Die Psychologie hinter der Bundestagswahl - Ein Rückblick auf den Blogspecial zu Politischer Psychologie

Die Bundestagswahl hat die Menschen in den vergangenen Wochen in ihren Bann gezogen. Dabei wurde viel diskutiert und spekuliert. Wie wir letzte Woche im Blogspecial zu Politischer Psychologie gesehen haben, liefert Psychologische Forschung auf vieles eine interessante Antwort.

Deutschland hat gewählt und mit Angela Merkel und ihrer CDU einen klaren Gewinner. Aber wie ist diese Wahl eigentlich Zustande gekommen? Warum hat gerade die CDU so viele Stimmen für sich gewinnen können? Fakt ist, die CDU konnte die WählerInnen am stärksten davon überzeugen, das Kreuzchen für sie zu setzen. Dabei spielten jene Faktoren eine Rolle, für die sich auch die psychologische Forschung interessiert. Letzte Woche haben wir im Rahmen des Blogspecials zu Politischer Psychologie einiges erfahren, das Hinweise auf das Zustandekommen des Wahlresultat liefern kann:

Bereits während des Wahlkampfes ging es heiß zu und her. Dabei wurden insbesondere die linken Parteien von immer wiederkehrenden Skandalen gebeutelt. Dass solche Skandale innerhalb der eigenen Partei nicht zwangsläufig schlecht sein müssen, hat Georg Felser in seinem Blogbeitrag klargestellt. Schafft es nämlich ein Kandidat oder eine Partei sich von dem Skandal zu distanzieren, dann tritt ein sogenannter Kontrasteffekt auf: Verglichen mit dem Skandal, erscheint dann der Kandidat oder die Partei gar nicht so schlimm zu sein. Die SPD hat dies vermutlich besser als die Grünen geschafft.

Neben den Skandalen prägten natürlich auch die Inhalte der Parteiprogramme den politischen Diskurs. Im Bereich homosexueller Beziehungen ließ Angela Merkel und ihre Partei beispielsweise durchblicken, dass sie nicht gewillt sind homosexuellen Paaren die gleichen Rechte wie heterosexuellen Paaren zu gewährleisten. In der Tat könnte diese Äußerung ein strategisch cleverer Schachzug gewesen sein. Wie Tobias Vogel in seinem Blogbeitrag herausgehoben hatte, freuen sich Bürger und Bürgerinnen nämlich nicht nur wenn sie mehr Rechte für sich selber erhalten, sondern auch wenn kleineren Randgruppen weniger Rechte zugesprochen werden.
Häufig konnten sich CDU und SPD nicht voneinander in ihren politischen Ansichten abgrenzen. Um diesem Eindruck entgegen zu wirken griff die SPD auf ein altbewährtes amerikanisches Prinzip zurück, indem sie mit Plakatwerbungen gezielt die CDU zu denunzieren versuchten. Wie aus dem Blogbeitrag von René Kopietz zu erfahren ist, ist diese Taktik aber äußerst riskant, da negative Aussagen über andere Parteien bei den Wählern meist schlecht ankommen.

Warum sich die Wählerinnen für die eine oder andere Partei entschieden haben hängt nicht nur von den Inhalten der einzelnen Parteiprogramme und dem Wahlkampfgeplänkel ab. Vielmehr scheinen äußerliche Merkmale eine wichtige Rolle zu spielen. In Jens Hellmanns Beitrag haben wir beispielsweise erfahren, dass das Bedürfnis nach Sauberkeit stark mit konservativen Wahlpräferenzen und Einstellungen einhergeht. Zudem haben wir gesehen, dass das Aussehen eines Politikers erheblich dessen Wahlerfolg beeinflusst. So werden gemäß dem Blogbeitrag von Jakub Samochowiec jene PolitikerInnen, die aufgrund ihres Äußeren stärker zu ihrer Partei passen eher gewählt, als jene die nicht so gut zu ihrer Partei passen. Darüber hinaus weist Oliver Genschow in seinem Blogbeitrag darauf hin, dass Menschen bei ihrer Wahl grundsätzlich aufgrund äußerlicher Merkmale entscheiden ob eine Person ein geeigneter oder ungeeigneter Kandidat für die Politik ist. Interessanterweise ist dieses Vorgehen nicht wesentlich verschieden von jenem das kleine Kinder anwenden würden.

Häufig wurde im Wahlkampf die Mobilisierung unentschlossener WählerInnen betont. In der Tat hat diese Bevölkerungsgruppe einen entscheidenden Einfluss auf die Wahl. Medien und Politiker wollen deshalb anhand verschiedener Umfragemethoden herausfinden was die unentschlossenen WählerInnen denn am Tag X wählen werden. Dabei soll gemäß eines Mythos der Einsatz unbewusster und impliziter Messmethoden die Gunst der unentschlossenen Wählerinnen erschließen können. Dass dies eben nicht möglich ist verdanken wir den Erkenntnissen von Malte Frieses Blogbeitrag.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die Bundestagswahl Medien und Bevölkerung in ihren Bann zog. Über die Wirkung und den Einfluss verschiedener politischer Inhalte, diverser Patzer von Kandidaten, Wahlkampfprogramme und strategischer Schachzüge wurde spekuliert und diskutiert. Vieles blieb dabei unklar. Wie wir letzte Woche im Blogspecial zu Politischer Psychologie gesehen haben, liefert psychologische Forschung zumindest auf einige Fragen spannende Antworten.

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