Soziale Medien prägen offline Gesundheitsverhalten: Posts mit Alkohol beeinflussen, ob und wie viel junge Erwachsene trinken

Ein Experiment zeigt: Je mehr Beiträge zu Alkohol in sozialen Medien gesehen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass junge Erwachsene tatsächlich trinken, und desto größer ist auch die Menge des konsumierten Alkohols.

drinks groupDie Gesundheitspsychologie hat soziale Medien als soziale Umwelt, die Verhalten formen kann, lange vernachlässigt. Dabei kann diese digitale „Parallelwelt“ direkten Einfluss auf  Einstellungen, Gedanken und Verhalten in der Offline-Welt haben. Das gilt für gesundheitsförderliche Verhaltensweisen, wie wir in unserer Forschung zeigen, aber vor allem auch für gesundheitsschädliches Verhalten wie den Konsum von Alkohol: Erste Studien zeigten zumindest einen Zusammenhang zwischen Posts in sozialen Medien und Verhalten. Beispielsweise trinken solche Jugendlichen mehr, die Bilder, in denen Alkohol eine Rolle spielt (z. B. Bilder von Partys und Freunden, allein oder in Gruppen, mit alkoholischem Getränk) in sozialen Medien anschauen und teilen (Curtis et al., 2018). Aber sind die Posts auch die Ursache - oder weisen Menschen, die viel Alkohol trinken, einfach gleichzeitig eine höhere Aktivität in sozialen Medien auf? 

Ein aktuelles Experiment untersuchte den Einfluss der Menge der gesehenen alkoholbezogenen Bilder auf das Trinkverhalten von jungen Erwachsenen (17 bis 30 Jahre; Hendriks et al., 2021). Diese wurden in Gruppen von mindestens vier Personen eingeteilt, die ihre persönlichen Facebook-Beiträge über 6 Wochen hinweg miteinander teilten. Hierfür wurden ihre geposteten Facebook-Beiträge automatisch ausgelesen und in eine eigens hierfür erstellte Handy- App eingespielt, die alle Teilnehmenden installiert hatten. Zusätzlich zur Nutzung der App gaben sie täglich an, ob und wie viel Alkohol sie am Tag zuvor getrunken hatten.

Das Ergebnis: Sowohl die Wahrscheinlichkeit, am nächsten Tag Alkohol zu trinken, als auch die Menge des konsumierten Alkohols nahmen mit der Anzahl der tags zuvor gesehenen Alkoholposts zu. Interessanterweise gab es diesen Zusammenhang nicht mehr, als die Forschenden in einer zweiten Phase künstlich erzeugte alkoholbezogene Beiträge zusätzlich in die App einfügten. Um die Schlussfolgerung hinsichtlich der Wirkrichtung weiter abzusichern, sollten zukünftige Studien den Effekt von alkoholbezogenen Beiträgen auf das Trinkverhalten mit anderen Beitragsarten, beispielsweise Bildern von alkoholfreien Getränken, vergleichen.

Die Studie unterstreicht, dass digitale soziale Medien ein Teil der „echten“ sozialen Umwelt junger Erwachsener sind, die damit auch einen beachtenswerten Einfluss auf den Alkoholkonsum haben kann. Inwieweit diese Befunde auf andere Gesundheitsverhaltensweisen übertragen werden können, um beispielsweise einen gesunden Lebensstil zu unterstützen, sind interessante Fragen für zukünftige Forschung.

 

Quellen:

Curtis, B. L., Lookatch, S. J., Ramo, D. E., McKay, J. R., Feinn, R. S., & Kranzler, H. R. (2018). Meta‐analysis of the association of alcohol‐related social media use with alcohol consumption and alcohol‐related problems in adolescents and young adults. Alcoholism: Clinical and Experimental Research, 42(6), 978-986.

Hendriks, H., de Nooy, W., Gebhardt, W. A., & van den Putte, B. (2021). Causal effects of alcohol-related Facebook posts on drinking behavior: longitudinal experimental study. Journal of Medical Internet Research, 23(11), e28237.

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