Single im jungen Erwachsenenalter: Was das Ausbleiben einer Paarbeziehung mit dem Wohlbefinden macht

Immer mehr junge Erwachsene verzögern den Eintritt in die erste Paarbeziehung oder bleiben längerfristig Single. Doch was zeichnet diese Personen aus? Und hat das Ausbleiben einer Beziehung Konsequenzen für ihr Wohlbefinden?

Singles gelten häufig als einsam, unglücklich und sehnsuchtsvoll auf der Suche nach der großen Liebe. Gleichzeitig verschieben immer mehr junge Erwachsene den Eintritt in feste Paarbeziehungen, investieren stattdessen in Ausbildung, Karriere und Freundschaften und bleiben bewusst oder unbewusst länger Single (Tillman et al., 2019). Aber was bedeutet das für ihr Wohlbefinden?

Krämer et al. (2026) sind dieser Frage mit Daten aus drei repräsentativen Längsschnittstudien aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich nachgegangen. Über 17.000 junge Erwachsene im Alter von 16 bis 29 Jahren, die zu Beginn noch nie in einer Paarbeziehung gewesen waren, wurden über mehrere Jahre hinweg zu ihrem Beziehungsstatus, ihrer Lebenssituation und ihrem Wohlbefinden befragt. Letzteres wurde anhand von drei Aspekten erfasst: der Lebenszufriedenheit als allgemeine Bewertung des eigenen Lebens, dem Gefühl von Einsamkeit als subjektiv erlebte soziale Isolation sowie depressiven Symptomen wie Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit.

Wer bleibt eigentlich Single?

Dabei zeigte sich, dass bestimmte Personen eine höhere Wahrscheinlichkeit hatten, langfristig Single zu bleiben, als andere. Dazu zählten Männer, Personen mit geringerem Wohlbefinden oder höherer Bildung sowie Personen, die allein oder noch bei den Eltern wohnen. Die Forscher:innen bieten einige mögliche Erklärungen an. So könnte beispielsweise die Tatsache, dass Frauen im Schnitt eher ältere Partner wählen, erklären, warum jüngere Männer seltener als potenzielle Partner in Frage kommen. Ein geringeres Wohlbefinden könnte dazu führen, dass Personen für potenzielle Partner:innen weniger zugänglich oder attraktiv wirken. Höhere Bildung geht oft mit langen Ausbildungszeiten einher, und wer viel in Karriere investiert, hat möglicherweise schlicht weniger Zeit und Energie für die Partnersuche. Alleinlebende sind möglicherweise unabhängiger, aber auch weniger sozial eingebunden. Und wer noch bei den Eltern wohnt, bringt möglicherweise noch nicht die finanziellen oder persönlichen Voraussetzungen für eine Paarbeziehung mit.

Hat das Singleleben Konsequenzen für das Wohlbefinden?

Junge Erwachsene, die langfristig Single blieben, berichteten über die Zeit eine stärker sinkende Lebenszufriedenheit und ein zunehmendes Gefühl von Einsamkeit. Besonders interessant ist dabei, wann diese Unterschiede sichtbar wurden. So unterschieden sich die Singles im Jugendalter noch kaum von frisch Verpartnerten, doch mit zunehmendem Alter, besonders in den späten 20ern, wurden die Unterschiede deutlicher. Warum gerade dann? In dieser Lebensphase rücken Paarbeziehungen und damit verbundene Schritte wie Zusammenziehen oder Familiengründung gesellschaftlich stärker in den Vordergrund. Für viele junge Erwachsene zählt eine stabile Partnerschaft zu den zentralen Lebenszielen (Buchinger et al., 2022) und wer dieses Ziel (noch) nicht erreicht, könnte sich zunehmend unter Druck gesetzt fühlen. Depressive Symptome unterschieden sich zwischen Singles und Verpartnerten kaum, was darauf hindeutet, dass weniger die emotionale Verfassung, sondern eher die kognitive Bewertung des eigenen Lebens sowie soziale Aspekte des Wohlbefindens betroffen sind. So kann sich beispielsweise eine Singleperson im Alltag zwar emotional gut fühlen, gleichzeitig jedoch ihr Leben als weniger erfüllend bewerten und sich einsamer fühlen als eine verpartnerte Person.

Kein Grund zur Panik

Das längerfristige Singleleben im jungen Erwachsenenalter scheint also durchaus mit gewissen Risiken für das Wohlbefinden verbunden zu sein – zumindest für Personen, die noch nie eine Paarbeziehung hatten. Gleichzeitig ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei um durchschnittliche Werte handelt und individuelle Verläufe stark davon abweichen können. Ob jemand freiwillig oder unfreiwillig Single ist, aktiv datet, wie sozial eingebunden eine Person ist oder welche persönlichen Lebensziele verfolgt werden, dürfte eine entscheidende Rolle dafür spielen, wie das Singleleben tatsächlich erlebt wird. Auch ohne feste Paarbeziehung können Personen ein hohes Wohlbefinden erreichen, während umgekehrt eine Paarbeziehung keineswegs automatisch glücklich macht.

Was lässt sich also aus den Befunden mitnehmen? Sicherlich nicht, dass alle jungen Erwachsenen ohne Beziehungserfahrung nun schnellstmöglich eine Partnerschaft eingehen sollten. Denn letztlich kann jeder Mensch ein erfülltes und glückliches Leben führen, ob mit oder ohne Paarbeziehung. Entscheidend ist vielmehr, unterschiedliche Lebensentwürfe anzuerkennen und junge Erwachsene darin zu unterstützen, ihren jeweils eigenen Weg zu gehen.

Literaturverzeichnis

Buchinger, L., Richter, D., & Heckhausen, J. (2022). The development of life goals across the adult life span. The Journals of Gerontology: Series B, 77(5), 905–915. https://doi.org/10.1093/geronb/gbab154 

Krämer, M. D., Stern, J., Buchinger, L., MacDonald, G., & Bleidorn, W. (2026). Life satisfaction, loneliness, and depressivity in consistently single young adults in Germany and the United Kingdom. Journal of Personality and Social Psychology. Advance online publication. https://doi.org/10.1037/pspp0000595

Tillman, K. H., Brewster, K. L., & Holway, G. V. (2019). Sexual and romantic relationships in young adulthood. Annual Review of Sociology, 45, 133–153. https://doi.org/10.1146/annurev-soc-073018-022625

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