Generation Y – Revolution am Arbeitsplatz abgesagt

Jedoch lassen nicht nur die organisationspsychologischen Erkenntnisse am Konzept der Generation Y zweifeln, auch andere vermeintlich charakteristische Unterschiede im Vergleich zu Vorgängergenerationen erweisen sich in wissenschaftlichen Analysen als unhaltbar. Roberts, Edmonds und Grijalva (2010) zeigen beispielsweise eindrucksvoll, dass viele Menschen im Lauf ihrer Entwicklung eine Phase der Selbstverliebtheit durchmachen, diese jedoch auch wieder hinter sich lassen. Je nach Zeitpunkt der Befragung können Altersunterschiede somit als vermeintlich generationale Unterschiede auftreten. Die Vermutung liegt nahe, dass das Konzept der Generation als solches vielleicht zu kurz greift und grob vereinfachend ist. So soll Sokrates bereits gesagt haben:„Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer.“

Der Wunsch nach einfachen Erklärungen der Gegenwart und einer Verklärung der Vergangenheit scheint also durchaus kein neues Phänomen zu sein. Doch ebenso wie der griechische Philosoph in der Antike, liegen heute Medien und Arbeitgeber falsch mit ihren Annahmen über die nachkommende Generation: Kaum eine ihrer Annahmen über die Generation Y hält einer empirischen Prüfung stand. Was bleibt sind anschaulich erzählte Einzelfälle und Anekdoten, die ihr Publikum finden und begeistern. Begeisterung alleine führt allerdings zu schnellen Bauchentscheidungen, denen man insbesondere in wichtigen und komplexen Entscheidungssituationen nicht einfach blind folgen sollte. Die Ergebnisse der Wissenschaft mögen weniger Begeisterung auslösen und erfordern mehr Reflexion; sie zeichnen aber ein differenzierteres und eher zutreffendes Bild der Realität.

 

Literaturverzeichnis

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