A funny thing happened on the way to romance: Wie beeinflusst Humor die Initiierung von Liebesbeziehungen?

Dieser Beitrag wurde zunächst in englischer Sprache in der englischsprachigen Ausgabe (10/2013, Issue: 18) des In-Mind Magazins veröffentlicht.
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Ist der lustige Anmachspruch eine gute Idee oder verringert er die Erfolgschancen? Welche Rolle Humor bei der Partnersuche spielt, ist eine faszinierende Frage, die immer mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit bekommt. Der nachfolgende Artikel wirft einen Blick darauf, wann und warum Humor bei der Initiierung einer romantischen Beziehung von Nutzen sein könnte und erklärt, wie sich die Art des Humors auf den Erfolg im Umwerben einer potentiellen bzw. eines potentiellen Liebespartners auswirkt.

Wenn Sie einmal eine Liste mit allen attraktiven Eigenschaften erstellen, die ein/e potentielle/r Liebespartner/in mitbringen sollte, sind die Chancen gut, dass „Sinn für Humor“ weit oben steht. Jemand, der Sie zum Lachen bringt, einen guten Witz erzählt oder sich über Ihre lustigen Bemerkungen amüsiert… diese Eigenschaften scheinen allgemeine Anziehungskraft auf uns zu haben. In der Tat wird ein ausgeprägter Sinn für Humor als höchst attraktiv wahrgenommen (Lippa, 2007) und als Nummer Eins der effektivsten Taktiken aufgelistet, um das andere Geschlecht für sich zu gewinnen (Buss, 1988). Mal abgesehen von seiner allgegenwärtigen Attraktivität, haben Sie sich jemals gefragt, warum Menschen Humor so anziehend finden? Und wie kommunizieren Menschen ihren Humor am effektivsten im verwirrenden, schnelllebigen Dating-Dschungel? Basierend auf aktueller Forschung versucht der nachfolgende Artikel das Rätsel, welche Rolle Humor bei der Initiierung romantischer Beziehungen spielt, zu entschlüsseln.

Auf den ersten Blick erscheint Humor eher als ein oberflächlicher Teil des ersten Gesprächs. Scherze oder witzige Neckereien enthalten in der Regel kaum persönliche Informationen und beziehen sich, wenn überhaupt, meist nur am Rande auf das besprochene Thema. Dennoch wird Humor beständig als wichtige Eigenschaft einer/s potenziellen Liebespartners/in identifiziert. Und das nicht nur in den USA (Sprecher & Regan, 2002), sondern auch in Kulturen auf der ganzen Welt (Hatfield & Sprecher, 1995; Lippa, 2007). Studien im Labor spiegelten die berichteten Vorlieben der Teilnehmer/innen wider und zeigten, dass Menschen unter der Annahme eines hypothetischen Dates humorvolle Kandidat/innen den weniger humorvollen vorziehen (McGee & Shevlin, 2009). Besonders überzeugend sind Belege aus experimentellen Feldstudien, zum Beispiel, dass Frauen eher bereit sind solchen Männer ihre Telefonnummer zu geben, die lustige Witze erzählen, als denen, die dies nicht tun (Guéguen, 2010). Dennoch ist uns allen klar, dass Humor manchmal nicht gut ankommt und aus dem perfekten Moment leicht eine unangenehme Situation werden kann. Wissenschaftliche Belege bestätigen: Humor kann manchmal durchaus als ineffektive und unangemessene Flirtstrategie aufgefasst werden (Weber, Goodboy, & Cayanus, 2010).

Also, was stimmt? Hilft oder schadet Humor der Beziehungsinitiierung?

Um einer Flirtkatastrophe zu entgehen und unser Verständnis von sozialer Dynamik zu verbessern, können wir einen genaueren Blick auf die Rolle von Humor in romantischer Anziehungskraft werfen und nicht nur aufdecken, wann, sondern auch warum Humor Liebesbeziehungen verbessert.

Humor aus der Sicht sexuell-selektiver Auswahl

Einige Evolutionstheoretiker/innen vermuten, dass Humor sich möglicherweise speziell entwickelt hat, um den Erfolg von Dating-Entscheidungen, oder evolutionär ausgedrückt, Paarungsentscheidungen zu unterstützen. Der Perspektive liegt zugrunde, dass Humor eine rätselhafte menschliche Charakteristik ist. Lustig zu sein unterscheidet sich grundlegend von Eigenschaften wie sozialer Dominanz, Reichtum oder körperlicher Attraktivität – Präferenzen, die durch ihren direkten evolutionären Nutzen erklärt werden können (Buss & Schmitt, 1993; Sadalla, Kenrick, & Vershure, 1987). Ein sozial dominanter, wohlhabender Mann bietet Ressourcen für seine Familie und stellt so ihr und sein eigenes Überleben sicher. Gleichermaßen signalisiert körperliche Attraktivität einer Frau Gesundheit und Fruchtbarkeit, was eine erfolgreiche Fortpflanzung begünstigt. Humor übt jedoch keinen direkten Einfluss auf das Überleben aus. Um es mit diesem Rätsel aufzunehmen, erkundeten Forscher/innen die Wahrnehmung von Humor weiter und versuchten herauszufinden, was Humor uns über soziale Interaktionen offenbaren könnte.

