Sinkt die Fairness durch den Konsum fair gehandelter Produkte?

Es ist fast schon eine Binsenweisheit und in der Bevölkerung ein weit verbreitetes Vorurteil: Wer sich ausschließlich von fair gehandelten Bio-Lebensmitteln ernährt, hat auch sonst keinen Spaß am Leben. Wollte man diesen Gedanken weiterdenken, käme man irgendwann vielleicht auch bei der Idee an, dass allein das Hervorrufen von Vorstellungsbildern über fair gehandelte und Bio-Produkte zu verstärkt selbstgerechten Urteilen führen könnte. Kendall Eskine (2012) nahm sich dieser Forschungsfrage an.

In der Studie von Eskine wurden insgesamt 62 Personen in drei Gruppen eingeteilt. Eine dieser Gruppen sah ausschließlich Produkte mit Bio-Aufklebern wie Äpfel oder Möhren, eine andere Lebensmittel, die etwas mit Genuss zu tun haben, also etwa Eis oder Kekse. Einer dritten Gruppe wurden Bilder von Lebensmitteln gezeigt, die als Kontrollprodukte bezeichnet wurden, also Haferflocken oder Senf. Die Lebensmittel sollten auch dahingehend bewertet werden, inwieweit die Versuchsteilnehmenden sie gerne konsumieren würden.

Anschließend sollten die Versuchspersonen unter anderem angeben, wie sehr sie bestimmte moralische Übertretungen verurteilten (siehe auch Wheatley & Haidt, 2005). Als alle Fragen in dieser Untersuchung beantwortet waren, erfuhren die Teilnehmenden, dass ein anderer Professor der Uni dringend Teilnehmende für eine weitere Studie bräuchte. Hier wurden die Teilnehmenden gebeten anzugeben, wie viele Minuten sie bereit wären, bei der nächsten Studie mitzumachen (ohne eine zusätzliche Entschädigung zu erhalten). Personen, die Bilder der Bio-Lebensmittel gesehen hatten, wollten weniger Zeit für die Teilnahme an dem nächsten Experiment investieren als Personen der anderen Gruppen. Ebenso waren ihre moralischen Urteile über die moralischen Verfehlungen extremer als die der anderen Personen.

Eskine bewertet diese Ergebnisse so, dass Bio-Lebensmittel und moralische Urteile psychologisch eng miteinander verknüpft sind. Das geringere Hilfeverhalten und die mitunter selbstgerechteren Beurteilungen moralischer Verfehlungen liefern vielleicht einen Hinweis darauf, dass zumindest manche Menschen ihr vermeintliches Soll an guten Handlungen einfach erfüllen können, was sie von weiteren guten Taten entpflichtet.

Als kritischen Punkt möchte ich zu dieser Studie anmerken, dass keine klare Trennung zwischen Bio und fair gehandelten Lebensmitteln erfolgt ist und die gesunden Lebensmittel anscheinend auch stets mit einem entsprechenden Siegel ausgestattet waren. Ein strengerer Test wäre vermutlich einer gewesen, in dem konventionelle Äpfel, Spinat, Tomaten und Möhren gegen ihre Äquivalente in Bio und / oder fair gehandelt getestet worden wären. So allerdings könnte es auch sein, dass die gefundenen Ergebnisse allein aufgrund der gesunden Grundlage der Lebensmittel zustande gekommen sind.

 

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