Das In-Mind WM-Special: Kreativität im Fußball - reine Kopfsache?!

Der Beitrag befasst sich mit Untersuchungen zu kognitiven Prozessen, die während der Entscheidungsfindung in Offensivszenen im Fußball stattfinden. Dabei wird vor allem auf den Unterschied zwischen kreativen und unkreativen Lösungen eingegangen.

FußballrasenBeschäftigt man sich mit dem modernen Fußball, spielt das Analysieren und Üben, vor allem von Spielzügen in der Offensive, eine wichtige Rolle. Denkt man aber an Tore wie das von Zlatan Ibrahimovic bei der EM 2012 gegen England, scheint gerade „Out-of-the-box Thinking“ zu spektakulären Erfolgen zu führen. Entscheidend dafür ist das Ausbrechen aus einstudierten Spielzügen und das Lösen einer Situation mit einem kreativen Pass- oder Laufweg, um so die GegenspielerInnen zu überraschen. Aber warum oder, besser gefragt, wie schaffen es SpielerInnen, ihre Kreativität in jeweilige Spielsituationen einzubringen? Sind es nur technische und taktische Fertigkeiten oder auch besondere kognitive Prozesse, die SpielerInnen nutzen, um sich einen kreativen Vorteil in Entscheidungssituationen zu verschaffen?

Um der Antwort auf diese Frage näher zu kommen, haben sich das Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der Sporthochschule Köln unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Memmert, Experte für Kreativität im Fußball, und das Institut für Biologische Psychologie der Universität Graz unter der Leitung von Assoc. Prof. Mag. Dr. Andreas Fink, Experte im Bereich der Neurologie der Kreativität, zusammengetan und in verschiedenen fMRT- und EEG-Studien die kognitiven Prozesse während der Entscheidungsfindung in Fußballspielsituationen untersucht. Dazu wurden in einer Studie den Versuchspersonen kurze Szenen aus Fußballspielen gezeigt und jene mussten dann entweder eine kreative oder standardmäßige Weiterführung der Szene generieren. Währenddessen wurde die elektrische Aktivität mit einem EEG gemessen. Dabei haben die Forschenden herausgefunden, dass Kreativität im Fußball durch nach innen gerichtete Informationsverarbeitung, nämlich die imaginative Vorstellung der Lösung, charakterisiert zu sein scheint. Versuchspersonen, die kreativere Lösungen gefunden haben als andere Versuchspersonen, haben stärker die Vorstellung von Bewegungen genutzt. Insgesamt haben die Forschenden aus den Ergebnissen geschlossen, dass kreatives Denken im Fußball bestimmte Netzwerke im Gehirn beansprucht, die vor allem mit räumlicher Aufmerksamkeit und Bewegungsvorstellung zu tun haben. Außerdem scheint ein Anstieg der Alpha-Aktivität im Gehirn mit höherer Kreativität einherzugehen, was auch für andere Situationen außerhalb des Fußballs einen interessanten Forschungsansatz darstellen könnte.

Quelle:

Fink, A., Rominger, C., Benedek, M., Perchtold, C.M., Papousek, I., Weiss, E.M., Seidel, A. & Memmert, D. (2018). EEG alpha activity during imagining creative moves in soccer decision-making situations. Neuropsychologia (114), pages 118–124.

Bildquelle:

Photo by Annca via pixabay: https://pixabay.com/photo-1335365/

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