Sozialer Ausschluss bei Transgender-Personen. Eine bildgebende Studie über die Effekte von sozialer Diskriminierung im Gehirn.

Trans* - Personen sind täglich mit sozialem Ausschluss konfrontiert. Eine erste bildgebende Studie zeigt, wie das Gehirn bei Trans* - Personen auf solch einen Ausschluss reagiert.

Transgender- (oder Trans*-) Personen sind Menschen, die sich mit einem anderen (sozialen) Geschlecht ( gender) identifizieren als das, welches ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Cisgender (Cis*) - Personen sind Menschen, die sich mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Obwohl das Thema „Transgender“ in den letzten Jahren immer mehr mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, erfahren Trans* - Personen täglich Diskriminierung und sozialen Ausschluss (Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, 2011). Trans* - Personen leiden häufig unter Angst und Depressionen, und viele haben suizidale Gedanken oder gar Suizidversuche hinter sich.

In einer ersten bildgebenden ( fMRT-) Studie hat unser Labor an der Universität Ghent Transgender -  Personen, die bereits seit mehr als zwei Jahren im Körper ihres bevorzugten Geschlechts leben, und Cisgender - Personen (zum Vergleich) mit einer beliebten experimentellen Aufgabe des sozialen Ausschlusses, dem „Cyberball“, konfrontiert. Während dieses Computerspiels müssen Teilnehmende einen Ball zwei anderen virtuellen Teilnehmenden zuspielen. Ihnen wurde die Information gegeben, dass die anderen zwei virtuellen Teilnehmenden Medizinstudierende und per Intranet aus einem anderen Gebäude zugeschaltet worden seien (was aber nicht der Fall war). Nach einer Weile hat der Computer den/die Teilnehmende(n) dann ausgeschlossen, und die beiden virtuellen SpielerInnen haben sich den Ball nur noch gegenseitig zugeworfen. Später wurden die Teilnehmenden wieder reinkludiert. Experimenteller sozialer Ausschluss rief vor allem in Cis*-Frauen eine erhöhte Aktivität im präfrontalen Cortex hervor, welcher zur Regulierung von emotionalen Erfahrungen beiträgt. Interessanterweise war diese Region (und eine weitere) in der darauffolgenden Bedingung der Reinklusion in beiden Trans* - Gruppen erhöht, was darauf hindeuten könnte, dass Trans* - Personen länger mit der Regulierung der Erfahrung beschäftigt sind. Weitere Analysen, bei denen man die Kommunikation der Areale untereinander in den Fokus genommen hat, haben ergeben, dass besonders Trans* - Männer eine erhöhte Kommunikation zwischen emotionalen und kognitiven Arealen zeigen, was auf Schwierigkeiten in der schnellen Verarbeitung hinweist. Selbstverständlich wurden alle Teilnehmenden nach der Studie über die Manipulation informiert.

Die Studienbefunde sind wichtig, weil sie zeigen, dass Erfahrung von sozialem Ausschluss Konsequenzen für die emotionale und kognitive Verarbeitung in unserem Gehirn haben kann –  vor allem in Gruppen, die oft einem solchen Ausschluss ausgesetzt sind.

Quellen:

Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (2011). Homophobie, Transphobie und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung und der Geschlechtsidentität in den EU-Mitgliedstaaten – Zusammenfassung. Luxembourg.

Mueller, S.C., Wierckx, K., Boccadoro, S., T’Sjoen, G. (in press). Neural correlates of ostracism in transgender persons living according to their gender identity: a potential risk marker for psychopathology? Psychological Medicine, https://doi.org/10.1017/S0033291717003828

Bildquelle:

Levi Saunders via Unsplash: https://unsplash.com/photos/vbeGoD9a5tI

CC: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de

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