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Andere mobben – wer macht denn sowas?

Wer andere systematisch schikaniert, gilt schnell als „böse“. Doch was weiß die Forschung über Mobbing-Täter:innen? Fehlt ihnen das Mitgefühl oder waren sie selbst schon Opfer? Sind sie besonders selbstbewusst oder überspielen sie ihre Unsicherheit? Welche Rolle spielen Erfahrungen in Familie und Schule? Der Beitrag beleuchtet, welche Eigenschaften und Lebensumstände mit der Mobbing-Täterschaft zusammenhängen und warum für Prävention und Unterstützung nicht nur die Opfer in den Blick genommen werden sollten.

Manche Jugendliche können echt fies sein: Sie beleidigen, beschimpfen, treten, schubsen oder verprügeln, sie grenzen andere aus, lästern oder verbreiten Gerüchte. Als wäre dies nicht schlimm genug, kommt es auch vor, dass sich solche Aggressionen immer wieder gegen einzelne Mitglieder einer Gruppe richten – und zwar systematisch gegen diejenigen, die sich nicht gut dagegen zur Wehr setzen können. Dies wird als Mobbing bezeichnet.

Mobbing kommt leider gar nicht selten vor. Eine großangelegte internationale Studie berichtet, dass etwa 6% der Jugendlichen andere in der Schule mobben (Cosma et al., 2024). Dies mag auf den ersten Blick nicht sonderlich viel erscheinen, entspricht jedoch im Schnitt ein bis zwei Täter:innen pro Schulklasse. Hinzu kommen diejenigen, die andere online schikanieren (sog. Cybermobbing): Rund 12 % der Befragten berichten, bereits selbst andere im Internet gemobbt zu haben (Cosma et al., 2024). Außerdem ist davon auszugehen, dass die wahre Anzahl an Mobbenden noch höher liegt, da manche Jugendliche nicht zugeben wollen, andere zu mobben. Daher stellt sich erst recht die Frage: Wer macht so etwas? Wer schikaniert gezielt Personen, die schwächer sind?

Jugendliche haben eigenen Ideen, wer mobbt und warum. Eine Sechstklässlerin geht davon aus, dass „die Täter oft selbst gar nicht wissen, wie es ist, schikaniert zu werden und wie es den Betroffenen dabei geht.“ Eine Siebtklässlerin mutmaßt außerdem: „Mobber wissen es manchmal nicht besser, wenn sie zum Beispiel in einem nicht so guten Zuhause aufgewachsen sind. Mobber versuchen, sich mit Mobben zu stärken.“ - „Meistens wurden die Personen, die andere schikanieren, selbst schikaniert“, meint weiterhin ein Siebtklässler.

Was sagt die Forschung dazu? Welche dieser Vermutungen lassen sich wissenschaftlich stützen? Wie steht es um Einfühlungsvermögen und Selbstwertgefühl der Täter:innen? Kommen sie aus ungünstigen familiären Verhältnissen oder waren sie selbst schon Opfer von Mobbing?

Eine Überblicksstudie zeigt sehr deutlich, dass Mobbing-Täter:innen oft durch generell aufsässiges, störendes und aggressives Verhalten auffallen. Außerdem weisen sie wenig Empathie und eine geringe Fähigkeit zur Perspektivenübernahme auf (Cook et al., 2010). Aktuelle Forschung deckt weiterhin auf, dass ein Mangel an Empathie eine spätere Mobbing-Täterschaft vorhersagt. Dies ist verständlich, denn Mitgefühl hemmt aggressives Verhalten und genau dieser hemmende Mechanismus scheint Mobbenden zu fehlen. Interessanterweise verringert sich mit der Zeit jedoch auch das Einfühlungsvermögen der Täter:innen, vermutlich aufgrund von Abstumpfung sowie Verharmlosung und Rechtfertigung der Schikanen (Chu et al., 2026). Wie von Gleichaltrigen vermutet, ist das Selbstwertgefühl der Mobbenden eher schwach ausgeprägt. 

