Neurofeedback – Der Entspannung in den Kopf geschaut

Mediation am Kabel? Durch die Inspektion von Hirnwellen verhelfen PsychologInnen ihren ProbandInnen zu mehr Entspannung und Konzentration. Beim sogenannten Neurofeedback erhalten sie Rückmeldung über ihren psychischen Zustand und können lernen, diesen bewusst zu regulieren.

Ein Mann sitzt vor einem BildschirmDigitalarti via flickr (https://flic.kr/p/m2KBGo, cc:https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode)Neurofeedback ist eine Unterform des Biofeedbacks. Darunter fallen Methoden, mit denen man Schritt für Schritt erlernt, physiologische Prozesse wie die Aktivität der Schweißdrüsen oder eben auch des Gehirns zu kontrollieren. Die meisten Körperfunktionen laufen automatisch ab. Wir besitzen keine Rezeptoren, um selbst zu fühlen, wie aktiv unser Gehirn oder die Schweißdrüsen gerade sind. Diese Organisation ist sinnvoll. Wir wären überfordert, in jeder Minute gleichzeitig über die Regulation von Herz, Schweiß und dazu noch unsere Arbeit nachdenken zu müssen. Die Idee hinter Biofeedback ist es, bei Problemen der automatischen Regulation über bewusste Veränderungen einzugreifen. Dafür geben ForscherInnen ProbandInnen über externe Apparaturen in Echtzeit Rückmeldungen über die Veränderungen des beobachteten Signals. Immer wenn einE ProbandIn einen kleinen Schritt in die richtige Richtung macht, zum Beispiel die Frequenz seines hirnelektrischen Signals etwas senken kann, wird er oder sie durch ein Signal belohnt.

Die zum Messen der elektrischen Hirnaktivität beim Neurofeedback genutzte Apparatur nennt sich Elektroenzephalogramm, kurz EEG. Signale werden im Hirn durch niedrige elektrische Ströme von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergeleitet. Die Repräsentation von Information, einfacher gesagt eine Gedächtnisspur, entsteht durch die synchrone elektrische Aktivität ganzer Zellen-Netzwerke. Daraus resultierende elektrische Spannungsunterschiede an verschiedenen Punkten der Kopfoberfläche werden im EEG gemessen. Sie hängen eng mit psychischen Prozessen zusammen. Je nach funktionalem Zustand unseres Geistes verändert sich der Rhythmus der Aktivität. Bei hoher mentaler Aktivität und Anforderung zeigen sich besonders viele kleine Wellen, im Schlaf dagegen sehr große und lange.

Neben dem Einsatz der Neurofeedbackmethode, um PatientInnen mit neurologischen oder psychiatrischen Störungen wie ADHS eine bessere Regulation beizubringen, beschäftigen sich ForscherInnen auch mit dem Nutzen für Gesunde. Alpha-Theta Protokolle, benannt nach den EEG-Rhythmen, die damit trainiert werden, sind eine in der Forschung beliebte Neurofeedback-Methode. Alpha-Wellen zeigt ein Mensch bei Müdigkeit, die nächste Stufe, Theta, beim Einschlafen. Aufsehen erregte vor einigen Jahren die Entdeckung, dass Alpha-Wellen mit dem mentalen Zustand der Entspannung assoziiert sind; vor allem aber, dass Theta-Wellen nicht nur beim Einschlafen, sondern auch bei Meditation auftreten. Die Hypothese der Forscher: Theta-Wellen bilden ein weiteres „Runterfahren“ des Geistes ab. Bei der Meditation schafft man es, das Bewusstsein abzuschalten ohne einzuschlafen. In einer Studie trainierten Londoner Forscher (Egner & Gruzelier, 2002) MusikerInnen am dortigen Konservatorium, diese meditative Konzentration am Übergang von Alpha- zu Theta-Wellen mithilfe von Neurofeedback zu erreichen. Sie wollten überprüfen, wie leicht es Menschen fällt, die gelernten Fähigkeiten auf alltägliche Herausforderungen zu übertragen. Die MusikerInnen spielten zwei kurze Stücke vor und nach einem zehnwöchigen Training auf Video ein. Eine unabhängige Jury bewertete die Darbietung hinsichtlich musikalischer Gesichtspunkte wie rhythmischer Akkuratesse oder emotionaler Ausdrucksstärke. Die Alpha-Theta-Trainingsgruppe zeigte eine signifikant verbesserte Leistung im finalen Test. Besonders erstaunte die Forscher, dass sich Ausdrucksstärke und musikalisches Verständnis verbesserten, nicht jedoch die technischen Aspekte des Instrumentalspiels. Zudem konnte die meditative Entspannung nicht, wie vermutet, das Lampenfieber der KünstlerInnen mindern. Der genaue Wirkmechanismus des Trainings ist noch nicht geklärt. In der Vergangenheit fanden ForscherInnen heraus, dass vermehrte Theta-Wellen neben Entspannung mit einem Gefühl der Zufriedenheit sowie einer besseren Aufmerksamkeitskontrolle zusammenhängen. Glatt könnte man Theta-Wellen als einen psychischen Alleskönner bezeichnen. Ob das zutrifft? Die weitere Forschung wird es zeigen!

 

Quellen:

Egner, T., & Gruzelier, J. H. (2002). Ecological validity of neurofeedback: modulation of slow wave EEG enhances musical performance. Cognitive Neuroscience and Neuropsychology, 14(9), 1221-1224.

Strehl, U. (Hrsg.). (2013). Neurofeedback: Theoretische Grundlagen, Praktisches Vorgehen, Wissenschaftliche Evidenz. Stuttgart: Kohlhammer.

 

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