Erhöhter Alkoholkonsum durch Corona-Pandemie: Wie Evaluative Konditionierung dein Trinkverhalten beeinflussen kann

Dein Alkoholkonsum ist während der Corona-Pandemie wie bei vielen anderen Deutschen gestiegen und du hegst den Wunsch, diesen zu reduzieren? Evaluative Konditionierung könnte eine Möglichkeit sein, deine Einstellung gegenüber Alkohol zu revidieren und dein Trinkverhalten zu ändern.

wineWenn du in der letzten Zeit mehr Alkohol trinkst als zuvor, bist du damit nicht allein: Laut einer anonymen Umfrage des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit trinken ein Drittel der Deutschen zu Corona-Zeiten mehr Alkohol als vor Beginn der Pandemie (Deutsches Ärzteblatt, 2020). Eine solche Änderung der Gewohnheiten birgt langfristig die Gefahr einer Alkoholabhängigkeit: Werden durch regelmäßigen Alkoholkonsum positive implizite, d.h. unbewusste Einstellungen gegenüber Alkohol ausgelöst, kann dies negative Auswirkungen auf das zukünftige Trinkverhalten haben (Houben & Wiers, 2007). 

ForscherInnen zeigen eine vermeintlich effektive und einfache Möglichkeit auf, die implizite Einstellung zu Alkohol sowie das Trinkverhalten zu ändern. Als Werkzeug greifen sie dafür auf Evaluative Konditionierung (kurz: EC) zurück. EC wird definiert als die Veränderung des Wertes eines neutralen Stimulus – z. B. das Bild eines Getränks –  durch die wiederholte gemeinsame Präsentation mit einem wertigen, d.h. positiven oder negativen Stimulus, z.B. dem Bild eines Hundewelpen.
Dieses Vorgehen wird häufig auf Werbeplakaten genutzt. Coca-Cola zeigt seine Produkte zusammen mit lachenden Personen, Beck’s bildet junge Leute ab, die auf einem Segelschiff feiern. Die positive Valenz (Wertigkeit) der glücklichen Menschen überträgt sich auf die jeweilige Marke, sodass diese positiver bewertet wird als zuvor. Dieser sogenannte EC-Effekt funktioniert auch umgekehrt: Durch die gemeinsame Darstellung mit negativen Reizen (z. B. dem Bild eines Blobfisches) werden ursprünglich neutrale Stimuli im Anschluss negativer bewertet. Analog hierzu demonstrierten die ForscherInnen, dass die gemeinsame Präsentation von Alkohol und negativen Bildern oder Adjektiven zu einer negativeren Einstellung gegenüber Alkohol führt und den Alkoholkonsum reduziert (Houben, Havermans, & Wiers, 2010). In einer aktuellen Replikation, d.h. der Wiederholung einer Untersuchung durch andere WissenschaftlerInnen unter möglichst gleichen Bedingungen, wurde dieser Befund allerdings relativiert: Eine Veränderung der Einstellung sowie des Trinkverhaltens konnte lediglich bei Personen gefunden werden, die im Vorfeld riskantes Trinkverhalten berichteten. Personen, deren Alkoholkonsum diesem Kriterium nicht entsprach, zeigten keine Veränderung (Tello, Jaafari, & Chatard, 2020). 

Ob dein Alkoholkonsum unter riskantes Trinkverhalten fällt, kannst du mit dem Kenn-Dein-Limit-Test untersuchen. Sollte riskantes oder gar schädliches Trinkverhalten das Ergebnis sein, kannst du auf der Website von Kenn-Dein-Limit Hilfe, Tipps und Beratungsangebote für einen verantwortungsvollen Konsum von Alkohol finden. Darüber hinaus kann es nicht schaden, beim Öffnen der nächsten Flasche einfach mal „Blobfisch“ zu googeln. 

 

Quellen:

Deutsches Ärzteblatt, 2020, 117 (25), Alkohol und Rauchen: Die COVID-19-Pandemie als idealer Nährboden für Süchte (Georgiadou, Hillemacher, Müller, Koopmann, Leménager, & Kiefer)

Houben, K., Havermans, R. C., & Wiers, R. W. (2010). Learning to dislike alcohol: Conditioning negative implicit attitudes toward alcohol and its effect on drinking behavior. Psychopharmacology, 211(1), 79-86.

Houben, K., & Wiers, R. W. (2007). Are drinkers implicitly positive about drinking alcohol? Personalizing the alcohol-IAT to reduce negative extrapersonal contamination. Alcohol & Alcoholism, 42(4), 301-307.

Tello, N., Jaafari, N., & Chatard, A. (2020). Effects of evaluative conditioning on implicit evaluation of alcohol and drinking behaviors: a direct replication. Alcohol and alcoholism, 55(3), 299-303.

Bildquelle:

congerdesign via Pixabay

CC