A funny thing happened on the way to romance: Wie beeinflusst Humor die Initiierung von Liebesbeziehungen?

Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Humor

Wir wissen jetzt also, dass bestimmte Arten von Humor uns ein besseres Bild von zugrunde liegender Intelligenz geben als andere. Miller (2000a; 2000b) argumentiert, dass wenn Humor sich wirklich als Fitness-Indikator entwickelt hat, wir geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Anwendung von Humor in der Initiierung einer Liebesbeziehung sehen sollten. Diese Annahme basiert auf einem klassischen Merkmal der sexuellen Selektionstheorie, das als Differenz im Elternaufwand bezeichnet wird und besagt, dass Frauen in sexuellen Interaktionen mehr riskieren als Männer, weil ihre potenziell anfallenden Kosten größer sind (Trivers, 1972). Diese Kosten sind verknüpft mit biologischen Unterschieden in der minimalen Investition von Männern (Kopulation) und Frauen (9 Monate Schwangerschaft, worauf in der Regel Monate oder Jahre Stillzeit folgt), die das Überleben des Nachwuchses sichert. Frauen haben außerdem weniger Chancen aufgrund der begrenzten fruchtbaren Zeit und der limitierten Anzahl von Eizellen (verglichen mit Milliarden von Samenzellen). Da so viel auf dem Spiel steht, sind Frauen geneigt, besonders wählerisch zu sein, was die Partnerwahl angeht (Kenrick, Groth, Trost & Sadalla, 1993).

Geschlechtsspezifische Unterschiede könnten sich aus der Tatsache, dass Frauen äußerst selektiv sind, ergeben. Weibliche Selektivität zwingt Männer ihre Überlebensfähigkeit als Partner heftig anzupreisen, das heißt, Männer müssen ihre Fitness präsentieren, um weibliche Aufmerksamkeit zu erregen. Dementsprechend neigen Männer eher als Frauen dazu mit ihren Ressourcen anzugeben (Buss, 1988). Sie vermögen dann einem Rivalen zu schaden, sich selbst zu bewerben oder auffällig Geld auszugeben (Fisher & Cox, 2011; Griskevicius et al., 2007). Männer können ihre Fitness auch durch Humor präsentieren, und wenn dem so ist, sollten wir geschlechtsspezifische Unterschiede im Humor beim Flirten erwarten (Miller, 2000b).

Kommt Ihnen ein geschlechtsspezifischer Unterschied beim Humor bekannt vor? Haben Sie jemals bemerkt, dass Männer Frauen zum Lachen bringen, während Frauen eigentlich nur lachen müssen? Wissenschaftliche Belege für diesen geschlechtsspezifischen Unterschied häufen sich. Ehemänner in China, der Türkei, Großbritannien und der USA neigen dazu, ihre Frauen mehr zum Lachen zu bringen als ihre Frauen sie, obschon in Russland Frauen die führenden Comedians sind (Weissfeld et al., 2011). In den USA legen Männer mehr Wert darauf, dass Frauen ihren Humor verstehen, als dass sie selbst versuchen, witzig zu sein, während Frauen sowohl Empfänglichkeit für Humor als auch Humorproduktion für wichtig erachten (Bressler, Martin & Balshine, 2006). Des Weiteren mögen Frauen humorvolle Männer, während Männer eher indifferent sind, was humorvolle Frauen angeht (Bressler & Balshine, 2006). Vielleicht ist Humor eine Möglichkeit für Männer eher als für Frauen, ihre positiven Charaktereigenschaften bei der Partnersuche zu präsentieren.

"Humorproduktion" vs. Humorwertschätzung

In einer besonders überzeugenden Reihe von Studien fanden Wilbur und Campbell (2011) mehr Unterstützung für Humor als Fitness-Indikator bei Beziehungsinitiierungen. Sie zeigten zunächst, dass Männer berichteten, bei der Initiierung mehr Humor zu produzieren, während Frauen berichteten, dass sie Humor mehr Wert schätzten und evaluierten. Eine Analyse von Online-Dating-Profilen unterstrich diese geschlechtsspezifischen Unterschiede weiter: Männer tendieren dazu, Humor“produktion“ anzubieten (beispielsweise beschrieben sie sich als „geistreich“ oder „angehender Stand-Up Komiker“, S. 923), während Frauen angaben, dass sie einen Humor“produzierer“ wollten (z.B. jemand, der „mich zum Lachen bringen kann“; S. 923). In ihrer letzten Studie fragten Wilbur und Campbell (2011) die Teilnehmer/innen nach ihrem potenziellen romantischen Interesse an der dargestellten Person in einem hypothetischen Online-Dating-Profil. In Übereinstimmung mit der Theorie der sexuellen Selektion und Humor als Fitness-Indikator, bewerteten Frauen die gezeigte Person als attraktiver, wenn sie diese auch witzig fanden – ein Muster, das sich nicht bei den männlichen Probanden zeigen ließ. Die Humorbewertungen von Frauen korrespondierten mit ihren Rückschlüssen auf die Intelligenz so wie die Herzlichkeit der gezeigten Person, ein Merkmal, das in Verbindung gebracht wird mit dem Teilen von Ressourcen und Co-Parenting Fähigkeiten (Miller, 2007). Zusammenfassend liefert die Forschung von Wilbur und Campbell (2011) überzeugende Belege dafür, dass die besondere Rolle von Humor beim Flirten darauf beruht, dass er zugrunde liegende Fitness signalisierende könnte.

