Geteiltes Glück geht unter die Haut: Wie gemeinsam erlebte positive Emotionen die Gesundheit im Alter beeinflussen

Gemeinsam lachen, sich freuen und schöne Momente teilen - das tut nicht nur der Paarbeziehung gut, sondern auch der Gesundheit. Eine aktuelle Studie zeigt, dass gemeinsam erlebte positive Emotionen im Alter Stress im Körper reduzieren können.

Dass positive Gefühle, wie Glück und Zufriedenheit förderlich für die psychische und körperliche Gesundheit sind, dürfte kaum überraschen. Positive Emotionen entstehen jedoch nicht im luftleeren Raum, sondern sind stark vom sozialen Kontext abhängig. So zeigen bisherige Forschungsergebnisse, dass Menschen positivere Gefühle nicht nur häufiger, sondern auch intensiver erleben, wenn sie diese mit anderen, ihnen nahestehenden Personen teilen (Boothby et al., 2014).

Gerade im höheren Lebensalter, in dem Menschen vermehrt mit gesundheitlichen Einschränkungen konfrontiert sind, können gemeinsam erlebte positive Gefühle eine wichtige Schutzfunktion übernehmen. Ältere Paare verbringen im Vergleich zu jüngeren Paaren häufig mehr Zeit miteinander, da sie meist zusammenleben und nach dem Renteneintritt über mehr Gelegenheiten verfügen, um gemeinsam Zeit zu verbringen (Genadek et al., 2017). Dadurch rücken alltägliche emotionale Erfahrungen innerhalb der Paarbeziehung stärker in den Fokus.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie gingen Yoneda und Kolleg:innen (2025) der Frage nach, wie gemeinsam erlebte positive Gefühle im Alltag mit der Ausschüttung von Kortisol zusammenhängen. Kortisol ist ein Hormon, das vor allem als Reaktion auf Stress freigesetzt wird. Dauerhaft erhöhte Kortisolwerte stehen mit einer verschlechterten körperlichen Gesundheit (z.B. erhöhte Infektanfälligkeit & Blutdruck) sowie einer beeinträchtigten psychischen Gesundheit (z.B. Angststörungen & depressive Verstimmungen) im Zusammenhang. Daher gilt Kortisol als wichtiger Biomarker für die Gesundheit (Adam et al., 2017).

Für ihre Untersuchung analysierten die Forschenden Daten von 321 älteren, zusammenlebenden Paaren im Alter zwischen 56 und 89 Jahren. Über einen Zeitraum von sieben Tagen füllten die Teilnehmenden mehrmals täglich via Smartphone kurze Fragebögen zu ihrem momentanen emotionalen Erleben aus (z. B. wie glücklich sie sich gerade fühlten). Zusätzlich gaben sie Speichelproben ab, um ihre Kortisolwerte zu bestimmen. Dabei wurde auch erfasst, ob sie sich zum jeweiligen Zeitpunkt gemeinsam mit oder getrennt von ihrem bzw. ihrer Partner:in aufhielten.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Kortisolwerte der Teilnehmenden im Durchschnitt niedriger waren, je besser ihre Stimmung zu diesem Zeitpunkt war. Besonders interessant war jedoch, dass dieser Zusammenhang stärker ausfiel, wenn die positiven Emotionen gemeinsam mit dem bzw. der Partner:in erlebt wurden. Bemerkenswert ist, dass sich diese Ergebnisse unabhängig davon zeigten, wie zufrieden die Teilnehmenden ihre Beziehung insgesamt bewerteten. Die gesundheitlichen Vorteile gemeinsam erlebter positiver Emotionen zeigten sich also selbst dann, wenn Paare ihre Beziehung nicht als außergewöhnlich zufriedenstellend einschätzten.

Offen bleibt in der Studie allerdings, wie genau diese gemeinsamen positiven Emotionen zustande kamen. Erlebten die Partner:innen aktiv gemeinsam etwas Positives, beispielsweise einen schönen Spaziergang oder ein gemeinsames Gespräch? Oder handelte es sich eher um parallele, aber voneinander unabhängige positive Erfahrungen, beispielsweise wenn eine Person ein angenehmes Telefonat führt, während die andere einen Film schaut? Unklar bleibt ebenfalls, ob die Effekte tatsächlich auf das Vorkommen positiver Emotionen zurückzuführen sind oder ob sie sich nicht auch durch das Ausbleiben negativer Emotionen erklären lassen. Zudem stellt sich die Frage, ob ähnliche gesundheitliche Effekte auch in anderen Beziehungsformen auftreten. Gerade für Menschen ohne Paarbeziehung könnten gemeinsam erlebte positive Emotionen mit Freund:innen oder Familienmitgliedern eine ähnliche Rolle für das Wohlbefinden und die Gesundheit spielen. Diese Fragen gilt es in zukünftiger Forschung zu klären.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass gemeinsam erlebte positive Gefühle im Alter einen wichtigen Schutzfaktor innerhalb von Paarbeziehungen darstellen können und sich messbar auf biologische Gesundheitsprozesse auswirken. Positive Emotionen gehen damit buchstäblich „unter die Haut“, insbesondere dann, wenn sie mit anderen geteilt werden.

Literaturverzeichnis

Adam, E. K., Quinn, M. E., Tavernier, R., McQuillan, M. T., Dahlke, K. A., & Gilbert, K. E. (2017). Diurnal cortisol slopes and mental and physical health outcomes: A systematic review and meta-analysis. Psychoneuroendocrinology, 83, 25–41. https://doi.org/10.1016/j.psyneuen.2017.05.018

Boothby, E. J., Clark, M. S., & Bargh, J. A. (2014). Shared experiences are amplified. Psychological Science, 25(12), 2209–2216. https://doi.org/10.1177/0956797614551162

Genadek, K. R., Flood, S. M., & Moen, P. (2019). For better or worse? Couples’ time together in encore adulthood. The Journals of Gerontology: Series B, 74(2), 329-338. https://doi.org/10.1093/geronb/gbx129

Yoneda, T., Lewis, N. A., Pauly, T., Kolodziejczak-Krupp, K., Drewelies, J., Ram, N., Ashe, M. C., Madden, K. M., Gerstorf, D., Haase, C. M., & Hoppmann, C. A. (2025). Better together: Coexperienced positive emotions and cortisol secretion in the daily lives of older couples. Journal of Personality and Social Psychology, 129(6), 1240–1256. https://doi.org/10.1037/pspp0000564

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