Strategischer Genuss – Wie sich langfristige Ziele und kurzfristige Freuden miteinander verbinden lassen

Schokolade versus Apfel, Sofa versus Fitnessstudio, Party versus Bibliothek. Viele Menschen kämpfen mit dem Wunsch nach kurzfristigem Genuss, der sie davon abhält langfristige Ziele zu erreichen. Aktuelle Forschung zeigt Wege auf, die dabei helfen können, beides miteinander zu verbinden.

stuying womanLangfristige Ziele sind für viele Menschen wichtige Orientierungspunkte, auf die sie ihr Verhalten ausrichten möchten: Fitness durch gesunde Ernährung und Sport, gute Leistungen in der Schule, im Studium oder im Beruf durch diszipliniertes Arbeiten. Gleichzeitig empfinden Menschen jedoch häufig das Verlangen nach kurzfristigen Genüssen, die mit langfristigen Zielen in Konflikt stehen können: süße und fettige Lebensmittel zu essen, einen gemütlichen Abend auf dem Sofa zu verbringen oder mit Freunden auszugehen und Alkohol zu trinken. Solche Situationen werden als Selbstkontrollkonflikte bezeichnet.

Die Selbstkontrollforschung hat vielfach Hinweise gefunden, die dafür sprechen, dass das Vermeiden von kurzfristigen Versuchungen eine wirksame Strategie zur Erreichung langfristiger Ziele ist (z. B. De Ridder, Lensvelt-Mulders, Finkenauer, Stok & Baumeister, 2012). Wenn man keine ungesunden Lebensmittel im Haus hat, braucht man auch keinen inneren Konflikt auszustehen, ob und wie viel man sich davon zu essen erlaubt. Die meisten Menschen können oder wollen kurzfristigen Genuss aber nicht völlig aus ihrem Leben streichen. Am Beispiel von Studierenden aus Singapur wurde kürzlich untersucht, auf welche Weise erfolgreiche Studierende auch kurzfristigen Genuss ins eigene Leben einbetten, ohne dabei langfristige Ziele mehr als nötig zu gefährden (Jia, Hirt & Koh, 2019). Das AutorInnenteam beobachtete, dass erfolgreiche Studierende ebenso wie weniger erfolgreiche hin und wieder Spiele des Basketballteams der Universität besuchten, um dabei Ablenkung vom Lernen und stattdessen Spaß und Gemeinschaft zu finden. Sie verfolgten also keineswegs eine Strategie absoluter Vermeidung.

Allerdings fanden sich Unterschiede darin, wann und wie erfolgreichere Studierende Spiele des Basketballteams besuchten. Erfolgreichere Studierende zeigten, erstens, ein stärkeres Konfliktbewusstsein darüber, wann der Besuch eines Spiels mit ihren studentischen Aufgaben in besonders starkem Widerspruch stand, beispielsweise vor einer wichtigen Klausur. Zweitens, planten sie an anderen Tagen mehr zusätzliche Lernzeit als weniger erfolgreiche Studierende als Kompensation für den Besuch von Spielen ein. Schließlich berichteten Studierende, die solche Formen des strategischen Genießens zeigten, auch stärkere positive Gefühle, die durch den Besuch eines Spiels bei ihnen hervorgerufen wurden.

Ein Weg, um kurzfristigen Genuss und langfristige Ziele reuelos miteinander zu verbinden, besteht also darin, auf das Wann und das Wie des Genießens Acht zu geben.

Quellen:

de Ridder, D. T. D., Lensvelt-Mulders, G., Finkenauer, C., Stok, F. M. & Baumeister, R. F. (2012). Taking stock of self-control: A meta-analysis of how trait self-control relates to a wide range of behaviors. Personality and Social Psychology Review, 16, 76–99. DOI: 10.1177/108886831141874

Jia, L., Hirt, E. R. & Koh, A. H. (2019). How to have your cake and eat it too: Strategic indulgence in big-time collegiate sports among academically successful students. Social Psychological and Personality Science, 10, 792-801. DOI: 10.1177/1948550618789403

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Karolina Grabowska via Pixabay

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