Intergruppen-Kontakttheorie: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Wright, S. C., Aron, A., McLaughlin-Volpe, T. & Ropp, S. A. (1997). The extended contact effect: Knowledge of cross-group friendships and prejudice. Journal of Personality and Social Psychology, 73, 73-90.

Yuker, H. E. & Hurley, M. K. (1987). Contact with and attitudes toward persons with disabilities: The measurement of intergroup contact. Rehabilitation Psychology, 32, 145-154.

 

Von den Herausgebern/innen

Everett (2013) gibt einen exzellenten Überblick über die Forschung der Intergruppen-Kontakttheorie und darüber, wie Psychologen/innen die Theorie angewandt haben, um Vorurteile und Konflikte zu verstehen. Wie der Artikel bemerkt, ist Freundschaft zwischen Mitgliedern verschiedener Gruppen eine Form des Kontakts, die dabei hilft, Konflikte zwischen Gruppen aufzulösen. Freundschaften sind aufgrund der sogenannten „Selbsterweiterung“ nützlich. Darunter versteht man einen grundlegenden motivationalen Prozess, der Menschen dazu antreibt, zu wachsen und neue Dinge in das eigene Leben zu integrieren (Aron, Norman & Aron, 1998). Wenn ein Mensch etwas lernt oder zum ersten Mal erlebt, wächst buchstäblich sein Geist. Wenn Freundschaften sehr innig sind, schließen Menschen Aspekte ihrer Freunde/innen ins eigene Selbstkonzept mit ein (Aron, Aron, Tudor & Nelson, 1991).

Wenn Scott (ein Amerikaner) beispielsweise Freundschaft mit Dan (einem Russen) schließt, könnte Scott dahin gelangen, die russische Kultur wertzuschätzen, einfach aufgrund der Vertrautheit. Durch seine Freundschaft ist sogar das Wort „Russe“ nun ein Teil des eigenen Selbstkonzepts von Scott. Scott wird auch mehr positive Gefühle und Einstellungen gegenüber Russen als Gruppe haben. Derselbe Vorgang vollzieht sich für alle Arten von anderen Gruppen, die sich auf die ethnische Zugehörigkeit, Religion, sexuelle Orientierung usw. gründen.

Es ist wichtig zu betonen, dass Selbsterweiterung und Vertrautheit durch Freundschaft nicht wie Zauber funktionieren. Psychologen/innen können nicht einmal mit der Hand wedeln und sie herbeizaubern. Auch funktioniert es nicht durch oberflächlichen Smalltalk (z. B. „Was halten Sie von dem verrückten Wetter?“). Vertrautheit entwickelt sich durch tiefe Kommunikation: ausdauernde, beiderseitige, sich ausweitende Unterhaltungen, in denen zwei Freunde/innen sich auf bedeutungsvolle Art und Weise gegenseitig kennenlernen. Eine Person christlichen Glaubens könnte sagen, „Ich habe eine jüdische Kollegin“, während sie über eine oberflächliche Bekanntschaft redet, eine weiße Person könnte sagen, „Ich spende Geld an eine Organisation, die hungernden Menschen in Afrika hilft“, oder eine heterosexuelle Person könnte sagen, „Ich unterstütze gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Ehen, weil ich jemanden kenne, der homosexuell ist“. All dies ist gut, aber es ist nicht so wirksam hinsichtlich der Reduzierung von Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen wie wahre Freundschaft mit jemandem aus diesen anderen Gruppen. Oberflächlicher Kontakt hat geringe Auswirkungen auf Rassismus, Antisemitismus oder Homophobie. Eine neuere Meta-Analyse (Davies, Tropp, Aron, Pettigrew & Wright, 2011) hat gezeigt, dass viel verbrachte Zeit mit Freunden/innen aus anderen Gruppen und häufige eingehende Kommunikation mit diesen Freunden/innen die zwei stärksten Prädiktoren für den Wandel hin zu positiven Einstellungen und Reduzierung von Vorurteilen sind

Bei In-Mind arbeiten wir in einem internationalen Team und wir halten dies für eine Bereicherung. Was meinen Sie? Haben Sie Freundschaften oder sogar Arbeitsbeziehungen über soziale Gruppen hinweg geschlossen? Hat dies dazu geführt, dass Sie offenere oder positivere Einstellungen haben? Oder haben Sie andere Erfahrungen gemacht?

 

Aron, A., Aron, E. N., Tudor, M. & Nelson, G. (1991). Close relationships as including other in the self. Journal of Personality and Social Psychology, 60, 241-253.

Aron, A., Norman, C. C. & Aron, E. N. (1998). The self-expansion model and motivation. Representative Research in Social Psychology, 22, 1-13.

Davies, K., Tropp, L. R., Aron, A., Pettigrew, T. F. & Wright, S. C. (2011). Cross-group friendships and intergroup attitudes: A meta-analytic review. Personality and Social Psychology Review, 15, 332-351.

 

Dylan Selterman

Mitherausgeber der englischsprachigen Ausgabe des In-Mind Magazins

 

Artikelautor(en)

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