Lernen aus Fehlern: Die Bedeutung des Fehlerklimas in der Klasse
Fehler sind mehr als nur Irrtümer – sie bieten wertvolle Lerngelegenheiten. Doch wie Schülerinnen und Schüler mit Fehlern umgehen, verändert sich im Laufe der Zeit. Eine neue Studie zeigt, dass das Fehlerklima in der Klasse für diese Veränderung eine wichtige Rolle spielt. In einem unterstützenden Umfeld bleiben Schülerinnen und Schüler eher offen für das Lernen aus Fehlern. Doch wie kann eine konstruktive Fehlerkultur gefördert werden?
Fehler zu machen gehört zum Lernen dazu, und ihre Analyse kann den Lernprozess entscheidend voranbringen (Metcalfe, 2017). Eine aktuelle Studie von Dresel et al. (2025) untersucht nun, wie sich der Umgang mit Fehlern im Laufe der Schulzeit verändert und welche Bedeutung dabei das Fehlerklima in der Klasse hat.
Die Forschenden begleiteten 1.641 Schülerinnen und Schüler aus 69 Mathematikklassen über zwei Jahre lang und untersuchten, wie sich ihre Reaktionen auf Fehler entwickelten. Im Verlauf der zwei Schuljahre verschlechterte sich der Umgang mit Fehlern. Zum Beispiel gaben zunehmend weniger Schülerinnen und Schüler an, nach einem Fehler zu versuchen, herauszubekommen, wie sich dieser vermeiden lässt. Das Fehlerklima machte dabei aber einen wichtigen Unterschied: In Klassen, in denen die Schülerinnen und Schüler Fehler eher als Lerngelegenheiten betrachteten, gingen die positiven Fehlerreaktionen nicht so stark zurück. Besonders bemerkenswert: Entscheidend ist nicht nur, wie einzelne Schülerinnen und Schüler das Fehlerklima persönlich empfinden, sondern wie es von der gesamten Klasse gemeinsam wahrgenommen wird. Der Effekt zeigt sich damit nicht nur auf individueller Ebene, sondern als echter Kontexteffekt – das geteilte Erleben des Fehlerklimas innerhalb der Klasse macht den Unterschied.
Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass Lehrkräfte durch eine positive Fehlerkultur dazu beitragen können, dass Schülerinnen und Schüler auch langfristig offen für das Lernen aus Fehlern bleiben. Eine konstruktive Fehlerkultur entsteht, wenn Fehler offen und reflektiert besprochen werden, Lehrkräfte unterstützendes Feedback geben und Fehler nicht als Makel oder Versagen betrachtet werden. Zudem hilft es, eine Unterrichtsatmosphäre zu schaffen, in der Fehlermachen als natürlicher Teil des Lernprozesses gilt. Nach einem Fehler mit Neugier den fehlerhaften Lösungsprozess zu untersuchen, kann helfen, die Lerngelegenheiten, die in Fehlern stecken, besser zu mutzen.
Indem Lehrkräfte gezielt eine unterstützende Fehlerkultur etablieren, können sie nicht nur die Lernmotivation ihrer Schülerinnen und Schüler positiv beeinflussen, sondern auch Frustration abbauen und eine gesunde Haltung gegenüber Herausforderungen fördern.
Literaturverzeichnis
Dresel, M., Daumiller, M., Spear, J., Janke, S., Dickhäuser, O., & Steuer, G. (2024). Learning from errors in mathematics classrooms: Development over two years in dependence on perceived error climate. British Journal of Educational Psychology, 95(1), 180–196. https://doi.org/10.1111/bjep.12697
Metcalfe, J. (2017). Learning from errors. Annual Review of Psychology, 68(1), 465–489. https://doi.org/10.1146/annurev-psych-010416-044022
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