Mobilität heute und morgen - Wann ändern wir unser Verhalten?

Wenn wir den Klimawandel bekämpfen wollen, kommen wir nicht umhin, unser Verhalten in verschiedensten Bereichen zu ändern. Eines der wichtigsten dieser Gebiete ist der Sektor Mobilität. Zeit, sich einmal genauer damit zu beschäftigen, wie sich die Wahl des Verkehrsmittels über die Zeit verändert – und verändern lässt.

Straßenbahn gelbDer Straßenverkehr in Deutschland ist der drittgrößte Verursacher von CO2 in Deutschland (BMU, 2017), dazu kommt noch ein erheblicher Schaden durch Stickoxide, Feinstaub, Lärm und ein enormer Platzbedarf an Parkplätzen in den chronisch untergrünten Kommunen. Kurz gesagt: Weniger Autos und weniger Autoverkehr würden unsere Lebensqualität und Gesundheit enorm verbessern und gleichzeitig dabei helfen, die Erderwärmung einzudämmen.

Gleich mal eines vorweg: Der Umstieg auf Elektroautos allein nützt nicht viel. Feinstaub entsteht größtenteils durch Reifen und der ökologische Fußabdruck ist durch die Batterieproduktion und den derzeitigen fossil dominierten Strom-Mix mit dem eines konventionellen Benziners vergleichbar (Bauer, Hofer, Althaus, Del Duce, & Simons, 2015). Dank der Digitalisierung gibt es aber neue Mobilitätskonzepte, von Carsharing, Car-Pooling, Mobility-on-Demand-Systemen bis hin zu multimodalen Optionen (z.B. die Kombination von ÖPNV mit Car- und Bikesharing), die uns völlig neue Möglichkeiten einer nachhaltigeren Mobilität eröffnen. Nur wie kommen wir dahin?

Der Schlüssel zu einer Änderung des Mobilitätsverhaltens ist eine Veränderung der persönlichen Situation – etwa durch Umzug, Kinder oder einen neuen Job sowie gezielte Interventionen, um Routinen aufzubrechen (Gardner & Abraham, 2008; USEmobility, 2012). Denn Gewohnheiten und Routinen spielen für unsere Alltagsmobilität eine so entscheidende Rolle, dass wir selbst bei neueren und besseren Angebotsformen zunächst sehr träge und langsam darauf reagieren (englisch: "inertia"). Aber schon eine einmonatige Freikarte für den ÖPNV (Thøgersen & Møller, 2008) oder der temporäre Entzug von Parkplätzen in Innenstädten (Brown, Werner, & Kim, 2003) können kleine Verhaltenswunder bewirken.

Kommen wir nun aber in die Verlegenheit, unsere Mobilitätsgewohnheiten neu zu denken, stellt sich die Frage, für welche Option wir uns entscheiden. Die Forschung zeigt, dass psychologische Faktoren wie etwa die wahrgenommenen Kosten eines Verhaltens und subjektive Werte und Normen die Mobilitätsentscheidungen von Personen entscheidend prägen (Donald, Cooper, & Conchie, 2014; Taube, Kibbe, Vetter, Adler, & Kaiser, 2018). Mit anderen Worten, ist nicht unbedingt entscheidend, ob die Fahrkarte 30 Cent weniger kostet, sondern wie komplex der Buchungsvorgang ist, welche Erwartungen meine Kolleginnen und Kollegen an mich haben und wie unattraktiv das konkurrierende Mobilitätskonzept (etwa aufgrund der Parkplatzsituation in der Innenstadt) gerade ist.

Was heißt das nun aber für Car-/ Bikesharing und andere neue Mobilitätsformen? Ganz einfach: Das neue Konzept muss gefühlt attraktiver und etablierte Konzepte deutlich weniger attraktiv werden, und das genau zu dem Zeitpunkt, wenn sich der/die Nutzende aufgrund seiner/ihrer persönlichen Situation gerade Gedanken darüber macht, wie er/sie in Zukunft von A nach B kommt. Gar nicht so einfach, oder?

Quellen:

Bauer, C., Hofer, J., Althaus, H.-J., Del Duce, A., & Simons, A. (2015). The environmental performance of current and future passenger vehicles: Life cycle assessment based on a novel scenario analysis framework. Applied Energy, 157, 871–883. https://doi.org/10.1016/j.apenergy.2015.01.019

BMU. (2017). Klimaschutz in Zahlen: Der Sektor Verkehr. Retrieved from http://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/klimaschu...

Brown, B. B., Werner, C. M., & Kim, N. (2003). Personal and Contextual Factors Supporting the Switch to Transit Use: Evaluating a Natural Transit Intervention. Analyses of Social Issues and Public Policy, 3(1), 139–160. https://doi.org/10.1111/j.1530-2415.2003.00019.x

Donald, I. J., Cooper, S. R., & Conchie, S. M. (2014). An extended theory of planned behaviour model of the psychological factors affecting commuters' transport mode use. Journal of Environmental Psychology, 40, 39–48. https://doi.org/10.1016/j.jenvp.2014.03.003

Gardner, B., & Abraham, C. (2008). Psychological correlates of car use: A meta-analysis. Transportation Research Part F: Traffic Psychology and Behaviour, 11(4), 300–311. https://doi.org/10.1016/j.trf.2008.01.004

Taube, O., Kibbe, A., Vetter, M., Adler, M., & Kaiser, F. G. (2018). Applying the Campbell Paradigm to sustainable travel behavior: Compensatory effects of environmental attitude and the transportation environment. Transportation Research Part F: Traffic Psychology and Behaviour, 56, 392–407. https://doi.org/10.1016/j.trf.2018.05.006

Thøgersen, J., & Møller, B. (2008). Breaking car use habits: The effectiveness of a free one-month travelcard. Transportation, 35(3), 329–345. https://doi.org/10.1007/s11116-008-9160-1

USEmobility. (2012). D3.6 Factors influencing behavioural change towards eco-friendly multimodal mobility. Retrieved from https://www.allianz-pro-schiene.de/en/wp-content/uploads/sites/2/2015/10...

Bildquelle:

Roman Kraft via Unsplash: https://unsplash.com/photos/M0n-hwbXJ-k

CC: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de

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