Die Zeit vergeht wie im Flug – aber warum?

Viele Menschen kennen das Gefühl, dass die Zeit geradezu dahin fliegt. Interessant ist aber, dass dieses Gefühl mit fortschreitendem Alter immer stärker zu werden scheint. Anders gesagt, die Zeit scheint umso schneller zu vergehen, je älter man wird.

Eine alte UhrBild ohne Titel von Monoar via Pixabay (https://pixabay.com/de/uhr-wanduhr-zeit-alte-zahlen-1274699/), cc: (https://pixabay.com/de/service/terms/#usage)Ich kann das bestätigen – der Effekt ist geradezu gruselig. Gefühlsmäßig habe ich viel länger studiert als ich seit Ende meines Studiums bereits arbeite – objektiv betrachtet ist es genau anders rum. Warum scheint die Zeit umso schneller zu vergehen, je älter man wird? Um diese Frage zu beantworten gibt es verschiedene Ansätze (ehrlich gesagt ist es in der Psychologie sogar umstritten, ob es den oben beschriebenen Effekt tatsächlich gibt – aber gehen wir mal davon aus...).

Ein klassischer Ansatz besagt, dass wir Zeit relativ zur bereits verstrichenen Zeit wahrnehmen. Wenn ich 20 Jahre alt bin, dann entspricht ein Jahr einem Zwanzigstel meiner bereits verstrichenen Lebenszeit. Wenn ein Jahr vergeht, dann ist meine Lebenszeit also um ein Zwanzigstel angestiegen. Wenn ich 40 Jahre alt bin, dann entspricht ein Jahr einem Vierzigstel meiner bereits verstrichenen Lebenszeit, und so geht es weiter. Dadurch, dass der Referenzwert größer wird, erscheint eine bestimmte Zeitspanne kleiner. Das klingt logisch, hat aber den Nachteil, dass wir kaum etwas gegen das Gefühl der immer schneller vergehenden Zeit tun können.

Einem weiteren Ansatz zufolge hat der Effekt etwas mit Zeitdruck zu tun (Janssen, Naka, & Friedman, 2013): Je mehr Zeitdruck man hat, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen. Gleichzeitig unterschätzen wir den Zeitdruck länger zurück liegender Jahre, wodurch der Eindruck entsteht, dass die Zeit immer schneller vergeht. Diesem Ansatz zufolge wäre der beschriebene Effekt also auf eine Art Gedächtnisverzerrung zurück zu führen.

Am besten gefällt mir aber diese Idee: Sie besagt, dass unsere Wahrnehmung von Zeit darauf beruht, wie viele neue Dinge wir im Gedächtnis speichern. Wir nehmen sozusagen nur die Zeit als solche bewusst wahr, in der wir etwas neues gespeichert haben. Dadurch, dass wir mit der Zeit immer weniger neue Erfahrungen machen, nehmen wir diese Zeit weniger wahr und sie scheint somit geradezu „verflogen“ zu sein. Eine interessante Vorhersage dieses Ansatzes ist, dass Zeit wieder langsamer vergehen sollte, wenn wir etwas neues erleben – zum Beispiel das erste Kind bekommen. Dieser Ansatz bietet auch eine Möglichkeit, sich gegen das Gefühl dahin fliegender Zeit zu wehren – öfter mal was neues erleben!

Quellen

Der oben stehende Beitrag befasst sich nur mit drei Erklärungen für das Gefühl, dass die Zeit mit dem Alter schneller zu vergehen scheint. Weitere Erklärungsansätze werden hier thematisiert:

Janssen, S. M. J., Naka, M., & Friedman, W. J. (2013). Why does life appear to speed up as people get older? Time and Society, 22, 274-290.

http://blogs.scientificamerican.com/mind-guest-blog/why-does-time-fly-as...

http://www.scientificamerican.com/article/why-does-time-seem-to-speed-up...

 

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