Editorial zur Themenausgabe: „Medienpsychologie Teil 2: Medien, Nachrichten und wir“

Haben Sie heute schon die Nachrichten gelesen oder gehört? Eventuell auch bei Facebook geschaut, was es Neues gibt, oder sogar selbst etwas ins Netz gestellt? Medien sind so alltäglich geworden, dass sie kaum noch wegzudenken sind. Gerade auch für die jüngeren Generationen sind Medien (insbesondere Smartphones) mittlerweile zu so einem elementaren Bestandteil des Lebens geworden, dass sie Entzugserscheinungen zeigen, wenn sie sie nicht nutzen können (https://withoutmedia.wordpress.com/).

Die Medienpsychologie befasst sich unter anderem mit genau diesem Teil des Lebens – den Effekten, die Medien und/oder ihre Inhalte auf den Menschen haben und wie Menschen sich Medien und deren Inhalte aussuchen bzw. damit umgehen. Um Ihnen einen Einblick in verschiedene Bereiche der Medienpsychologie zu geben, haben wir insgesamt 15 Artikel in zwei Sonderausgaben zusammengefasst. Unsere erste Sonderausgabe „Chancen und Herausforderungen der Mediennutzung im Bereich Lernen und Gesundheit“ widmete sich speziell den Fragen, inwiefern Medien das psychische und physische Wohlbefinden beeinflussen können und welche Potenziale Medien beinhalten, um Lernprozesse zu unterstützen. In dieser zweiten Ausgabe zum Thema „Medien, Nachrichten und wir“ ist das Schwerpunktthema Nachrichten. Hierbei geht es um die „klassischen“ Nachrichten aus Fernsehen und Zeitungen, aber auch um „Nachrichten von uns“, wie sie immer häufiger in Kommentaren von sozialen Netzwerken, persönlichen Blogs etc. vorzufinden sind. Dabei behandeln wir insbesondere das Thema, wie diese Informationen unser Bild von der Welt, den anderen und uns selbst beeinflussen. Gleichzeitig schwingt aber immer auch die Frage mit, wie technische Neuerungen unser Leben prägen und verändern. Hierzu zählt nicht nur die virtuelle Kommunikation, sondern beispielsweise auch der Umgang mit Robotern.

Erst kürzlich – zum Russland-Ukraine-Konflikt – wurde heiß über die Verantwortung der Medien bei der Darstellung von Konflikten diskutiert (z. B. http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-streit-um-ukraine-berichterstattung-a-993304.html). Vorgeworfen wurde der ARD eine einseitige Berichterstattung – und zwar vor allem von ihren ZuschauerInnen. Dieser Fall ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert und beispielhaft für unsere Zeit: Einerseits macht er deutlich, wie angewiesen wir darauf sind, dass Medien uns ein – möglichst unverzerrtes Bild – von der Welt vermitteln. Schließlich haben wir zwar noch nie zuvor die Möglichkeit gehabt, so schnell so viel über die Welt zu erfahren wie heutzutage, aber der überwiegende Großteil dessen, was wir erfahren, wird vermittelt über Medien, welche ihrerseits auswählen, welche Informationen dargestellt werden, Schwerpunkte setzen und auch Bewertungen vornehmen. Inwiefern beeinflusst das unser Bild von der Welt? Über ferne Katastrophen beispielsweise? Oder den Rechtsextremismus in Deutschland? Andererseits macht dieser Fall deutlich, wie sehr sich die Medienlandschaft verändert hat: Während Massenmedien früher immer einseitig waren (das Publikum wurde „beschallt“), haben NutzerInnen heutzutage in nie da gewesener Form die Möglichkeit, nicht nur zu konsumieren, sondern sich selbst zu äußern – und dabei zum Beispiel Medieninhalte zu kommentieren, zu ergänzen, zu kritisieren und auch selbst zu berichten – auch über weniger weltbewegende Dinge (z. B. in sozialen Netzwerken). Wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre anschaut, so wird deutlich, dass es wohl kaum dabei bleiben wird, sondern sich die Medienlandschaft weiterhin rasant entwickeln wird. Was sind die nächsten Veränderungen, die unser Leben prägen werden? Werden Medieninhalte immer mehr personalisiert? Welche Formen von technischen Entwicklungen sind zu erwarten? Roboter gehören sicherlich dazu. Hier eine kurze Vorstellung von dem, was Sie in dieser Sonderausgabe erwartet:

Der erste Artikel dieser Sonderausgabe von Johannes von Engelhardt beschäftigt sich mit der Darstellung humanitärer Katastrophen in den Medien. Kein Tag vergeht, an dem nicht über Kriege, Terrorakte, Flüchtlingsdramen oder auch Naturkatastrophen berichtet wird. So vermitteln uns die Medien ein Bild des Elends, das wir sonst selbst kaum zu Gesicht bekommen würden.