Der Unterschied zu nicht mobbenden Kindern fällt jedoch vergleichsweise gering aus (Cook et al., 2010; Tsaousis, 2016). Außerdem ist noch nicht abschließend geklärt, wie der Wirkzusammenhang zwischen Selbstwert und Mobbing ist. Eventuell wird Mobbing genutzt, um ein geringes Selbstwertgefühl zu überspielen. Andererseits könnte es auch sein, dass Mobbing längerfristig zu einer Abnahme der Selbstachtung führt.

Was den familiären Hintergrund der Täter:innen angeht, lassen sich tatsächlich eine Reihe negativer Auffälligkeiten erkennen: Mobbende stammen eher aus Familien, in denen Konflikte, Gewalt und Kommunikationsprobleme auftreten. Die mentale Gesundheit der Eltern ist oftmals beeinträchtigt. Zudem erfahren Mobbende von ihren Eltern wenig Unterstützung und Zuneigung (Nocentini et al., 2019).

Doch nicht nur zu Hause haben die Täter:innen es schwer – auch in der Schule gibt es Probleme. Mobben und Gemobbtwerden liegen eng beieinander. Zum einen gibt es Täter:innen, die selbst gemobbt werden oder wurden. Zum anderen erhöht eine Täterschaft die Wahrscheinlichkeit, später selbst zum Opfer zu werden (Walters, 2021). 

Zusammengenommen scheinen es die Mobbing-Täter:innen selbst nicht leicht zu haben: Negative Erfahrungen im Elternhaus und in der Schule sowie Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen, und ein geringes Selbstwertgefühl sind charakteristisch für Mobbende. Dies rechtfertigt keineswegs ihr verwerfliches Verhalten, deutet jedoch darauf hin, dass nicht nur die Opfer von Mobbing, sondern auch die Täter:innen Hilfe brauchen.

Literatur

Chu, X., Lu, X. & Huang, X. (2026). Does empathy predict bullying, or does bullying predict empathy? A meta-analysis of longitudinal studies. Journal of Youth and Adolescence, 55(2), 316–335. https://doi.org/10.1007/s10964-025-02223-7

Cook, C. R., Williams, K. R., Guerra, N. G., Kim, T. E. & Sadek, S. (2010). Predictors of bullying and victimization in childhood and adolescence: A meta-analytic investigation. School Psychology Quarterly, 25(2), 65–83. https://doi.org/10.1037/a0020149

Cosma, A., Molcho, M. & Pickett, W. (2024). A focus on adolescent peer violence and bullying in Europe, central Asia and Canada. Health Behaviour in School-aged Children international report from the  2021/2022 survey [Nr. 2]. Copenhagen: WHO Regional Office for Europe. Zugriff am 3.9.2026. Verfügbar unter: https://www.hbsc.org/publications/reports/a-focus-on-adolescent-peer-vi…

Nocentini, A., Fiorentini, G., Di Paola, L. & Menesini, E. (2019). Parents, family characteristics and bullying behavior: A systematic review. Aggression and Violent Behavior, 45, 41–50. https://doi.org/10.1016/j.avb.2018.07.010

Tsaousis, I. (2016). The relationship of self-esteem to bullying perpetration and peer victimization among schoolchildren and adolescents: A meta-analytic review. Aggression and Violent Behavior, 31, 186–199. https://doi.org/10.1016/j.avb.2016.09.005

Walters, G. D. (2021). School-age bullying victimization and perpetration: A meta-analysis of prospective studies and research. Trauma, Violence, & Abuse, 22(5), 1129–1139. https://doi.org/10.1177/1524838020906513

Bildnachweis
Zitiervorschlag

Knauf, R.-K. (2026, 30. Oktober). Andere mobben – wer macht denn sowas? In-Mind. https://de.in-mind.org/blog/post/andere-mobben-wer-macht-denn-sowas

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