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Es braucht mehr als die richtigen Worte: Grenzen moralischen Framings beim Klimaschutz

Politisch links und rechts eingestellte Menschen unterscheiden sich deutlich darin, wie sie über Klimaschutz denken. Ein viel diskutierter Ansatz verspricht Abhilfe: Klimaschutzbotschaften sollen so formuliert werden, dass sie die moralischen Werte der jeweiligen Zielgruppe ansprechen. Wir haben diese Idee erneut getestet – mit ernüchternden Ergebnissen. 

Politisch links eingestellte bzw. progressive Menschen unterstützen Klimaschutzmaßnahmen im Durchschnitt stärker als politisch rechts eingestellte bzw. konservative Menschen. Diese politische Kluft zeigt sich seit Jahren in der Forschung und stellt die Klimakommunikation vor eine Herausforderung: Wie lassen sich politisch rechts eingestellte Menschen zu klimafreundlicherem Verhalten motivieren?

Ein möglicher Ansatz beginnt mit der Frage, wie Klimaschutz begründet wird. Fridays for Future beschreibt die Klimakrise beispielsweise häufig als „Gerechtigkeitskrise“ und betont, dass Menschen, die am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen haben, am stärksten unter ihren Folgen leiden (Fridays for Future Deutschland, 2020). Klimaschutz erscheint damit primär als Frage der globalen Fairness und der Verhinderung von Leid. 

Solche Argumente sind nicht ausschließlich für links eingestellte Menschen relevant. Menschen mit unterschiedlicher politischer Orientierung unterscheiden sich jedoch darin, welche moralischen Gesichtspunkte sie besonders stark gewichten. Nach der Moral Foundations Theory spielen für linksgerichtete Menschen Fairness und die Vermeidung von Leid eine besonders wichtige Rolle. Rechtsgerichtete Menschen messen diesen Werten ebenfalls Bedeutung zu, beziehen daneben aber stärker auch Aspekte wie Loyalität gegenüber der eigenen Gemeinschaft, Respekt vor Autoritäten oder die Bewahrung bestehender Ordnungen in ihre moralischen Urteile ein (Graham et al., 2013; Haidt & Graham, 2007). 

Damit eröffnet sich eine interessante Möglichkeit: Vielleicht lässt sich Klimaschutz so begründen, dass er stärker an unterschiedliche moralische Wertvorstellungen anschließt und damit insbesondere auch Personen anspricht, die wenig zu umweltfreundlichem Verhalten motiviert sind. Statt etwa globale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt zu stellen, könnte Klimaschutz auch als Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen oder als Verantwortung gegenüber der eigenen Gemeinschaft verstanden werden. Dies sollte politisch rechts orientierte Menschen stärker adressieren. Das politische Ziel bleibt dasselbe; verändert wird die moralische Begründung.

Genau diese Idee steht hinter dem sogenannten „moralischen Framing“. Frühere Forschung deutete darauf hin, dass ein solches Vorgehen tatsächlich funktionieren könnte. Wolsko und Kollegen (2016) fanden in einer Reihe von Experimenten, dass konservativere Personen positiver auf Klimaschutz reagierten, wenn dieser unter anderem mit der Bewahrung der Ordnung und dem Schutz der eigenen Gemeinschaft begründet wurde, statt mit Leidvermeidung und globaler Gerechtigkeit.

Die Schlussfolgerung aus diesen Ergebnissen ist ebenso einfach wie attraktiv: Wenn konservativere Menschen andere moralische Argumente für mehr Klimaschutz besonders überzeugend finden, müsste eine entsprechend formulierte Botschaft die politische Kluft zwischen links und rechts beim Thema Klimaschutz verringern können.

Doch hält diese Idee einer erneuten Prüfung stand?

In unserer Studie (Voit et al., 2026) haben wir genau diesen Ansatz erneut überprüft. Dafür haben wir das zentrale Experiment von Wolsko und Kollegen (2016) in zwei Studien wiederholt: zunächst möglichst identisch mit dem ursprünglichen Experiment mit Teilnehmenden aus den USA und anschließend mit ins Deutsche übersetzten und an den deutschen Kontext angepassten Materialien.

Unsere Teilnehmenden kamen aus dem gesamten politischen Spektrum. Per Zufall las jede Person eine von zwei Klimaschutzbotschaften. Beide warben für Klimaschutz, begründeten ihn aber mit unterschiedlichen moralischen Werten. In der linksgerichteten Klimaschutzbotschaft ging es beispielsweise darum, „allen Menschen das Leben auf einer intakten Erde“ zu ermöglichen und „für eine lebenswerte Welt für jeden“ zu sorgen. In der rechtsgerichteten Klimaschutzbotschaft wurden die Teilnehmenden hingegen aufgefordert, „zur Bewahrung der unberührten Natur“ beizutragen und für eine „lebenswerte Umgebung für sich und [ihre] Mitbürger“ zu sorgen.

