Ich denke also fühl ich - Warum mentales Training zu Muskelkater führen kann

Immer mehr Sportler schwören auf mentales Training und klagen anschließend teilweise sogar über Muskelkater. Wie kann das sein? Psychologische Forschung suggeriert, dass eine direkte Verbindung zwischen Körper und Geist dafür verantwortlich ist.

In den letzten Jahren richtete sich der Fokus im Sport immer mehr auf psychologische Trainingsmethoden. Dabei geht es nicht immer nur darum wie man mit psychischem Druck umgeht, sondern auch darum wie spezifische Bewegungsabläufe optimaler trainiert werden können. Beobachtet man beispielsweise alpine Skirennfahrer bei ihrer Startvorbereitung, so kann man sehr anschaulich feststellen wie sie gedankenversunken jede einzelne Kurve des folgenden Kurses mental durchspielen. Aber nicht nur beim Skifahren sondern in praktisch allen Sportarten kommt diese Form des mentalen Trainings zum Einsatz und führt zu erstaunlichen Ergebnissen. Einige Sportler berichten sogar über Muskelkater nach intensivem mentalen Training. Aber wie kann das sein?

Um diese Frage zu beantworten lohnt sich der Blick auf eine Studie, in der das Einstudieren eines Klavierstücks untersucht wurde. Pascual-Leone und Kollegen (1995) haben während jeweils zwei Stunden an fünf Tagen die Muskelaktivität in den Fingern von drei Versuchspersonen-Gruppen gemessen. Alle Versuchspersonen hatten in ihrem Leben noch nie Klavier gespielt. Die erste Gruppe sollte an jedem Tag ein Klavierstück tatsächlich üben. Die zweite Gruppe sollte sich nur mental vorstellen wie sie das Stück spielen würde. Und die dritte Gruppe sollte gar nichts machen. Die Ergebnisse bringen Erstaunliches zu Tage. Während bei der Gruppe, die gar nichts gemacht hat, keine Muskelaktivität feststellbar war, trat bei beiden anderen Gruppen das gleiche qualitative Muster auf. Das heißt, eine Person hatte unabhängig davon ob sie den Bewegungsablauf tatsächlich durchführte oder nur daran dachte, die gleichen Muskeln zur selben Zeit angespannt. Aber was bedeutet dieser Befund für die tatsächliche Leistung? Die Forscher ließen nach den fünf Übungstagen die Versuchspersonen das Stück vorspielen. Beim ersten Versuch waren jene Personen, die an den vorherigen Tagen tatsächlich gespielt hatten, am besten. Aber bereits nach zwei Stunden vorspielen waren jene Personen, die nur mental trainiert hatten, auf dem gleichen Niveau.

Diese Ergebnisse stehen in einer Linie mit psychologischen Modellen, die annehmen, dass die mentale Vorstellung einer Bewegung neurologisch identisch mit der tatsächlichen Ausführung ist (z.B. Keysers & Gazzola, 2006). Wenn Menschen also an einen Bewegungsablauf denken, dann simulieren sie deren Bewegungen praktisch mit ihrem ganzen Körper. Führt man diese Art von mentalem Training sehr intensiv durch, so hilft es nicht nur bei der tatsächlichen Leistung, sondern kann sogar Muskelkater verursachen.

Quellen:
Keysers, C., & Gazzola, V. (2006). Towards a unifying neural theory of social cognition. Progress in Brain Research, 156, 379-401.

Pascual-Leone, A., Nguyet, D., Cohen, L. G., Brasil-Neto, J. P., Cammarota, A., & Hallett, M. (1995). Modulation of muscle responses evoked by transcranial magnetic stimulation during the acquisition of new fine motor skills. Journal of Neurophysiology, 74, 1037-1045.

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