Sag ich‘s oder sag ich’s nicht, und wenn, wie? Zur Wirkung von Feedback im Sport

Was haben der Pfiff eines Schiedsrichters, die Wettkampfanalyse einer Trainerin, der Jubelschrei eines Zusehers und das erlebte Bewegungsgefühl einer Athletin gemeinsam? In all diesen Situationen erhalten AthletInnen Rückmeldungen zu ihrem Verhalten. Der vorliegende Artikel veranschaulicht den Einfluss von Feedback auf sportliches Handeln. Es wird gezeigt, dass sich Feedback sowohl positiv als auch negativ auf die Leistung auswirken kann. Vor allem die Art der Rückmeldung, die Persönlichkeit der FeedbackrezipientInnen und Eigenschaften der Situation beeinflussen die Feedbackeffektivität. Entlang dieser Ergebnisse wird verdeutlicht wie Feedback konstruktiv eingesetzt werden kann.

Der Begriff des Feedbacks stammt ursprünglich aus der Kybernetik und meint die Rückkopplung oder Rückmeldung von Informationen. Im Mittelpunkt steht die Gegenüberstellung eines angestrebten Zustandes, dem Sollwert und der aktuellen Situation, dem Istwert (Weigelt & Steggemann, 2010). Das Erreichen oder Übertreffen des angestrebten Zustandes, wenn etwa ein Pass eines Fußballspielers zu einem Mitspieler gelingt, resultiert in einem positiven Feedback. Wird der Sollwert nicht erreicht - der Pass misslingt - folgt ein negatives Feedback.

Beispiele für solche Rückkopplungsprozesse im Sport sind mannigfaltig: Bereits das Ergebnis eines sportlichen Wettkampfes repräsentiert einen Feedbackprozess. Zusätzlich bewerten AthletInnen, TrainerInnen, ZuseherInnen, SchiedsrichterInnen sowie Medien sportliche Leistungen und realisieren Rückmeldungsprozesse über ausgeführte Handlungen. Hierbei spricht man von externalem Feedback, einer Rückmeldung, die von außen gegeben wird, sei dies nun durch andere Personen oder allgemein externe Informationsquellen (z.B.: Computer, Rangliste).

Aber auch internale Feedbackprozesse sind im Sport von zentraler Bedeutung. Hierunter werden Rückmeldungen verstanden, die der Bewegung selbst entspringen: Zum einen der Bewegungsausführung direkt, wie etwa die Beschleunigung in einem Schwung spüren, zum anderen dem Bewegungsresultat, zum Beispiel zu sehen, wie ein geworfener Ball in den Korb fliegt. Diese Informationen werden über die verschiedenen Sinneskanäle – visuell, auditiv, propriozeptiv und taktil – rückgemeldet (Weigelt & Steggemann, 2010). Verfehlt etwa eine Golfspielerin beim Putten das Loch, so erfasst sie das Misslingen ihrer Handlung unmittelbar mit ihren Augen bzw. ihrem propriozeptiven Empfinden.

Brownlee cruzando la meta von Angel Acrones via flickr (https://www.flickr.com/photos/thefreddyportfolio/4682202693/ ), cc (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Demnach ist zu berücksichtigen, dass Feedback immer sowohl eine internale als auch eine externale Komponente enthält (Narciss, 2008). Stimmen diese Komponenten überein, sodass beide positiv bzw. negativ sind, können sie sich gegenseitig verstärken. Fallen beide Feedbackkomponenten unterschiedlich aus, wie etwa bei positivem internalen und negativem externalen Feedback, können sie sich gegenseitig abschwächen.

 

Kann Feedback zu einer Leistungsverschlechterung führen?

TrainerInnen im Sport machen es tagtäglich: Sie bewerten ein zuvor beobachtetes Verhalten ihrer AthletInnen. Lob, Kritik, Ermutigungen oder Verbesserungsvorschläge sind häufig Teil eines sportlichen Trainings. Das Ziel dieser Rückmeldungsprozesse ist stets die Leistungsverbesserung. So soll etwa durch Lob die Güte eines Verhaltens betont werden um eine Replikation des Verhaltens zu fördern. Durch Kritik soll klar gemacht werden, dass etwas falsch gemacht wurde, sodass dieser Fehler künftig ausbleibt. Aber wird das Ziel der Leistungsverbesserung auch stets erreicht? Oder kann es durch Feedbackprozesse auch zu Leistungsverschlechterungen kommen?

In Meta-Analysen zur Effektivität von Feedback konnte eine Reihe negativer Effekte, im Sinne von Leistungseinbußen und verlangsamtem Lernen, beobachtet werden (Hattie & Timperley, 2007). Kluger und DeNisi (1996) analysierten in ihrer Meta-Analyse 131 Studien zum Thema Feedback: Bei einem Drittel fielen die Effekte negativ aus: Sowohl positives als auch negatives Feedback kann demnach zu einer Leistungsverbesserung aber eben auch zu einer Leistungsverschlechterung führen. So stellt sich die Frage wie es zu solch unterschiedlichen Feedbackeffekten kommen kann. Zur Klärung dieser Frage formulierten Kluger und DeNisi (1996) die Feedback Intervention Theory (FIT). Sie argumentieren, dass in Abhängigkeit der Art des Feedbacks, Aufmerksamkeit auf eine von drei Ebenen gelenkt wird: Die Meta-Aufgabenebene, die Aufgaben-Motivationsebene oder die Aufgaben-Lernebene. Auf jeder Ebene postulieren sie spezifische Feedbackauswirkungen.

