Wie glücklich sind Sie aktuell mit Ihrem Leben? Waren Sie in einem anderen Lebensabschnitt vielleicht glücklicher oder unglücklicher? Mit der Frage, wann im Lebensverlauf Menschen am glücklichsten sind, befasst sich die psychologische Forschung schon seit Jahrzehnten – bislang ohne eindeutige Antwort.
Das liegt unter anderem daran, dass „Glück“ über verschiedene Studien hinweg unterschiedlich definiert und erfasst wird. Eine in der Psychologie weit verbreitete Definition versteht unter „Glück“ das subjektive Wohlbefinden von Menschen, das durch Variablen wie die Zufriedenheit mit dem Leben sowie das Vorhandensein positiver und die Abwesenheit negativer Emotionen erfasst wird (Diener et al., 2018). Die Zufriedenheit wird auch als kognitive Komponente und die Emotionen als affektive Komponenten des subjektiven Wohlbefindens bezeichnet. Prinzipiell erweist sich das subjektive Wohlbefinden, vor allem die kognitive Komponente, als relativ stabil, wobei bestimmte Lebensereignisse oder Lebensumstände auch langfristig Einfluss auf das Wohlbefinden nehmen können (Kettlewell et al., 2020).
Eine weit verbreitete Annahme zum Entwicklungsverlauf des subjektiven Wohlbefindens geht von einem U-förmigen Verlauf aus: Während das subjektive Wohlbefinden in der Kindheit vergleichsweise hoch ausgeprägt ist, erreicht es in der Lebensmitte einen Tiefpunkt und steigt im höheren Alter erneut an (Diener et al., 2018). Zunehmend wurden in vielen Studien jedoch auch Abweichungen von diesem Verlauf gefunden. Kritisiert wurde zudem, dass die verschiedenen Komponenten des Wohlbefindens nicht getrennt berücksichtigt wurden und viele Studien querschnittlich angelegt waren, das heißt nur einen Messzeitpunkt berücksichtigten. Um den Entwicklungsverlauf des subjektiven Wohlbefindens zu erforschen, sind jedoch vor allem Studien mit mehreren Messzeitpunkten über einen längeren Zeitraum hinweg aussagekräftig (sogenannte „Längsschnittstudien“). Um die insgesamt unterschiedlichen Ergebnisse zu untersuchen, bietet es sich an, eine „Meta-Analyse“ durchzuführen.
Ein entsprechendes Vorgehen fasst die Ergebnisse vieler einzelner Studien zu einer Forschungsfrage systematisch zusammen und wertet sie gemeinsam aus. Die Meta-Analyse von Buecker et al. (2023) bezog dafür mehr als 400 längsschnittliche Studien mit insgesamt über 450.000 Teilnehmer:innen ein. Die Studien umspannten die Kindheit (ab 9 Jahren) bis ins hohe Alter (90 Jahre) und wurden bis Ende 2022 veröffentlicht. Des Weiteren wurde analysiert, welche Faktoren die Entwicklung des subjektiven Wohlbefindens beeinflussen (auch bezeichnet als „Moderatoren“, z.B. ethnische Zugehörigkeit, Herkunftsland, Geschlecht).
Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Lebenszufriedenheit zunächst während der Jugend sinkt, im Erwachsenenalter leicht zunimmt und im höheren Lebensalter (ab etwa 70 Jahren) erneut zurückgeht. Positive Gefühle treten mit zunehmendem Alter insgesamt seltener auf. Hinsichtlich negativer Gefühle zeigen sich zwischen Kindheit und Jugend Schwankungen: Während sie in der Kindheit zunächst abnehmen, steigen sie im Jugendalter wieder leicht an. Bis zum mittleren Erwachsenenalter gehen sie anschließend erneut zurück, bevor sie im höheren Lebensalter (ab etwa 70 Jahren) wieder zunehmen. Insgesamt unterliegen positive und negative Gefühle im Lebensverlauf stärkeren Schwankungen als die Lebenszufriedenheit – dies ist auch zu erwarten, da Emotionen prinzipiell variabler sind als z.B. die Lebenszufriedenheit. Die untersuchten Moderatoren tragen nicht wesentlich zur Erklärung dieser Entwicklungsverläufe bei. Insgesamt betrachtet zeigt sich also weder für die Lebenszufriedenheit noch für positive oder negative Gefühle ein U-förmiger Verlauf über die Lebensspanne.
Vor allem im Jugendalter zeigen sich demnach Abnahmen in der Lebenszufriedenheit und den positiven Gefühlen sowie eine Zunahme der negativen Gefühle. Die Autor:innen diskutieren diese Abnahme im Kontext der vielfältigen Entwicklungsaufgaben, die sich in diesem Alter ergeben. Zudem zeigt sich auch eine weitere Abnahme des subjektiven Wohlbefindens im höheren Alter – hier könnten gesundheitliche Einbußen oder z.B. auch ein etwaiger sozialer Rückzug eine Rolle spielen. Daraus ergibt sich, dass Interventionen zur Förderung des subjektiven Wohlbefindens insbesondere Jugendliche und ältere Menschen adressieren sollten. Möchte man sein Wohlbefinden steigern, bieten sich zum Beispiel Trainings zur Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen an (Cipriano et al., 2023). Hier werden u.a. Selbstwahrnehmung (z.B. Erkennen eigener Emotionen) und -management (z.B. Umgang mit eigenen Emotionen), aber auch Empathie (Perspektiven anderer verstehen) und Beziehungsgestaltung (z.B. Umgang mit Konflikten) fokussiert.
Buecker, S., Luhmann, M., Haehner, P., Bühler, J. L., Dapp, L. C., Luciano, E. C., & Orth, U. (2023). The development of subjective well-being across the life span: A meta-analytic review of longitudinal studies. Psychological Bulletin, 149(7-8), 418–446. https://doi.org/10.1037/bul0000401
Cipriano, C., Strambler, M. J., Naples, L. H., Ha, C., Kirk, M., Wood, M., Sehgal, K., Zieher, A. K., Eveleigh, A., McCarthy, M., Funaro, M., Ponnock, A., Chow, J. C., & Durlak, J. (2023). The state of evidence for social and emotional learning: A contemporary meta-analysis of universal school-based SEL interventions. Child Development, 94(5), 1181-1204. https://doi.org/10.1111/cdev.13968.
Diener, E., Lucas, R. E., & Oishi, S. (2018). Advances and open questions in the science of subjective well-being. Collabra: Psychology, 4(1):15. https://doi.org/10.1525/collabra.115
Kettlewell, N., Morris, R. W., Ho, N., Cobb-Clark, D. A., Cripps, S., & Glozier, N. (2020). The differential impact of major life events on cognitive and affective wellbeing. SSM - Population Health, 10, 100533. https://doi.org/10.1016/j.ssmph.2019.100533.
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Abbildung 1: Grafik generiert mit ChatGPT (Open AI, 2025)