Anschließend erfassten wir die Einstellungen der Teilnehmenden zum Klimaschutz und inwiefern sie beabsichtigten, sich im Alltag klimafreundlicher zu verhalten, etwa indem sie Energie sparen.

Wenn die Idee von Wolsko und Kollegen zu moralischem Framing stimmt, sollte die rechtsgerichtete Botschaft vor allem bei konservativen Teilnehmenden funktionieren. Der normalerweise beobachtete Unterschied zwischen politisch linken und rechten Personen in der Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen müsste dann kleiner werden.

Eine plausible Idee – doch die erhoffte Wirkung bleibt aus

Zunächst zeigte sich das bekannte Muster: Je konservativer unsere Versuchsteilnehmenden waren, desto weniger waren sie bereit, klimaschützende Maßnahmen zu befürworten. Entscheidend ist jedoch: Unsere Ergebnisse zeigten keinen Hinweis darauf, dass die Art der Klimaschutzbotschaft diesen Zusammenhang systematisch verändert. Mit anderen Worten: Auch wenn die Botschaft rechtsgerichtete moralische Werte betonte, wurde die politische Kluft zwischen rechtsgerichteten und linksgerichteten Menschen in dieser Frage nicht kleiner. Dieses Ergebnis fanden wir gleichermaßen in den USA und in Deutschland.

Was lässt sich daraus lernen?

Die Nutzung von moralischem Framing versprach eine vergleichsweise einfache Lösung für ein schwieriges Problem. Die Hoffnung war, dass sich politische Unterschiede beim Klimaschutz verringern lassen, indem dieselbe Botschaft lediglich mit anderen moralischen Werten begründet wird. In unseren Studien reichte eine solche Anpassung jedoch nicht aus.

Das bedeutet nicht, dass es für die Klimakommunikation völlig gleichgültig ist, wie über Klimaschutz gesprochen wird. Unsere Ergebnisse geben aber wenig Anlass zur Hoffnung, dass sich eine bestehende politische Kluft allein durch eine passende moralische Verpackung verkleinern lässt.

Das passt zu einem breiteren Befund aus der Forschung: Ob Menschen klimapolitische Maßnahmen unterstützen, hängt nicht nur von allgemeinen Wertvorstellungen ab. Besonders wichtig ist auch, wie sie die konkrete Maßnahme selbst beurteilen. Eine große zusammenfassende Analyse mehrerer Studien zeigt beispielsweise, dass die Unterstützung von klimafreundlichen Maßnahmen besonders eng damit zusammenhängt, ob diese Maßnahmen als fair und wirksam wahrgenommen werden (Bergquist et al., 2022).

Die vielleicht wichtigste Lehre aus unseren Ergebnissen lautet also, dass die politische Kluft beim Klimaschutz mehr ist als eine Frage unterschiedlicher moralischer Wertüberzeugungen. Wer sie verstehen will, muss auch fragen, wie Menschen die konkrete Klimapolitik beurteilen: erscheint sie ihnen wirksam, fair und tragbar? 
 

Literatur

Bergquist, M., Nilsson, A., Harring, N., & Jagers, S. C. (2022). Meta-analyses of fifteen determinants of public opinion about climate change taxes and laws. Nature Climate Change, 12(3), 235–240. https://doi.org/10.1038/s41558-022-01297-6

Fridays for Future Deutschland. (2020). Zeit für Klimagerechtigkeit #keingradweiter—Teil IV: Eine gerechtere Zukunft. https://fridaysforfuture.de/zeit-fuer-klimagerechtigkeit-keingradweiter-teil-iv-eine-gerechtere-zukunft/

Graham, J., Haidt, J., Koleva, S., Motyl, M., Iyer, R., Wojcik, S. P., & Ditto, P. H. (2013). Moral foundations theory: The pragmatic validity of moral pluralism. Advances in Experimental Social Psychology. https://ssrn.com/abstract=2184440

Haidt, J., & Graham, J. (2007). When morality opposes justice: Conservatives have moral intuitions that liberals may not recognize. Social Justice Research, 20(1), 98–116. https://doi.org/10.1007/s11211-007-0034-z

Voit, M., Twardawski, M., & Fischer, M. (2026). The limits of moral framing in promoting pro-environmentalism: A preregistered replication of Wolsko et al. (2016). Journal of Experimental Social Psychology, 124, 104871. https://doi.org/10.1016/j.jesp.2026.104871

Zitiervorschlag

Voit, M., Twardawski, M., & Fischer, M. (2026, 4. November). Es braucht mehr als die richtigen Worte: Grenzen moralischen Framings beim Klimaschutz. In-Mind. https://de.in-mind.org/blog/post/es-braucht-mehr-als-die-richtigen-worte-grenzen-moralischen-framings-beim-klimaschutz

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