Die Feedback Intervention Theory

Gemäß FIT entscheidet die Charakteristik des Feedbacks, auf welche der drei Ebenen Aufmerksamkeit gerichtet wird. So lenkt eine Rückmeldung, die auf die Person selbst und weniger ihr Handeln abzielt, wie äußerst negatives bzw. stark positives Feedback oder auch normatives Feedback (z.B.: „95% der Bevölkerung sind fitter als Sie“), Aufmerksamkeit auf die Meta-Aufgabenebene. Für eine Top-Ten Tennisspielerin stellt beispielsweise der Verlust des ersten Satzes mit 0:6 gegen die Nummer 400 der Weltrangliste ein deutliches negatives Feedback dar – es mindert den Selbstwert. In der Folge kommt es zu einer Fokussierung auf andere Ziele hoher individueller Bedeutsamkeit und ggf. zu einer Abwertung der Aufgabe (z.B.: „Ist ja kein wichtiges Spiel“), was eine Leistungsminderung mit sich bringt. Bleibt jedoch der Anspruch bestehen, besser Tennis spielen zu können als die Nummer 400 der Rangliste, ist eine verstärkte Reflexion der eigenen Schläge sowie der emotionalen Auswirkungen zu erwarten. Die Athletin wird grübeln und sich vorwiegend mit dem gezeigten Verhalten und Erleben auseinandersetzen. Dies reduziert ebenso die Leistung, da kognitive Ressourcen hin zu diesem Prozess und weg von der Aufgabenausführung fließen (Hattie & Timperley, 2007; Ilgen & Davis, 2000).

Was passiert jedoch bei gemäßigtem positivem oder negativem Feedback, wie etwa dem Beifall eines Zusehers oder der negativen Geste einer Mitspielerin? Solch ein Feedback lenkt vornehmlich Aufmerksamkeit auf die Aufgaben-Motivationsebene. Bei positivem Feedback kommt es zu einer Steigerung des Anspruchs: Höhere Ziele werden gesetzt und die Anstrengung, diese zu erreichen, wird erhöht, wodurch bei den meisten Aufgaben eine Leistungssteigerung resultiert (Williams, Donovan, & Dodge, 2000). Ist das Setzen höherer Ziele nicht möglich (z.B.: Schüler ist bereits schnellster Läufer seiner Klasse) oder nicht bedeutsam (z.B.: es bedeutet dem Schüler nichts, Schnellster zu sein) wird die Anstrengung vermindert und die Leistung sinkt. In diesem Sinne wird ein kontinuierliches Loben der SportlerInnen ohne Berücksichtigung ihrer Zielsetzungen langfristig zu einem Leistungsabfall führen (Hattie & Timperley, 2007). Bei negativem Feedback kommt es hingegen unmittelbar zu einer Steigerung der Anstrengung und der Leistung. Die Person strebt danach, die Differenz zwischen dem Ist- und Sollwert auszugleichen. Erst bei Ausbleiben von Erfolgserlebnissen geht die Anstrengung zurück und die Leistung fällt ab, da keine Möglichkeit mehr gesehen wird, den Sollwert zu erreichen (Ilgen & Davis, 2000; Shute, 2008).

Häufig erfolgt Feedback jedoch nicht vordergründig wertend, sondern ist an konkrete Handlungsanweisungen geknüpft. Feedback, das Informationen zur Verbesserung der Leistung birgt, wie etwa zur Beinhaltung beim Turmspringen, oder negatives Feedback, das Erfolg bei entsprechender Veränderung des Verhaltens nahelegt (z.B.: „Mit dieser Beinhaltung konnte der Sprung nicht gelingen“), lenkt Aufmerksamkeit auf die Aufgaben-Lernebene. Erfolgt diese Rückmeldung auf die Ausführung einer tendenziell einfachen und gut gekonnten Handlung, führt der Reflexionsprozess der Feedbackinformation zu einer Unterbrechung der automatisierten Aufgabenausführung, wodurch es zu einer kurzzeitigen Leistungsbeeinträchtigung kommt. So scheint es plausibel, dass auch Feedback, welches sich auf Bewegungsdetails bei erfolgreicher Handlungsausführung bezieht, Leistungseinbußen bewirken kann. Bei einem Stabhochspringer etwa kann die Rückmeldung, dass er die Stellung des rechten Fußes nun sehr gut gesetzt hat, zu einer verstärkten Fokussierung auf die Fußstellung führen. Beim nächsten Sprung kann der Fokus auf die Fußstellung, welche vormals automatisch und nicht bewusst gesetzt wurde, die Handlungsausführung beeinträchtigen (vgl. Munzert & Hossner, 2008). Wird Feedback jedoch infolge der Ausführung einer komplexeren und noch nicht beherrschten Handlung gegeben, werden Möglichkeiten reflektiert, um die Handlung besser ausführen zu können. In diesem Fall löst Feedback einen Denkprozess aus, in dem einzelne Hypothesen über die optimierte Handlungsausführung kreiert und folgend geprüft werden. Resultiert eine bessere Handlungsausführung, demnach eine Leistungssteigerung, wurde ein positiver Lerneffekt erzielt (Butler & Winne, 1995; Magill, 2001; Narciss, 2008).

Die FIT schafft einen theoretischen Rahmen zur Erklärung der heterogenen Feedbackergebnisse (siehe Abbildung 1). Den entscheidenden Faktor sehen Kluger & DeNisi (1996) in der Charakteristik der Feedbacknachricht, betonen jedoch, dass sowohl die Situation, in der Feedback gegeben und verarbeitet wird als auch die individuelle Persönlichkeit der FeedbackrezipientInnen die Feedbackwirkung beeinflussen. Offen lassen sie jedoch die Frage, wie sich beide Faktoren auf Feedbackeffekte auswirken.

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