Editorial zur In-Mind Themenausgabe „Sportpsychologie“

Elf Freunde sollt Ihr sein und die Angst des Torwarts vor dem Elfmeter: An Weisheiten zum Thema Sport mangelt es nicht. Doch ist wirklich die Freundschaft der SpielerInnen einer Fußballmannschaft entscheidend für ihren Erfolg? Und haben nicht vielleicht doch eher die Elfmeter-Schützen Grund, Angst vor dem Elfmeter zu haben? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die sportpsychologische Forschung. Dadurch will sie zu einem besseren Verständnis menschlichen Verhaltens im Kontext Sport und Bewegung beitragen. In der zweiten Sonderausgabe des In-Mind Magazin stellen die AutorInnen aktuelle Befunde aus verschiedenen Bereichen der sportpsychologischen Forschung vor.

Im Sommer 2012 ist Sport in aller Munde: Zuerst fand die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine statt, nun stehen die Olympischen Spiele in London an. Auch abseits des Wettkampfgeschehens sind Sport und Bewegung von Interesse: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass in den Medien über eine neue Studie zur förderlichen Wirkung von Sport und Bewegung auf die Gesundheit berichtet wird.

Im Mittelpunkt der Berichterstattung steht oftmals die Psyche der beteiligten AthletInnen: Wie ist die Stimmung in der Fußball-Nationalmannschaft vor dem Turnier? Welche Spieler haben die Nerven, um entscheidende Elfmeter sicher zu verwandeln? Wie steht es um die Leistungen der beteiligten Schieds- und KampfrichterInnen? Und warum haben so viele Menschen, die gerne aktiver wären, solche Probleme, ihren inneren Schweinehund zu überwinden und die Fernbedienung gegen die Joggingschuhe einzutauschen? Für Antworten auf diese und ähnliche Fragen interessieren sich nicht nur die Fans zuhause, sondern auch zahlreiche WissenschaftlerInnen, die zu sportpsychologischen Fragestellungen forschen. Einige solche Fragestellungen und die zugehörigen Befunde werden in dieser Sonderausgabe vorgestellt.

Chris Englert und Alex Bartrams zeigen in ihrem Artikel auf, dass Angst vor dem Wettkampf nicht gleich Angst vor dem Wettkampf ist: Zwar führt Angst in vielen Situationen für die betroffenen AthletInnen zu schlechteren sportlichen Leistungen. Jedoch ist das Ausmaß der Verschlechterung davon abhängig, wie gut die AthletInnen in der betreffenden Situation noch in der Lage sind, ihre Emotionen zu regulieren. Auf dieser Basis sind wiederum neue sportpsychologische Interventionen denkbar.

Frowin Fasold, Daniel Memmert, Vanessa Ostheimer und Christian Unkelbach gehen einer Frage nach, die sich bestimmt nicht nur viele AthletInnen im Wettkampf, sondern auch zahlreiche Studierende vor mündlichen Prüfungen schon gestellt haben: Werde ich eigentlich anders bewertet, wenn ich in einer Bewertungs- oder Prüfungssituation als erste/r antrete als wenn ich später antrete? Und was ist die Ursache für diesen Unterschied, falls es ihn gibt?

Joachim Hüffmeier und Guido Hertel argumentieren in ihrem Beitrag, dass Motivations- und Leistungsgewinne in Teams vor allem dann entstehen, wenn AthletInnen eine erhöhte soziale Verantwortung für ihr Team wahrnehmen. Sie belegen diese Annahme eindrucksvoll anhand von Daten aus Schwimmwettkämpfen der Olympischen Spiele.

Björn Krenn, Sabine Würth und Günter Amesberger suchen eine Frage zu beantworten, die von höchster praktischer Relevanz für LehrerInnen und TrainerInnen ist: Kann Feedback zu einer sportlichen Leistung eigentlich auch zu einer Verschlechterung dieser Leistung führen? Und wenn ja, wann führt Feedback zu einer Verbesserung und wann zu einer Verschlechterung?

Julia Thurn und Wolfgang Schlicht beschreiben schließlich anschaulich, wie die Macht der Gewohnheit Fluch und Chance gleichzeitig sein kann: Fluch, wenn es unsere Gewohnheit ist, körperlich inaktiv zu sein und wir diese Gewohnheit ändern wollen. Chance jedoch, wenn es uns einmal gelungen ist körperlich aktiv zu sein und wir diese neue Gewohnheit aufrecht halten wollen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit dieser Sonderausgabe und freuen uns auf Ihre Anmerkungen und Kommentare!

 

 

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