Aber was für ein Bild vermitteln sie uns? Was vermitteln sie nicht? Und wie prägt das unser Bild von der Welt, unser Mitleid und unsere Hilfsbereitschaft (z. B. zu spenden)?

Der Frage, wie Medien unser Bild prägen, gehen im zweiten Beitrag auch Antje Kießler und Lena Frischlich nach – hier im Hinblick auf die Frage, wie Rechtsextremismus und Zuwanderung dargestellt werden. Dieses Thema hat seit der Entdeckung des NSU in Deutschland, den „PEGIDA“-Demonstrationen, sowie den zunehmenden Flüchtlingszahlen und damit verbundenen Vorfällen (z. B. in Tröglitz) enorm an Aktualität gewonnen. Wie wird darüber berichtet? Und wie prägt dies unser Bild von Rechtsextremismus in Deutschland?

Aber nicht nur wir als Erwachsene „konsumieren“ Nachrichten aus dem In- und Ausland. Mittlerweile gibt es mehr und mehr Angebote auch für Kinder (z. B. die Kindernachrichten „Logo“ im ZDF). Doch wie bereitet man die oben genannten Themen (Katastrophen, Rechtsextremismus) kindgerecht auf? Interessieren sich Kinder überhaupt dafür? Und was sollten Kinder im Umgang mit Medien lernen? Der Beitrag von Petra Sandhagen gibt Antworten auf diese Fragen.

Auch unterhaltsame Angebote können informativ sein. Der Beitrag von Andreas Baranowski und Heiko Hecht beschäftigt sich mit dem so genannten „CSI-Effekt“. Hierbei geht es um die Frage, ob sich Krimiserien auf unser Verhalten auswirken. Könnte der „Tatort“ VerbrecherInnen helfen, nicht gefasst zu werden, weil sie durch die Serie wissen, worauf es bei den Ermittlungen ankommt? Und könnten Geschworene durch Krimiserien unrealistische Erwartungen an die Ermittlungen und Beweise ausbilden, sodass sie Angeklagte freisprechen, wenn keine DNA-Beweise oder Ähnliches vorliegen? Der Beitrag beantwortet diese und weitere Fragen.

Mit dem Aufkommen von Web 2.0 Technologien sind wir jedoch nicht mehr nur noch NutzerInnen und KonsumentInnen von Medienangeboten, sondern können auch selbst aktiv Inhalte produzieren. So haben LeserInnen beispielsweise häufig die Möglichkeit, Beiträge im Netz zu bewerten („liken“) oder auch online zu kommentieren. Dass dies nicht nur eine Möglichkeit ist, seine Meinung zu äußern, sondern auch, die der anderen LeserInnen zu beeinflussen, zeigt der Artikel „Journalismus 2.0 – Wie die Kommentare und sozialen Informationen ‚der Anderen’ unsere Wahrnehmung von Online-Nachrichten beeinflussen“ von Christian von Sikorski.

Noch mehr Platz für die eigene Meinung oder aber die Darstellung des eigenen Lebens bieten soziale Netzwerke wie Facebook. Constanze Schreiner und Silvana Weber setzen sich in ihrem Beitrag „Wer bin ich? Wie sich Facebook und Co. auf unsere Selbstwahrnehmung auswirken“ damit auseinander, wie sich Menschen in sozialen Netzwerken präsentieren. Was meinen Sie: Stellen sich Menschen dort viel besser dar, als sie tatsächlich sind? Lesen Sie selbst!

Und nicht zuletzt widmet sich diese Sonderausgabe mit dem Artikel von Martina Mara und Markus Appel einem Thema, welches in Zukunft vermutlich noch alltäglicher werden wird: Roboter. Schließlich werden Roboter zunehmend zur Unterstützung (z. B. in der Pflege) eingesetzt. Was diese Roboter genau leisten können, ist dabei nicht die einzig wichtige Frage, wenn es um Akzeptanz geht. Wie sie aussehen, spielt ebenfalls eine große Rolle, denn manche Roboter können ganz schön gruselig wirken – vor allem, wenn sie uns ähnlich sind.

 

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