Mit Power-Pose zum selbstsicheren Auftreten und Bewerbungserfolg!?

Wer kennt sie nicht – die Nervosität vor einem Bewerbungsgespräch? Innerhalb kürzester Zeit gilt es, sich von seiner besten Seite zu präsentieren, vor Engagement und Motivation nur so zu strotzen und gleichzeitig einen selbstsicheren und authentischen Eindruck zu hinterlassen. Laut der Forscherin Amy Cuddy von der Harvard Business School Boston können sogenannte „Power-Posen“ in solchen Stresssituationen wie einem Bewerbungsgespräch äußerst hilfreich sein. Power-Posen sind Körperhaltungen, die Macht zum Ausdruck bringen. Ganz nach dem Leitsatz „Fake it until you make it“, so Cuddy, sollen diese Power- Posen unser Selbstbewusstsein und Machtgefühl steigern.

Ein angespannter Oberarmblitzmaerker via pixabay (https://pixabay.com/photo-1445736/, CC: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/legalcode)In einem Experiment des amerikanischen Forscherteams um Cuddy und Kolleg/-innen (2015) wurden die Teilnehmer/-innen gebeten, über mehrere Minuten hinweg entweder eine „low-power“ oder eine „high-power“ Pose auszuführen. Die erste Gruppe nahm eine zusammengesackte Haltung ein, die Arme um den Körper geschlungen und mit gesenktem Blick. Die zweite Gruppe hingegen stemmte die Arme in die Hüften, posierte breitbeinig und mit geradem Rücken. Im Anschluss nahmen die Versuchsteilnehmer/-innen an einem Vorstellungsgespräch teil, bei dem sie eine kurze Präsentation zu ihrer Person hielten. Die Ergebnisse waren erstaunlich: Jene Teilnehmer/-innen, die zuvor eine high-power Pose ausführten, fühlten sich nicht nur selbstbewusster und energievoller, sondern wurden von einer unabhängigen Jury durchweg als kompetenter und selbstsicherer eingestuft als Personen, die eine low-power Pose ausgeführt hatten. Ausschlaggebend für das sichere Auftreten ist laut der Forschergruppe um Cuddy vor allem ein veränderter Hormonspiegel (Carney, Cuddy, & Yap, 2010). Die körperliche Machtdemonstration führe zu einem Anstieg des Testosteronspiegels und zugleich zu einem Absinken des Cortisolspiegels. Dies zusammen bewirke, dass wir uns selbstbewusster und mächtiger fühlen und weniger stark auf Stresssituationen reagieren.

Körpersprache hat demnach nicht nur einen entscheidenden Einfluss darauf, wie unsere Mitmenschen uns sehen, sondern auch darauf, wie wir uns selbst wahrnehmen. Die Frage, die sich nun aufdrängt ist: Sollte man fortan vor jedem wichtigen Ereignis „Power-Posen“?

In der wissenschaftlichen Literatur findet man hierzu gegensätzliche Standpunkte. Im Mittelpunkt der anhaltenden Debatte steht vor allem die zum Teil fehlende Wiederholbarkeit des Experiments von Cuddy. Beispielsweise untersuchten Eva Ranehill und Kolleg/-innen (2015) von der Universität Zürich die Wirkung von Power-Posen mit einer deutlich größeren Stichprobe als die US-Forscher/-innen. Das Schweizer Team kam zu dem Schluss, dass zwar die eigene Wahrnehmung von Macht erhöht wird, allerdings konnten weder Auswirkungen auf den Hormonhaushalt noch auf das Verhalten der Versuchsteilnehmer beobachtet werden. Cuddy und ihr Team sehen vor allem die methodischen Unterschiede beider Studien als Ursache für die verschiedenen Ergebnisse (Carney, Cuddy, & Yap, 2015). Beispielsweise wurden die Teilnehmer/-innen bei Ranehill et al. darüber informiert, dass die Wirkung von Körperhaltungen untersucht werde, während Cuddy und Kolleg/-innen eine Coverstory verwendeten, die den wahren Zweck der Studie verschleierte. Des Weiteren variierte die Zeit, in der die Teilnehmer/-innen in der Machtpose verharren sollten. Auch Richard Ronay und seine niederländischen Kolleg/-innen (2017) fanden keinen Effekt der körperlichen Machtdemonstrationen auf den Hormonspiegel und das Verhalten. Sie diskutieren vor allem kulturelle Unterschiede und deren möglichen Einfluss auf die Wirkung von Power-Posen.

Zusammenfassend sind sich Forscherinnen und Forscher in der Psychologie vermutlich einig darüber, dass weitere Studien benötigt werden, um endgültig zu klären, ob und unter welchen Bedingungen Power-Posen die prophezeiten Effekte von Cuddy auslösen. Dass Power-Posen zumindest die subjektive Selbstsicherheit der Posierenden erhöhen, scheint weitestgehend unstrittig (siehe Meta-Analyse von Gronau et al., 2017). Bei der Frage, ob sich diese gefühlte Selbstsicherheit auch in tatsächlichem Verhalten niederschlägt, bleibt es spannend zu beobachten, wie sich die laufende Debatte entwickeln wird.

Quellen:

Carney, D. R., Cuddy, A. J., & Yap, A. J. (2010). Power posing: Brief nonverbal displays affect neuroendocrine levels and risk tolerance. Psychological Science, 21, 1363-1368.

Carney, D. R., Cuddy, A. J., & Yap, A. J. (2015). Review and summary of research on the embodied effects of expansive (vs. contractive) nonverbal displays. Psychological Science, 26, 657-663.

Cuddy, A. J., Wilmuth, C. A., Yap, A. J., & Carney, D. R. (2015). Preparatory power posing affects nonverbal presence and job interview performance. Journal of Applied Psychology, 100, 1286-1295.

Gronau, Q. F., Van Erp, S., Heck, D. W., Cesario, J., Jonas, K., & Wagenmakers, E.-J. (2017). A bayesian model­averaged meta­analysis of the power pose effect with informed and default priors: The case of felt power. Comprehensive Results in Social Psychology.

Ranehill, E., Dreber, A., Johannesson, M., Leiberg, S., Sul, S., & Weber, R. A. (2015). Assessing the robustness of power posing: No effect on hormones and risk tolerance in a large sample of men and women. Psychological Science, 26, 653-656.

Ronay, R., Tybur, J. M., van Huijstee, D., & Morssinkhof, M. (2016). Embodied power, testosterone, and overconfidence as a causal pathway to risk-taking. Comprehensive Results in Social Psychology, 1-16. doi: 10.1080/23743603.2016.1248081

 

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