Alternative Perspektiven

Das Fitness-Indikator-Modell bietet eine faszinierende Erklärung für Humor, aber andere wichtige Perspektiven sind ebenfalls unsere Aufmerksamkeit wert. Einige Evolutionstheoretiker/innen behaupten, dass Humor sich entwickelt hat, um soziale Bindung beim Dating und in anderen sozialen Kontexten (Storey, 2003) zu begünstigen. In der Tat induzieren humorvolle Interaktionen, wie zum Beispiel das Spielen eines albernen Zumindest in der westlichen Kultur schätzen sowohl homo- als auch heterosexuelle Menschen neckische und lustige LiebespartnerInnen. Bild: StockSnap via pixabay (https://pixabay.com/de/lächeln-lächelnd-lachen-glücklich-2607299/, CC: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de)Zumindest in der westlichen Kultur schätzen sowohl homo- als auch heterosexuelle Menschen neckische und lustige LiebespartnerInnen. Bild: StockSnap via pixabay (https://pixabay.com/de/lächeln-lächelnd-lachen-glücklich-2607299/, CC: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de)Pantomimespiels, sowohl bei potenziellen Freund/innen als auch Liebespartner/innen, Gefühle der Zuneigung und Nähe (Treger, Sprecher & Erber, 2013). Möglicherweise ist Humor einfach eine wünschenswerte Eigenschaft beim Partner bzw. der Partnerin, weil er die Freude an sozialer Interaktion erhöht. Zumindest in der westlichen Kultur schätzen sowohl homo- als auch heterosexuelle Menschen neckische und lustige Liebespartner/innen (Morgan, Richards & Van Ness, 2010).

Ein etwas anderer Ansatz wäre, dass es die Aufgabe von Humor ist, Interesse zu kommunizieren (Li et al., 2009). Im Gegensatz zum sexuellen Selektionsnsatz legt dieses Interesse-Indikatoren-Modell nahe, dass Humor einer Liebesbeziehung folgt (und nicht vorangeht), aber genau wie die soziale Bindungsperspektive (Treger et al., 2013) immer noch eine wechselseitige Beziehung zwischen Humor und Vorliebe ermöglicht.

Obwohl die drei Perspektiven unterschiedlich erscheinen, sind sie sicherlich kompatibel. Beim Dating kann Humor eine zugrunde liegende, positive Eigenschaft signalisieren, ebenfalls Interesse kommunizieren und gleichzeitig die Freude am Gespräch erhöhen. Sowohl das Interesse-Indikatoren-Modell (Li et al., 2009) als auch das Soziale-Bindungsmodell (Storey, 2003) setzen da an, wo das sexuelle Selektionsmodell aufhört, und deuten darauf hin, dass Menschen Humor verwenden, um nicht nur romantische Beziehungen, sondern auch freundschaftliche, familiäre und arbeitsbedingte Kontakte aufzubauen und zu erhalten.

Wie verwendet man Humor, um eine Beziehung zu initiieren?

Im Lichte der potenziell wichtigen Rolle von Humor bei der Beziehungsinitiierung stellt sich die Frage, wie Menschen Humor kommunizieren, um auf sich aufmerksam zu machen. Martin und KollegInnen (2003) nehmen an, dass es vier Arten von Humor gibt, die Menschen im Alltag anwenden. Die ersten beiden, affiliativ (angliedernd) und selbststeigernd, sind positive Humorstile. Affiliativer Humor ist ein amüsanter, freundlicher und einladender Humorstil; selbststeigernder Humor reflektiert die Tendenz der/s Anwenders/in, das Leben auf eine humorvolle Art zu sehen, selbst in schweren Zeiten. Die anderen beiden Arten, als negative Humorstile erachtet, sind aggressiver Humor und selbstzerstörerischer Humor. Ersterer löst Gelächter aus durch Sarkasmus, Spott und verletzende Hänselei. Selbstzerstörerischer Humor erzeugt ein Lachen auf Kosten der/s Anwenders/in. Positive Humorstile werden mit psychischem Wohlbefinden, Selbstwertgefühl und sozialer Intimität verbunden, während negative Humorstile mit Feindseligkeit und Aggression assoziiert werden (Martin et al., 2003). Wie könnten die verschiedenen Stile mit dem Erfolg einer Beziehungsinitiierung zusammenhängen?

Die Effektivität verschiedener Humorstile

Um der Frage auf den Grund zu gehen, generierten DiDonato und KollegInnen (2013) eine Reihe von lustigen, hypothetischen ersten Begegnungen mit attraktiven Fremden. Die Teilnehmer/innen wurden gebeten sich vorzustellen, dass sie von einer/m Fremden angesprochen werden, während sie in einer Bar sitzen. Dann lasen sie eine Konversation, in der die/der Fremde entweder affiliativen Humor (also positiven Humor) oder aggressiven Humor (also negativen Humor) verwendete. Wie würden Sie eine/n Fremden bewerten, die/der Sie dort sitzen sieht und sagt „Dieser Platz ist reserviert für gutaussehende Menschen ... glauben Sie, Sie dürfen da sitzen?“. Die/der Fremde könnte dies als Scherz meinen – aber welchen Eindruck hinterlässt eine solche Aussage bei Ihnen? Die Teilnehmer/innen bewerteten dann die/den Fremden nach Attraktivität für Langzeit- oder Kurzzeitbeziehungen und beurteilten ihre/seine Kompetenz und Herzlichkeit, was den WissenschaftlerInnen erlaubte, die Reaktionen zu den verschiedenen Humorstilen zu vergleichen.