Nach dem Spaziergang lieber Salat statt Schokolade?
Viele kennen das: Nach dem Sport fühlt man sich entweder besonders motiviert – oder man belohnt sich mit Pizza. Eine neue Tagebuchstudie zeigt, dass Bewegung und gesunde Ernährung im Alltag eher gemeinsam gelingen, als sich gegenseitig auszubremsen.
Mehr Bewegung, gesünder essen, endlich dranbleiben: Für viele Menschen gehören diese Vorsätze zusammen. Psychologisch ist aber längst nicht klar, ob sie sich im Alltag tatsächlich gegenseitig unterstützen. Denkbar wäre auch das Gegenteil: Wer sich heute viel bewegt hat, gönnt sich abends eher etwas Ungesundes – nach dem Motto „Das habe ich mir verdient“ (Lippke, 2014). Genau diese Frage stand im Mittelpunkt einer neuen Studie unserer Salzburger Arbeitsgruppe (Aulbach & Blechert, 2026).
Wir begleiteten 25 Teilnehmende eines Gesundheitskurses einer Krankenkasse über acht Wochen hinweg. Jeden Abend beantworteten die Teilnehmenden auf dem Smartphone Fragen dazu, wie körperlich aktiv sie an diesem Tag gewesen waren, wie gesund sie gegessen hatten, was sie sich für den nächsten Tag vornahmen und wie zuversichtlich sie waren, diese Vorsätze auch umzusetzen. Zusätzlich wurden Stimmung, Stress, Müdigkeit und Schlaf erfasst. So ließ sich nicht nur untersuchen, was Menschen generell tun, sondern auch, was an ihren „guten“ und „schlechteren“ Tagen passiert.
Ein zentrales Konzept der Studie ist die sogenannte Intentions-Verhaltens Lücke (Sheeran, 2002) – also die Lücke zwischen dem, was wir uns vornehmen, und dem, was wir tatsächlich umsetzen. Diese Lücke zeigte sich auch hier: Im Durchschnitt blieben die Teilnehmenden sowohl bei Bewegung als auch beim gesunden Essen etwas hinter ihren Absichten zurück. Spannend war jedoch, wie diese beiden Bereiche zusammenhingen: An Tagen, an denen Menschen aktiver waren, berichteten sie auch gesünderes Essen. An Tagen mit stärkeren Bewegungsabsichten waren auch die Essensabsichten stärker. Und wenn die Umsetzung beim gesunden Essen besser gelang (also die Intentions-Verhaltens-Lücke kleiner war), gelang sie meist auch bei der Bewegung besser. Dieser Zusammenhang blieb sogar bestehen, wenn Stimmung, Stress, Müdigkeit und Schlaf statistisch berücksichtigt wurden.
Das spricht gegen die einfache Idee, dass Selbstkontrolle eine Art starres Tagesbudget ist, das durch ein gesundes Verhalten sofort „aufgebraucht“ wird (Hagger et al., 2016). Stattdessen passen die Ergebnisse eher zu einem Transfer-Modell: Erfolg in einem Gesundheitsbereich könnte den anderen mit anschieben (Lippke, 2014). Vielleicht erzeugt ein aktiver Tag ein Gefühl von Selbstwirksamkeit. Vielleicht möchte man erreichte Fortschritte nicht gleich wieder „kaputtmachen“. Vielleicht greifen auch dieselben Strategien – etwa Planen, Erinnern oder das bewusste Vermeiden von Versuchungen – in beiden Bereichen zugleich.
Trotzdem ist Vorsicht wichtig: Die Studie ist explorativ, die Stichprobe klein, überwiegend weiblich und bestand aus Menschen, die bereits an einem Gesundheitskurs teilnahmen. Außerdem beruhen die Angaben auf subjektiven Selbsteinschätzungen. Die Ergebnisse gelten daher nicht automatisch für alle Menschen in allen Lebenslagen. Gerade deshalb ist die Hauptbotschaft aber interessant: Bewegung und gesunde Ernährung müssen nicht zwei getrennte Baustellen sein. Wer beides als gemeinsames Gesundheitsziel versteht, könnte von positiver Eigendynamik profitieren. Für Gesundheitsinterventionen heißt das: Es könnte sinnvoll sein, genau diese Verbindung sichtbar zu machen, statt Menschen nur zwei weitere Vorsätze aufzubürden.
Literaturverzeichnis
Aulbach, M. B., & Blechert, J. (2026). Positive associations between day-level physical activity and healthy eating in participants of a health promotion course: An exploratory study. Journal of Behavioral Medicine. https://doi.org/10.1007/s10865-026-00642-w
Hagger, M. S., Chatzisarantis, N. L. D., Alberts, H., Anggono, C. O., Batailler, C., Birt, A. R., Brand, R., Brandt, M. J., Brewer, G., Bruyneel, S., Calvillo, D. P., Campbell, W. K., Cannon, P. R., Carlucci, M., Carruth, N. P., Cheung, T., Crowell, A., De Ridder, D. T. D., Dewitte, S., … Zwienenberg, M. (2016). A multilab preregistered replication of the Ego-Depletion Effect. Perspectives on Psychological Science, 11(4), 546–573. https://doi.org/10.1177/1745691616652873
Lippke, S. (2014). Modelling and supporting complex behavior change related to obesity and diabetes prevention and management with the compensatory carry-over action model. J Diab Obes. 2014; 1: 1–5. J Diabetes Obes, 1(2). https://doi.org/10.15436/2376-0494.14.009
Sheeran, P. (2002). Intention—behavior relations: A conceptual and empirical review. European Review of Social Psychology, 12(1), 1–36. https://doi.org/10.1080/14792772143000003
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