Auf das Mindset kommt es an: Wie unsere Einstellungen über Armut unsere Hilfsbereitschaft beeinflussen.

Ein aktueller Artikel zeigt, wie unser Mindset über Armut unsere Hilfsbereitschaft sowohl erhöhen als auch reduzieren kann. Dies ist wichtig um zu verstehen, wie im öffentlichen Diskurs über Armut gesprochen werden sollte. So kann die Hilfsbereitschaft wie zum Beispiel die Bereitschaft zu Spenden gesteigert werden.

Es gibt deutliche Unterschiede in unserer Bereitschaft anderen zu helfen. Dies zeigt sich beispielsweise in der Spendenbereitschaft für Hilfsorganisationen. Ein Einflussfaktor ist dabei unser Mindset bezüglich Armut. Hierbei geht es darum, ob wir glauben, dass Armut kontrollierbar und veränderbar ist (ein sogenanntes Growth Mindset über Armut) oder ob wir glauben, dass Armut stabil ist und wenig beeinflusst werden kann (ein sogenanntes Fixed Mindset über Armut; siehe auch Dweck, 2013). 

Informationen über Armut können ein solches Mindset formen. Zum Beispiel beeinflussten Wissenschaftler*innen in einem aktuellen Experiment das Mindset ihrer Versuchspersonen (Graczyk et al., 2024). Dazu erhielten die Versuchspersonen entweder Informationen und Statistiken darüber, dass die meisten Menschen ihren sozialen Status beeinflussen können, oder dass sie diesen nicht beeinflussen können. Das Ziel war es, zu untersuchen, wie das Mindset die Hilfsbereitschaft der Versuchspersonen beeinflusst. 

Die Ergebnisse zeigen, dass ein Growth Mindset einerseits zu einer stärkeren Überzeugung führte, dass Hilfe wirksam sei. Diese erhöhte Wirksamkeitserwartung führte zu mehr Hilfsbereitschaft. Andererseits führte das Growth Mindset auch dazu, dass die Versuchspersonen die hilfsbedürftigen Menschen eher für ihre Armut verantwortlich machten. Diese Überzeugungen reduzierten wiederum die Hilfsbereitschaft. 

In einem weiteren Experiment untersuchten die Autor:innen dann explizit, wie das Mindset mit der Hilfsbereitschaft gegenüber unterschiedlichen Wohltätigkeitsorganisationen zusammenhing (Graczyk et al., 2024). Sie verglichen die Hilfsbereitschaft gegenüber einer Organisation, die direkte Hilfe (wie zum Beispiel Lebensmittel) bereitstellte mit der Hilfsbereitschaft gegenüber einer Organisation, die Hilfe zur Selbsthilfe anbot. Bei Hilfsorganisationen, die direkte Hilfe anboten, gab es keinen Unterschied in der Wirksamkeitserwartung zwischen Versuchspersonen mit Fixed und mit Growth Mindset. Entsprechend hing ein Growth Mindset auch nicht mit einer gesteigerten Spendenbereitschaft gegenüber diesen Organisationen zusammen. 

Hingegen erhöhte ein Growth Mindset die Bereitschaft zur Hilfe, wenn die Organisation Hilfe zur Selbsthilfe anbot. Hier war die Wirksamkeitserwartung zentral: Versuchspersonen, mit einem Growth Mindset glaubten eher, dass die Hilfe wirksam sein würde und dies erhöhte wiederum die Hilfsbereitschaft (Graczyk et al., 2024).

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Wichtigkeit des öffentlichen Diskurses über Armut. Wenn Armut als etwas Veränderliches betrachtet wird, kann dies zu einem Growth Mindset führen. Dies kann zwar dazu führen, dass Menschen, die in Armut leben, selbst für ihre Situation verantwortlich gemacht werden, aber es kann auch die Unterstützung für Organisationen erhöhen, die Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.

Literaturverzeichnis

Dweck, C. S. (2013). Self-theories. Psychology Press. https://doi.org/10.4324/9781315783048

Graczyk, T., Wingen, T., Wingen, S. & Dohle, S. (2024). Do mindsets shape intentions to help those in need? Unravelling the paradoxical effects of mindsets of poverty on helping intentions. European Journal Of Social Psychology, 54(3), 629–642. https://doi.org/10.1002/ejsp.3039

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