Was dir Angst macht, macht dich mächtig

Menschen fürchten sich üblicherweise mehr vor dem Unkontrollierbaren als vor Dingen, die sie unter Kontrolle haben. Beim Klimawandel scheint dieser Zusammenhang anders zu sein: Je überzeugter eine Person ist, etwas gegen den Klimawandel ausrichten zu können, desto stärker fürchtet sie sich davor.

Der Klimawandel ist ein komplexes Phänomen, dessen negative Folgen nur wirksam reduziert werden können, wenn sich Einzelpersonen, Regierungen und große Unternehmen Change the World, Obama. Nobel Prize for Peace version von sara b. via flickr (https://www.flickr.com/photos/sara/215916577), cc (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)gemeinsam anstrengen. Angesichts dieser Komplexität schätzen Menschen den Beitrag, den sie persönlich zum Schutz des Klimas leisten können, als erstaunlich groß ein (vgl. Hornsey et al., 2015). Weiter überrascht, dass mit zunehmender Furcht vor dem Klimawandel die Überzeugung wächst, etwas für den Klimaschutz tun zu können (Hornsey et al., 2015; Kellstedt, Zahran & Vedlitz, 2008).

Eine mögliche Erklärung für diesen Optimismus findet sich im Nutzen, den Menschen aus hohen Kontrollüberzeugungen ziehen. Denn Menschen geht es psychisch und physisch besser, wenn sie das Gefühl haben, durch das eigene Handeln etwas bewirken zu können (z. B. Rothbaum, Weisz & Snyder, 1982); durch Kontrolle wird die Welt vorhersagbarer und sinnhafter. Auf den Klimawandel bezogen könnte das heißen, dass Menschen ihren Beitrag zum Klimaschutz als unrealistisch wirksam einschätzen, um sich dieser Bedrohung nicht hilf- und machtlos ausgeliefert zu fühlen.

Australische Forscherinnen und Forscher (Hornsey et al., 2015) haben diesen Erklärungsansatz in einem Experiment überprüft. Die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer lasen zufällig einen von zwei Texten zum Klimawandel (bedrohlich oder nicht bedrohlich). Diejenigen, welche die bedrohliche Schilderung des Klimawandels lasen, stuften das Problem im Vergleich zu denen, welche die nicht bedrohliche Version lasen, als gefährlicher ein. Zudem waren sie stärker davon überzeugt, dass sie die negativen Folgen des Klimawandels verringern könnten – insbesondere, wenn auch andere Mitglieder der Gesellschaft dabei mithelfen würden.

Die zentrale Erkenntnis der Studie von Hornsey und KollegInnen (2015) ist, dass Bedrohungen zu einem übersteigerten Vertrauen in eigene und kollektive Handlungsmöglichkeiten führen können. Ein Nachteil dieses Prozesses ist, dass subjektive Überzeugungen und Wirklichkeit zu stark auseinanderklaffen. Die verzerrte Wahrnehmung bietet aber auch Chancen: Sie kann Zuversicht spenden und zum Handeln motivieren und so vor Hilflosigkeit und Passivität schützen.

 

Literatur

Hornsey, M. J., Fielding, K. S., McStay, R., Reser, J. P., Bradley, G. L. & Greenaway, K. H. (2015). Evidence for motivated control: Understanding the paradoxical link between threat and efficacy beliefs about climate change. Journal of Environmental Psychology, 42, 57-65.

Kellstedt, P. M., Zahran, S. & Vedlitz, A. (2008). Personal efficacy, the information environment, and attitudes toward global warming and climate change in the United States. Risk Analysis, 28, 113-126.

Rothbaum, F., Weisz, J. R. & Snyder, S. S. (1982). Changing the world and changing the self: A two-process model of perceived control. Journal of Personality and Social Psychology, 42, 5-37.

 

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