalitätsrate in Kalifornien nicht der neuen Regelung zugeschrieben werden. Dieser beruhte vielmehr auf einem landesweiten Trend, dessen Ursachen unklar sind. Dementsprechend ist es zweifelhaft, dass eine vergleichbare Regelung in Deutschland erfolgreich wäre.

Quellen:

Chen, E. (2008). Impacts of three strikes and you’re out on crime trends in CA and throughout US. Journal of Contemporary Criminal Justice, 24, 345–370.

Datta, A. (2017). California’s three strikes law revisited: Assessing the long-term effects of the law. Atlantic Economic Journal, 45, 225-249. 

 

 

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