Hard-To-Fake Humor

Denken Sie für einen Moment an Ihren witzigsten Freund oder Ihre witzigste Freundin. Könnten Sie problemlos seine oder ihre geistreiche Schlagfertigkeit oder urkomischen Geschichten imitieren? Wahrscheinlich nicht. Humor ist meistens unglaublich schwer nachzuahmen, eine Eigenschaft, die vermuten lässt, dass es sich dabei um ein zuverlässiges Zeichen von zugrunde liegender Fitness handelt (Miller 2000a; 2000b). Mit Fitness Mit Fitness meinen WissenschaftlerInnen die Qualität der vererbbaren Merkmale des Individuums, einschließlich Gene und körperliche und psychische Gesundheit. Bild: ozkay via pixabay (https://pixabay.com/de/hanteln-ausbildung-silber-sport-1474420/, CC: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de)Mit Fitness meinen WissenschaftlerInnen die Qualität der vererbbaren Merkmale des Individuums, einschließlich Gene und körperliche und psychische Gesundheit. Bild: ozkay via pixabay (https://pixabay.com/de/hanteln-ausbildung-silber-sport-1474420/, CC: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de)meinen Wissenschaftler/innen die Qualität der vererbbaren Merkmale des Individuums, einschließlich Gene und körperliche und psychische Gesundheit (Andersson, 1994). Menschen versuchen Partner/innen mit maximaler Fitness zu wählen, sodass sie (und alle Nachkommen) von den erstklassigen, genetischen Qualitäten der/des ausgewählten Partners/in profitieren können.

Um Fitness verlässlich zu signalisieren, muss Humor schwer imitierbar sein. Im Gegensatz zu auswendig gelernten Witzen zeichnet sich der schwer nachahmbare Humor durch Kreativität, Spontaneität und ein ausgeprägtes Bewusstsein für soziales Timing und zwischenmenschliche Dynamik aus. Humor, der nur ansatzweise aufblitzt, hat weniger beeindruckende Effekte. Unqualifizierte Gesprächseröffnungsstrategien, die wie auswendig gelernte Witze klingen, sind schlechter für den Konversationsfluss als spontane Schlagfertigkeit (Bale, Morrison, & Caryl, 2006). Widersprüchliche Belege lassen vermuten, dass selbst intellektuell zur Schau stellender Humor (z.B. „Geburtstagskuchen ist das einzige Nahrungsmittel, auf das man pusten und spucken kann und bei dem sich trotzdem jeder beeilt, ein Stück davon abzubekommen.“, Seite 32) romantisches Interesse hervorrufen kann, obwohl diese Form von Humor eher keine positiven menschliche Qualitäten impliziert (Bressler & Balshine, 2006). Dieser Befund sollte jedoch mit Vorsicht interpretiert werden, da die Studie nicht zwischen kürzeren und längerfristigen Liebesverhältnissen unterschieden hat. Wird Beziehungslänge als Unterscheidungsfaktor mit einbezogen, zeigt sich, dass oberflächliche Anmachsprüche nur bei kurzzeitigen Affären, aber nicht bei längerfristigen Beziehungen tolerierbar sind (Senko & Fyffe, 2010). Bei Langzeitbeziehungen überbietet qualitativ hochwertiger Humor (von der spontanen und schwer nachzuahmenden Sorte) den naiven Humor, vermutlich weil ersterer auf zugrundeliegende Intelligenz hinweist (Miller, 2000a; 2000b).

Humor als Hinweis auf Intelligenz

Sowohl Männer als auch Frauen wünschen sich intelligente Partner/innen (Lippa, 2007) und Intelligenz birgt Vorteile für den Erwerb von Ressourcen, soziale Interaktionen, Gene, Kindererziehung und gemeinsame Elternschaft (Lippa, 2007; Miller, 2000a; 2000b). Diese Auswirkungen sichern das Überleben, was die Attraktivität von Intelligenz aus einer evolutionären Perspektive erklärt. Wenn Humor zuverlässig Intelligenz signalisieren kann, dann könnte während der Initiierung einer Liebesbeziehung Humor an sich attraktiv sein. Dies passt gut in die sexuelle Selektionstheorie (Miller 2000a , 2000b): Im Laufe der Zeit hat sich Humor, der Intelligenz kommuniziert, möglicherweise als vorteilhaft in der Fortpflanzung erwiesen – wodurch Humor sich als Balzverhalten in der heutigen Partnersuche etabliert haben könnte. Wissenschaftliche Befunde, die Humor mit Intelligenz in direkten Zusammenhang bringen, unterstützen die Evolutionshypothese, die vermutet, dass Humor sich entwickelt hat um Fitness zu kennzeichnen. Humor korreliert mit Intelligenz in zahlreichen Kulturen (Weisfeld et al., 2011) und Zwillingsstudien deuten auf eine gemeinsame genetische Basis für Humorstil und emotionale Intelligenz (Vernon et al., 2009). Menschen, die lustigere Bilder malen und lustigere Geschichten erzählen können, sind eher intelligent (Howrigan & MacDonald, 2008) und abstraktes Denkvermögen und verbale Intelligenz sagt vorher, wie schnell Menschen lustige Überschriften für Cartoons finden (Greengross & Miller, 2011). Interessanterweise korrespondiert die Fähigkeit, Humor zu erzeugen, mit der (berichteten) Anzahl an Kurzzeit-Liebespartner/innen (Greengross & Miller, 2011). Anders ausgedrückt, solche die ihren Intellekt mit Humor vermitteln können, haben mehr sexuelle Liebesverhältnisse, vermutlich weil ihr Humor sie attraktiver erscheinen lässt.