Das Gefühl, dass alles „zu viel“ wird, ist für viele Menschen ein prägender Bestandteil des modernen Lebens. Permanente Erreichbarkeit, eine stetig wachsende Informationsflut und gesellschaftliche Unsicherheiten verstärken den Wunsch nach Kontrolle und können gleichzeitig genau dadurch zu mehr Belastung führen. Mit Too much greift Eva Asselmann also ein hochaktuelles Thema auf und untersucht, warum Menschen Kontrolle suchen, weshalb bestimmte Strategien nicht immer hilfreich sind und wie ein bewussterer Umgang mit Unsicherheit gelingen kann.
Die große Stärke des Buches liegt in der verständlichen Vermittlung psychologischer Erkenntnisse. Eva Asselmann gelingt es, komplexe Zusammenhänge aus der Psychologie anschaulich aufzubereiten und mit Alltagssituationen zu verbinden. Konzepte wie Selbstwirksamkeit, Perfektionismus, Resilienz oder der Umgang mit Unsicherheit werden nachvollziehbar erklärt, ohne dass Leserinnen und Leser überfordert werden. Gerade für Menschen, die sich bisher wenig mit psychologischen Themen beschäftigt haben, bietet das Buch einen gut strukturierten Einstieg.
Auch wissenschaftlich baut Too much auf einer soliden Grundlage auf. Die Autorin verbindet verschiedene Forschungsbereiche und zeigt, dass Überforderung nicht ausschließlich ein individuelles Problem ist, sondern auch mit den Bedingungen einer komplexer werdenden Lebenswelt zusammenhängt. Positiv fällt auf, dass sie weder einfache Patentrezepte verspricht noch psychische Belastungen ausschließlich als persönliche Schwäche betrachtet. Stattdessen vermittelt das Buch einen differenzierten Blick auf die Frage, wie Menschen mit Kontrollverlust und Unsicherheit umgehen können.
Der Neuheitswert bleibt allerdings begrenzt. Viele der angesprochenen Themen sind aus der populärwissenschaftlichen psychologischen Literatur bereits bekannt. Wer sich schon mit Stressbewältigung, Achtsamkeit, Resilienz oder Perfektionismus beschäftigt hat, wird zahlreiche Konzepte wiedererkennen. Eine Stärke des Buches liegt weniger darin, neue theoretische Perspektiven zu eröffnen, sondern vielmehr darin, verschiedene bekannte Erkenntnisse in einen aktuellen und gut verständlichen Zusammenhang zu bringen. Das gelingt, auch wenn echte Überraschungsmomente eher selten bleiben. Die Kürze der einzelnen Abschnitte könnte daher gerade das adressieren, was die Grundidee des Buches ausmacht: Wir haben zu wenige Ressourcen, zu wenig Energie, um uns lange und ausführlich am Stück mit komplexen Gedankengängen auseinanderzusetzen.
Etwas ambivalent ist daher auch mein Eindruck des Schreibstils. Einerseits ist das Buch klar gegliedert, leicht zugänglich und angenehm zu lesen. Andererseits wirkt die Darstellung über weite Strecken sehr gleichmäßig. Viele Kapitel folgen einem ähnlichen Muster: Eine Alltagssituation wird beschrieben, anschließend psychologisch eingeordnet und schließlich mit praktischen Empfehlungen verbunden. Hinzu kommt, dass die Sprache häufig sehr glatt und einfach wirkt. Die Formulierungen sind präzise und verständlich, doch die individuelle Stimme der Autorin tritt nicht immer deutlich hervor. Manche Passagen lesen sich eher wie eine sorgfältig strukturierte Zusammenfassung psychologischer Erkenntnisse als wie eine eigenständige Auseinandersetzung mit dem Thema. Das beeinträchtigt die Verständlichkeit nicht, nimmt dem Buch jedoch stellenweise etwas an persönlichem Profil.
In Bezug auf praktische Elemente regen Reflexionsfragen und Übungen dazu an, Gewohnheiten und Erwartungen zu hinterfragen. Dadurch bleibt Too much nicht bei einer reinen Wissensvermittlung stehen, sondern bietet konkrete Ansatzpunkte für den Alltag. Gerade diese Verbindung aus wissenschaftlicher Einordnung und praktischer Anwendung macht den Wert des Buches aus.
Insgesamt legt Eva Asselmann ein in manchen Teilen empfehlenswertes Sachbuch vor, das ein relevantes Thema fachlich fundiert und verständlich behandelt. Es richtet sich vor allem an Leserinnen und Leser, die einen gut aufbereiteten Einstieg in die Psychologie von Überforderung und Kontrollbedürfnis suchen. Wer bereits viele Bücher aus diesem Bereich gelesen hat, wird dagegen weniger neue Erkenntnisse finden.
Fazit: Too much ist ein solides und hilfreiches populärwissenschaftliches Buch mit einer soliden wissenschaftlichen Grundlage. Seine größten Stärken sind die verständliche Darstellung psychologischer Zusammenhänge und die gute Übertragbarkeit auf den Alltag. Abstriche gibt es beim Neuheitswert und bei der sprachlichen Eigenständigkeit: Der Text ist gut lesbar, wirkt aber stellenweise sehr standardisiert und vorhersehbar. Insgesamt bleibt ein weitestgehend positiver Eindruck zu einem in weiten Teilen wissenschaftlich fundierten Buch mit praktischen Impulsen, das jedoch nicht in allen Bereichen über bereits öfter präsentierte und somit an sich bekannte Muster hinausgeht.
Disclaimer: Dieser Rezension lag ein Freiexemplar zugrunde.