Ich dachte sie findet mich geil! … war dann aber nicht so.

Bild von morgue_file000429532792Bild von clarita via morgue (https://morguefile.com/p/228858), CCO (https://morguefile.com/terms#license)Findet sie mich heiß? Steht er auf mich? Diese Fragen sind für Lebewesen, die sich trotz technischen Fortschritts auch im 21. Jahrhundert immer noch überwiegend via Beischlaf reproduzieren tatsächlich nicht unwesentlich. Und deswegen versuchen Männlein wie Weiblein, diese Fragen zu beantworten, möglichst ohne sie direkt zu stellen.

Könnten wir es uns aussuchen, hätten wir alle unglaublich attraktive PartnerInnen: Schön und schlau, robust und reproduktionsfähig sollen sie sein (Kenrick, Trost, Sadalla & Trost, 1993). Nur leider kriegen wir die besonders tollen Objekte der Begierde meist nicht. Auf dem Heiratsmarkt herrschen knallharte Gesetze und aufgrund unserer eigenen Unzulänglichkeiten müssen wir uns eben mit dem begnügen, was wir kriegen. Und wenn wir nicht jeden potentiellen Partner direkt fragen wollen – „Entschuldigen Sie, finden Sie mich geil?“ - müssen wir unseren Marktwert irgendwie anders erschließen.

Breites Kreuz, breiter Hintern, Abitur aber Absinth bis zum Abwinken, Neu-Köllner Altbau aber neurotisch, dass es kracht – wie hoch ist denn nun bitte schön der Marktwert? Um nicht jedes Mal einen brachialen Korb zu kassieren, erörtern wir unseren Marktwert in der Regel peu à peu. Mit ganz kleinen Schritten, und das immer wieder. Dies tun wir indem wir flirten (Henningsen, 2004). So braucht es nicht gleich den Holzhammer, sondern wir holen uns Feedback zu den kleinen Nettigkeiten, Gesten und non-verbalen Verhaltensweisen, die wir senden. Das spart in der Regel schmerzhafte Erfahrungen, denn ein nicht-erwiderter Blick ist nicht so schmerzhaft wie ein „Wie bitte? Äh, nein. Ich finde Sie mit Sicherheit alles andere als geil!“.

Aber können wir uns auf die subtilen Signale in der Interaktion überhaupt verlassen? Diese Frage wurde mithilfe eines Speed Datings an der Berliner Humboldt Universität untersucht (Place, Todd, Penke & Asendorpf, 2009). Die TeilnehmerInnen durften sich, wie in einem Speed-Dating üblich, mit ihrem Gegenüber austauschen. Anschließend gaben die TeilnehmerInnen jeweils an, ob sie ihr Gegenüber wiedersehen möchten oder eben nicht. Die 3-minütigen Interaktionen der Speed-Daterinnen und Dater wurden außerdem zu Forschungszwecken gefilmt. Eine andere Stichprobe bekam nun kurze Ausschnitte der Filme zu sehen, wobei die Filme immer nur eine Person des Speed-Dates zeigten. Die ProbandInnen sollten nun einschätzen, ob die gezeigte DaterIn oder der gezeigte Dater am Gegenüber interessiert war, dieses also wiedersehen wollte.

Und in der Tat: ProbandInnen wie Probanden waren durchaus in der Lage auf Basis der Filme einzuschätzen, ob sich ein Dater für oder gegen ein Wiedersehen mit der gezeigten Dame entschieden hatte. Wenn Sie also wissen wollen, ob ein Mann auf Sie steht, müssen sie nicht zwangsläufig danach fragen. Das merken Sie auch so. Bei den Daterinnen zeichnete sich jedoch ein anderes Bild. Sollten männliche und weibliche Probanden auf Basis der Videos einschätzen, ob sich eine Daterin im Anschluss an das Date für oder gegen ein Wiedersehen entschieden hatte, taten sie dies kaum besser als der Zufall. Sprich, die Damen der Schöpfung senden nicht die ausreichenden Signale, die erkennen lassen: Heiß oder kalt. Die Autoren interpretieren dieses Ergebnis dahingehend, dass Frauen – evolutionsbedingt – ein größeres Interesse hätten, ihr sexuelles Interesse zu kaschieren. Nun, die Daten verraten leider nicht, ob die Daterinnen insgesamt sehr wenige Signale sendeten, oder, ob diese Signale weniger eindeutig waren. Nun, wie auch immer dieser Befund zu erklären ist; die praktische Implikation ist in jedem Fall bedeutsam: Wenn Sie es mit einer Frau der Begierde zu tun haben, fragen Sie am besten direkt, ob sie Sie geil findet? … auch auf die Gefahr hin, dass sie Sie dann nicht mehr treffen möchte.

Quelle:

Henningsen, D.D. (2004). Flirting with meaning: An examination of miscommunication in flirting interactions. Sex Roles, 50, 481-489.

Kenrick, D. T., Groth, G.  E., Sadalla, E. D.  & Trost, M. (1993). Integrating evolutionary and social exchange perspectives in relationships:  Effects of gender, self-appraisal and involvement level on mate selection criteria.  Journal of Personality and Social Psychology, 64, 951-969.

Place, S. S., Todd, P. M., Penke, L. & Asendorpf, J. B. (2009). The ability to judge the romantic interest of others. Psychological Science, 20(1), 22-26.

 

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